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Panorama Schulamokläufer war mit Axt, Messern und Molotow-Cocktails bewaffnet
Mehr Welt Panorama Schulamokläufer war mit Axt, Messern und Molotow-Cocktails bewaffnet
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20:51 17.09.2009
Ein 18-jähriger Amokläufer hat an seinem Gymnasium in Ansbach neun Mitschüler verletzt, bevor er selbst von Polizisten niedergeschossen wurde. Quelle: ddp
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Die Polizei überwältigte den Täter bereits elf Minuten nach dem Notruf und verhinderte damit möglicherweise Schlimmeres. Der Schüler der 13. Jahrgangsstufe wurde durch mehrere Polizeikugeln schwer verletzt. Das Motiv für den Amoklauf war zunächst unklar.

Der Täter hatte nach Polizeiangaben am Morgen in Klassenzimmern der neunten und elften Klasse je einen Molotowcocktail gezündet. Einer davon löste einen Brand aus. Ein Mädchen erlitt schwere Brandverletzungen. Eine weitere Schülerin attackierte der junge Mann mit einer Axt oder einem Messer und verletzte sie lebensgefährlich am Kopf. Sechs weitere Schüler und ein Lehrer wurden leicht verletzt.

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Bei seiner Festnahme war der Täter mit einer Axt, zwei Messern und einem weiteren Molotowcocktail bewaffnet. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte, der 18-Jährige habe auch Polizisten bedroht, die ihn zum Aufgeben bewegen wollten. Nach Polizeiangaben schossen die Beamten mit einer Maschinenpistole auf den Schüler, der von fünf Kugeln getroffen wurde. Sein Gesundheitszustand sei kritisch, Lebensgefahr bestehe aber nicht mehr.

Herrmann zeigte sich überzeugt, dass es durch den schnellen Polizeieinsatz gelungen sei, eine schlimmere Eskalation zu verhindern. Schon acht Minuten nach dem ersten Notruf seien Polizisten in der Schule gewesen, weitere drei Minuten später sei der Täter überwältigt gewesen. Bei diesem Amoklauf habe sich gezeigt, „dass die fortentwickelten Einsatzkonzepte greifen“.

Der junge Mann war laut Herrmann bei Polizei und Justiz bislang „nicht in Erscheinung getreten“. Nach Angaben des bayerischen Kultusministers Ludwig Spaenle (CSU) besuchen auch Geschwister des 18-Jährigen die Schule. Nähere Angaben zum Täter machten die Ermittler und Minister zunächst nicht.

Staatsanwältin Gudrun Lehnberger sagte: „Der Schwerpunkt wird sein, aufzuhellen, was in dem Täter vorgegangen ist.“ Sie beantragte Haftbefehl wegen versuchten Mordes. Der Täter befindet sich in einem Krankenhaus und konnte zunächst nicht vernommen werden.

Die Polizei war den Angaben zufolge durch einen anderen Schüler der 13. Jahrgangsstufe über den Amoklauf informiert worden. Der junge Mann, der bei der freiwilligen Feuerwehr aktiv ist, habe anschließend selbst gelöscht. Nach Angaben von Schulleiter Franz Stark verlief die Evakuierung des Schulgebäudes reibungslos. Die knapp 700 Schüler hätten angesichts des erst dritten Tages im neuen Schuljahr offenbar gedacht, dass es sich bei dem Alarm um eine Übung handelte. Lehrer trugen einige der verletzten Kinder nach draußen, wo sie von Rettungskräften versorgt wurden. Spaenle lobte die „Besonnenheit“ aller Beteiligten.

Die Schüler und zahlreiche besorgte Eltern, die zum Tatort geeilt waren, wurden von Notfallseelsorgern betreut. Sie wurden zum Teil in Räumen der örtlichen Agentur für Arbeit untergebracht. Für Freitag wurde der Unterricht bereits abgesagt.

Die Kultusministerien von Thüringen und Baden-Württemberg boten dem Carolinum Gymnasium ihre Hilfe an. „Nach den schrecklichen Ereignissen am Erfurter Gutenberg-Gymnasium im Jahr 2002 wissen wir um die problematische Situation nach einer solchen Tat“, sagte Thüringens Kultusminister Bernward Müller (CDU) in Erfurt, wo vor sieben Jahren ein 19-Jähriger bei einem Amoklauf 16 Menschen und sich selbst erschossen hatte. Der baden-württembergische Kultusminister Helmut Rau (CDU) sagte, sein Land wolle Bayern mit all den Erfahrungen zur Seite stehen, die im Land durch den Amoklauf von Winnenden im Frühjahr gesammelt worden seien. Bei dem Amoklauf im März starben 16 Menschen.

ddp