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Panorama Schnee und Schneeverwehungen sorgen für Zugausfälle im Nordosten
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14:00 31.01.2010
Fahrgäste versuchen am Sonnabend in Rostock einen festsitzenden Linienbus auf spiegelglatter Strasse anzuschieben. Quelle: ap
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Erzwungene Winterruhe: Meterhohe Schneewehen und bis zu 50 Zentimeter Neuschnee haben den Verkehr im Nordosten Deutschlands am Wochenende großflächig stillstehen lassen. Hunderte Autofahrer steckten vor allem in der Nacht zum Sonnabend stundenlang im Schnee fest, den die heftigen Böen von Tief „Keziban“ zu massiven, bis zu drei Meter hohen Blockaden geformt hatten. In den Allgäuer Alpen in Bayern gingen am Sonntag nahe einer Piste drei Lawinen ab. „Bislang wurde noch keine Person vermisst gemeldet“, sagte ein Polizeisprecher zwei Stunden nach den Abgängen am Hochgrat (1832 Meter). Es konnte schließlich Entwarnung gegeben werden: Knapp vier Stunden hatten die Rettungstrupps der Alpinen Einsatzgruppe von Polizei und der Bergwacht die drei Lawinenkegel abgesucht - ohne Ergebnis. Zunächst war vermutet worden, dass möglicherweise Tourengänger von den Schneemassen, die kurz nach 10.00 Uhr in Pistennähe abgingen, erfasst wurden. Ein Skifahrer soll die Lawine ausgelöst haben.

Auch auf dem Feldberg im Schwarzwald löste sich eine Lawine. Zwei Skifahrer wurden dabei am Sonnabend gegen Bäume geschleudert und schwer verletzt. Der Schnee lag auf dem höchsten Berg Baden-Württembergs mehr als 40 Zentimeter hoch.

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In Mecklenburg-Vorpommern, wo mittlerweile mehr Schnee liegt als in Bayern, gab es am Wochenende zeitweise selbst für Räumfahrzeuge und Abschleppdienste kein Durchkommen mehr. „Eine flächendeckende Schneemenge, die so lange hält, hatten wir das letzte Mal im Winter 1978/79“, sagte Meteorologin Dorothea Paetzold vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Neues Chaos könnte es schon am Dienstag geben: Denn ein weiteres Tief mit anhaltendem Schneefall zieht heran.

Stopp für viele Züge

Die Bahn kämpfte am Sonntag noch mit den Schneemassen des Vortages: Regionalzüge fielen aus oder verspäteten sich. Die IC-Züge aus Richtung Hannover und Ruhrgebiet mit Ziel Binz auf Rügen endeten bereits in Stralsund, auch zwischen Berlin und Rostock rollten keine Züge. Oft gab es keinerlei Ersatzverkehr. Auch am Samstag hatte die Bahn den Verkehr vor allem im Norden auf vielen Strecken eingestellt.

Bundesweit gab es während des Wochenendes tausende wetterbedingte Unfälle, obwohl die Räumdienste im Dauereinsatz waren. Mindestens vier Menschen starben. Etliche Autobahnen mussten gesperrt werden, nachdem Lastwagen verunglückt oder liegen geblieben waren.

Allein in Nordrhein-Westfalen wurden binnen 24 Stunden mehr als 2000 witterungsbedingte Verkehrsunfälle registriert. Dabei wurden etwa 100 Menschen verletzt. Nach Behördenangaben entstand ein Sachschaden von mehr als 4,7 Millionen Euro. Auf der A61 bei Bedburg starb ein Autofahrer. Der 32-Jährige wurde wahrscheinlich überfahren, als er nach einem Unfall aus seinem Auto stieg. Im Raum Aachen schlitterten zwei Autos in Streifenwagen, die zu Unfällen gerufen worden waren.

Auch im Süden gab es etliche Unfälle, in Bayern kamen mindestens zwei Menschen ums Leben. Beide Fahrer waren mit entgegenkommenden Autos zusammengestoßen. In Baden-Württemberg starb in der Nacht zum Sonntag ein 20-Jähriger. Er hatte im Auto einer 19-Jährigen gesessen, deren Auto ins Schleudern geraten und mit einem Bus zusammengeprallt war. Bei weiteren Unfällen wurden mehrere Menschen schwer verletzt.

Fußballspiel ausgefallen

Viele Menschen waren am Freitagabend und in der folgenden Nacht von den gewaltigen Mengen Neuschnee überrascht worden, die „Keziban“ binnen kürzester Zeit verteilte. In einigen Städten und Landkreisen wurde am Sonnabend der öffentliche Nahverkehr eingestellt, das Spiel des FC Hansa Rostock gegen den 1. FC Union Berlin wurde abgesagt. Auch etliche andere Veranstaltungen im Nordosten fielen aus.

Angespannt war die Lage auch im Nordwesten Brandenburgs. Die Behörden warnten davor, sich mit dem Auto auf den Weg zu machen. „Die fahren trotzdem. Es ist zum Verrücktwerden“, sagte eine Polizeisprecherin in Potsdam. Zahlreiche Autofahrer saßen in Schneewehen fest, Windböen trieben neuen Schnee auf die Straßen.

Zum Verhängnis wurden Schnee und Glätte zudem etlichen Fußgängern. Allein in Hamburg kam die Feuerwehr dutzenden Gestürzten zu Hilfe, mehrere von ihnen hatten Knochenbrüche. Auf der zugefrorenen Alster in der Hansestadt tummelten sich - ausgestattet mit Picknickkörben und Schlittschuhen - zehntausende Menschen.

In Köln kostete der Ausflug auf einen zugefrorenen See einen 24- Jährigen das Leben. Der Mann hatte versucht, seinen eingebrochenen Hund zu retten. Dabei brach er selbst durch die Eisfläche und versank. Ein Feuerwehrtaucher fand den Bewusstlosen am Grund des Sees. Wenige Stunden später starb der Mann. Der Hund überlebte.

Die Ferieninsel Hiddensee blieb wegen der dicken Eisdecke vom Festland abgeschnitten. Die Lage sei dennoch ruhig, berichtete der Inselpolizist Peter Damaske. In den vergangenen Tagen waren mehrfach Menschen zu Fuß zum rund zwei Kilometer entfernten Festland gelaufen. Zuletzt war die Insel nach Damaskes Angaben im Winter 1996/97 von der Außenwelt abgeschnitten.

dpa

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