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Panorama Schüler decken Falschmeldungen aus NS-Zeit auf
Mehr Welt Panorama Schüler decken Falschmeldungen aus NS-Zeit auf
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14:50 30.06.2009
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigt das Projekt im Jüdischen Museum Berlin. Quelle: Steffi Loos/ddp
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Die Jugendlichen würden die Themen aus der Zeit des Nationalsozialismus unmittelbar in ihrer Heimat behandeln und „nicht irgendwo auf der Welt ganz weit weg“, sagte Merkel bei der Vorstellung der Zeitung von step21, der Initiative für Toleranz und Verantwortung. Insgesamt recherchierten 70 Schüler, um journalistische Lücken zur Zeit des Nationalsozialismus in ihrer Heimatregion zu füllen.

Die 15 Teams sprachen seit Oktober unter anderem mit Zeitzeugen und erforschten Archive sowie frühere Zeitungsartikel. Step21-Geschäftsführerin Sonja Lahnstein sagte, „sie begaben sich auf Spurensuche, um Falschmeldungen und Propaganda aufzudecken“. Die mittlerweile dritte Ausgabe wurde mit professionellen Journalisten erstellt. Darin wird auf 36 Seiten unter anderem das Schicksal polnischer Zwangsarbeiter in Greifswald, der Widerstand im Konzentrationslager Sachsenhausen und die Gruppe der deutschen Widerstandskämpfer Edelweißpiraten thematisiert. Neben den Artikeln sind zum Vergleich auch Originalberichte aus der NS-Zeit abgedruckt.

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Die Teams wollen vor allem bei anderen Schülern das Interesse für die eigene Geschichte wecken. „Wir wollen es anderen näher bringen, dass sie sich damit beschäftigen“, sagte der 19-jährige Alexandre Henkes, der in den vergangenen Monaten mit einer Klassenkameradin die Geschichte der Edelweißpiraten in Köln-Mülheim aufdeckte. Diese Jugendlichen weigerten sich während des NS-Regimes, in nationalsozialistische Jugendgruppen einzutreten. „Man hört da überhaupt nichts mehr darüber“, sagte Henkes. Dabei habe es „einige Gegner“ des Regimes gegeben.

Durch die journalistische Arbeit haben sich viele Schüler auch wieder dem Printmedium genähert. „Seit dieser Zeit lesen wir Zeitungen anders, denn wir wissen, was für eine Arbeit dahinter steckt“, sagte ein Sprecher eines Teams aus der Tschechischen Republik. Zudem hätten sie gelernt, Quellen genau zu prüfen und beim Lesen achtsam zu sein.

Insgesamt waren seit 2006 rund 200 Nachwuchsredakteure an den bislang drei Ausgaben der Zeitung beteiligt, sagte Lahnstein. Auch im kommenden Jahr werde es wieder eine Ausgabe geben. Diese könne beispielsweise die Beziehung zwischen Ost- und Westeuropa thematisieren, denn auch da gebe es „weiße Flecken“.

30.000 Exemplare werden ab Mittwoch (1. Juli) an Schulen, Jugendeinrichtungen und Gedenkstätten in den vier teilnehmenden Ländern verteilt. Das Blatt soll junge Menschen inspirieren, selbst unerforschte und verschwiegene Themen in ihrer Region zu erforschen. Zur Zeitung ist ein Begleitheft für Pädagogen erschienen.

Schirmherr von step21 ist Bundespräsident Horst Köhler. Die Initiative wurde 1998 nach ausländerfeindlichen Übergriffen gegründet. Bislang nahmen an den etwa 300 Aktionen gegen Unrecht, Diskriminierung und Gewalt step21 zufolge 900 000 Jugendliche an 13 Schulen und Jugendeinrichtungen teil. Journalisten wie „Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo und Moderatorin Sandra Maischberger unterstützen die Initiative als Paten.

ddp