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Panorama Schwerverbrecher hinterlässt Spur der Gewalt
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19:01 22.12.2011
Er rammt sich im Kugelhagel den Weg frei, bringt einen Linienbus in seine Gewalt, überfällt eine Sparkasse - trotz Großfahndung ist der Schwerverbrecher Thomas Feldhofer noch immer auf der Flucht.
Er rammt sich im Kugelhagel den Weg frei, bringt einen Linienbus in seine Gewalt, überfällt eine Sparkasse - trotz Großfahndung ist der Schwerverbrecher Thomas Feldhofer noch immer auf der Flucht. Quelle: dpa
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Magdeburg

An der Hotelrezeption gibt er ordentlich die Zimmerschlüssel zurück, dankt für die Hotelrechnung und verschwindet mit seinem großen Koffer. Nichts deutet auf dem Video aus der Überwachungskamera eines Frankfurter Hotels auf eine dunkle Seite dieses Gastes hin. Doch nach Überzeugung der Ermittler ist es der 46 Jahre alte Thomas Feldhofer - ein gefährlicher Schwerverbrecher, der kurz vor Weihnachten die Polizei auf Trab hält.

Tatort Arendsee. Die idyllische 3000-Seelen-Gemeinde direkt am Ufer des gleichnamigen Sees ist vom Tourismus geprägt. Seit mehr als 100 Jahren wird dort entspannt im tiefen Wasser gebadet. In diesen Tagen ist nicht viel los. Bis ein stämmiger Mann mit Oberlippenbart und Rucksack die Filiale der Sparkasse betritt, plötzlich die Mitarbeiter bedroht und Geld verlangt. Mit mehreren tausend Euro flüchtet er nach der Tat am Dienstag in einem gestohlenen Wagen. Wenig später erkennen Zeugen ihn auf Fotos der Polizei wieder: Es war der gesuchte Thomas Feldhofer.

So problemlos ging es für Feldhofer nicht immer ab. Am 9. Dezember bemerkt eine Zivilstreife in Krefeld in Nordrhein-Westfalen sein gestohlenes Auto. Zwei Streifenwagen rasen heran, ein Hubschrauber wird gerufen. Aber Feldhofer gibt Vollgas, lässt sich auch vom Kugelhagel der Polizei nicht stoppen, demoliert auf seiner Flucht fünf Autos. Dann ist er wieder wie vom Erdboden verschluckt. Zwei Tage später überfällt er ein Ehepaar auf seinem Gehöft bei Krefeld. Er raubt die Haushaltskasse, fesselt die 69 und 70 Jahre alten Eheleute und flüchtet wieder.

Wenige Tage später schlägt er im Taunus zu. In der noblen Kleinstadt Kronberg kapert er nach Erkenntnis der Ermittler einen Linienbus. Die sieben Fahrgäste lässt er aussteigen, doch der Fahrer muss ihn Richtung Wiesbaden fahren. Auf halber Strecke steigt Feldhofer aus und nimmt einem Autofahrer dessen Wagen ab. Damit flüchtet er dann. Ermittlungen ergeben, dass der Mann kurz vorher ein Elektrogeschäft überfallen hatte.

Die Polizei fahndet nach Feldhofer seit Wochen mit Haftbefehl. Den ersten Überfall soll er am 17. August in Voerde bei Kleve verübt haben, in Wolmirsleben in Sachsen-Anhalt soll er Mitte November schon einmal zugeschlagen haben. Doch für die Beamten ist es schwierig, den Tatverdächtigen zu fassen. „Feldhofer ist mobil und legte zwischen seinen Taten teilweise größere Distanzen zurück“, heißt es im Fahndungsaufruf der Polizei.

Schwierig wird die Suche auch, weil man so wenig von Feldhofer weiß. Der gebürtige Krefelder soll eine Elektrikerlehre zumindest angefangen haben, heißt es vage aus Düsseldorfer Fahndungskreisen. „Er hatte ein sehr dünnes soziales Umfeld“, sagt ein Beamter. Wovon er genau in den vergangenen Jahren lebte, was er denkt und warum die vielen Überfälle - noch ranken sich viele Geheimnisse um den Mann.

Ein möglicher Ansatz der Polizei für die Fahndung sind Tankstellen und Hotels. Denn für seine Hunderte Kilometer langen Reisen braucht er immer wieder auch Benzin. Und wie die Videoüberwachungskamera aus Frankfurt zeigt, nutzt Feldhofer für die Nacht auch gerne eine warme Unterkunft. Der Mann habe sich früher aber auch schon in Wälder zurückgezogen, heißt es. Eine Fahndung per Hubschrauber in den dünn besiedelten Gebieten im Norden Sachsen-Anhalts brachte kein Ergebnis.

Feldhofer könnte jetzt längst wieder an einem anderen Ort sein. Die Fahndung läuft inzwischen europaweit. Die Polizei warnt eindringlich davor, sich mit dem Gewalttäter anzulegen. „Der Mann ist gefährlich, er hat eine Waffe“, sagt der Sprecher der Polizei in Salzwedel, Frank Semisch. Bürger sollten sofort die Polizei informieren, falls sie auf den Mann träfen. „Man sollte nicht den Helden spielen.“

frx/dpa

22.12.2011
Karl Doeleke 22.12.2011