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Panorama Schnee, Stau und Chaos
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20:00 21.12.2009
Auf der Autobahn 9 Richtung München staute sich der Verkehr über zehn Kilometer mehrere Stunden lang.
Auf der Autobahn 9 Richtung München staute sich der Verkehr über zehn Kilometer mehrere Stunden lang. Quelle: ddp
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Ausgefallene Flüge, Verspätungen bei der Bahn sowie Staus und Unfälle auf den Straßen: Schnee und Eis behindern vor dem Weihnachtsfest den Verkehr in ganz Europa. Ob zu den Feiertagen Flugzeuge und Bahnen wieder normal verkehren, hängt von der Wetterentwicklung ab. Auf den Straßen soll es nach Angaben der Automobilklubs auf jeden Fall eng werden.

„An den Weihnachtstagen sind die Leute meist am zweiten Feiertag oder am Sonnabend nach dem Fest unterwegs“, erläuterte die Sprecherin des Automobilclubs von Deutschland (AvD), Sabine Götz. In diesem Jahr fällt der 2. Weihnachtstag auf einen Sonnabend. „Ich rechne damit, dass Sonnabend der schwierigste Tag auf den Autobahnen wird“, sagte sie. Viele Leute brechen dann in den Skiurlaub auf, andere fahren zu ihren Verwandten. „Wer unterwegs ist, sollte mehr Zeit einplanen.“

Und es könnte glatt werden. Zwar sagen die Meteorologen derzeit keine ergiebigen Schneefälle voraus. Aber Minustemperaturen in den Nächten könnten zu glatten Straßen führen, sagte Karsten Brandt von Donnerwetter.

Mit besonders starkem Reiseverkehr rechnen die Autoexperten für die Nord-Süd-Verbindungen wie die A 7 und die A 1. Weiter südlich sind nach Angaben der Automobilklubs vor allem die A3, die A 5 und die A 8 betroffen.

AvD-Sprecherin Götz empfiehlt, den Münchener Autobahnring zu meiden. „Dort wird es solchen Tagen immer besonders voll“, sagte sie. Götz rät davon ab, für Urlaubsfahrten im Winter auf die Nächte auszuweichen. „Da sind die Straßen meist schlecht gestreut“, sagte sie.

Wer sich aufgrund der Wetterlage für die Bahn entscheidet, muss auch dort mit Einschränkungen rechnen. In den vergangenen Tage hatten viele Züge erhebliche Verspätung oder fielen zum Teil ganz aus. „In der Tat macht uns die Kälte zu schaffen“, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn. Doch die Bahn setze alles daran, den Fahrplan einzuhalten. Kältebedingte Defekte am Triebkopf eines Zuges oder zugefrorene Weichen ließen sich in den vergangenen Tagen dennoch nicht vermeiden.

So erlebte die Familie Knüllig nach einem Verwandtschaftsbesuch in Hannover bei ihrer Rückfahrt am Sonntag nach München eine wahre Odyssee. Der ICE, der um 14.26 Uhr in Hannover abfahren und um 19 Uhr in München ankommen sollte, erreichte sein Ziel erst um 23.15 Uhr. Kurz nachdem der Zug den Bahnhof verlassen hatte, hielt der ICE bei Kreiensen, 40 Kilometer vor Göttingen, auf offener Strecke. Simon Knüllig musste zusammen mit seiner Frau und seinem dreijährigen Sohn und seiner elf Monate alten Tochter für zweieinhalb Stunden in dem Zug ohne Strom und ohne Heizung ausharren. Gegen 18 Uhr wurde der gesamte Zug evakuiert. Über Metallbrücken mussten die Passagiere in einen Ersatzzug umsteigen, der auf dem Nachbargleis bereitgestellt wurde. Doch auch dieser Zug war nicht sofort einsatzbereit. Grund hierfür: eine eingefrorene Weiche. Laut Bahn müssen in so einem Fall Mitarbeiter mit Besen und Brecheisen kommen, um die Weiche mechanisch von Schnee und Eis zu befreien.

Hartmut Buyken vom Fahrgastverband Pro Bahn zeigt sich empört über diesen Vorfall: „Wir hatten gehofft, dass sich die Bahn aufgrund der verbesserten Fahrgastrechte besser auf den Winter eingestellt hätte.“ Buyken glaubt, dass der kalte Winter und die dadurch bedingten Verspätungen dennoch sein Gutes haben: „Die Bahn wird die Fahrgastrechte verinnerlichen.“ Denn sie wird zahlen müssen. Immerhin seien die Angaben bezüglich der Verspätungen der Züge auf der Internetseite der Deutschen Bahn „ausgesprochen zuverlässig“, sagt Buyken. Was den Ablauf des Schienenverkehrs während der Weihnachtstage betrifft, ist er optimistisch: „Das Schlimmste ist vorbei. Die Chancen stehen gut, dass der Verkehr den Umständen entsprechend gut läuft.“

Seit dem Wochenende hatte die Lufthansa rund 300 Flüge wegen Schneetreibens abgesagt. Besonders große Probleme gab es am Flughafen Frankfurt. Passagiere wurde auf andere Flüge umgebucht oder in Hotels untergebracht worden. Einige Menschen verbrachten die Nacht am Flughafen.

von Mathias Klein
 und Sarah Pancur

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