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Panorama Schnee, Schlamm, rücksichtslose Touristen: So dramatisch ist die Lage in Österreich
Mehr Welt Panorama Schnee, Schlamm, rücksichtslose Touristen: So dramatisch ist die Lage in Österreich
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14:54 18.11.2019
Die extremen Schneefälle der vergangenen Tage sorgen in Teilen Österreichs für massive Gefahren und Behinderungen. Quelle: imago images/Eibner Europa/Feuerwehr Bad Gastein/APA/Montage RND
Hannover/Heiligenblut

Der Wintereinbruch hält Österreich in Atem. Seit Sonntag wurden in den Bundesländern Kärnten und Tirol aus Sicherheitsgründen unzählige Straßen gesperrt und mehrere Wohnhäuser evakuiert. Einige Orte sind zum Teil von der Außenwelt abgeschnitten. Ein Mensch kam ums Leben.

„Die Lage ist angespannt“, erklärt ein Sprecher der Polizei in Heiligenblut am Großglockner gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Am Sonntagabend waren nahe dem Ort Lawinen heruntergegangen. Noch immer ist die Landstraße zum Dorf hin gesperrt, Schulen und Kindergärten bleiben bis voraussichtlich Mittwoch geschlossen.

Lawinenabgänge, umgestürzte Bäume, Stromausfälle: In den Alpen sind mehrere Dörfer eingeschneit. Zahlreiche Urlauber sitzen fest.

„Das größte Problem derzeit sind die Murenabgänge“, erklärt der Polizeisprecher. Dabei handelt es sich um Schlammlawinen, die enorme Schäden anrichten können. Wer von ihnen verschüttet wird, hat praktisch keine Chance. Grund seien laut Polizei die starken Regenfälle der vergangenen Tage.

Schlammlawinen treffen Wohnhäuser

Bisher habe es in der Region keine Verletzten gegeben, auch andere Notfälle seien der Polizei nicht bekannt. Der Ort selbst war von den Lawinenabgängen zunächst nicht betroffen. Jedoch seien die Menschen vor Ort zu erhöhter Vorsicht aufgerufen.

Anders im Ort Bad Kleinkirchheim in Kärnten: Hier kam am Montag der 80-jährige Bewohner eines Hauses ums Leben, nachdem dieses von einem Erdrutsch vollständig zerstört worden war. Auch in der Gemeinde Bad Gastein im Bundesland Salzburg war in der Nacht eine Schlammlawine auf zwei Wohnhäuser niedergegangen, wie die Nachrichtenagentur APA berichtet. Zwei Menschen konnten gerettet werden.

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Der Ort Stadl an der Mur in der Steiermark war am Sonntag zum Katastrophengebiet erklärt worden. In der Region waren gleich mehrere Schlammlawinen heruntergekommen, weitere sind zu befürchten. 15 Wohnhäuser wurden evakuiert. Die Schulen in Stadl/Mur und dem benachbarten Predlitz bleiben am Montag geschlossen.

Derzeit sei die Lage vor Ort unübersichtlich, erklärt ein Polizeisprecher auf RND-Anfrage. Man wolle am Morgen einen Hubschrauber in die Luft schicken und dann weitere Schritte besprechen. Die Einsatzkräfte vor Ort seien aber auf mögliche Notfälle vorbereitet. Im Pflegeheim von Stadl an der Mur wurden Feldbetten errichtet, um Personen aus evakuierten Häusern unterbringen zu können.

Entspannung in Venedig - Schneechaos in Südtirol

Auch das Hochwasser wird zum Problem

Neben Lawinenabgängen ist vielerorts auch das drohende Hochwasser ein Problem. In Kärnten traten bereits mehrere Seen über die Ufer. Der bei Villach gelegene Faaker See führte am späten Sonntagabend ein Hochwasser, wie es statistisch nur alle 100 Jahre vorkommt. In Lavamünd wird die Spitze des Hochwassers erst am Montagmorgen erwartet. Dort wurde ein mobiler Hochwasserschutz errichtet, der Ortskern ist gesperrt.

In den sozialen Netzwerken versuchen Betroffene, sich gegenseitig zu helfen. In der Facebook-Gruppe „Mein Mölltal“ etwa bieten sich Anwohner gegenseitig Unterkünfte an. „Falls es jemanden gibt, der aufgrund der Wetterlage nicht mehr nach Hause kommen sollte: Ich hätte ein Apartment für vier Personen zur Verfügung. Natürlich kostenlos“, schreibt eine Frau aus Reisseck.

In derselben Gruppe berichten Nutzer von Stromausfällen in der Region. In allen betroffenen Orten sollen Medienberichten zufolge zeitweise 4000 Menschen ohne Elektrizität gewesen sein.

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Touristen missachten Lawinengefahr

Ein Anwohner aus Mallnitz berichtet von „gespenstischer Stimmung“ im Ort. „Kein Auto, kein Zug“, schreibt er. In der Region waren mehrere Lawinen heruntergegangen. Dabei wurden zwei Einfamilienhäuser beschädigt, aber zum Glück niemand verletzt. Auch Bilder der Murenabgänge direkt vor ihrer Haustür posten die Anwohner. „Wahnsinn, diese Naturgewalten“, kommentiert einer.

Ein Video in der Gruppe erhält seit dem Abend besonders viele Reaktionen. Es zeigt eine Gruppe unbelehrbarer Touristen, die trotz erhöhter Lawinengefahr in den Bergen herumspazieren. „Nicht nur, dass die Vollidioten ihr eigenes Leben riskieren, sondern auch noch das von Bergungsmännern und Frauen, die nach ihnen suchen. Ich bin wirklich entsetzt und zornig“, schreibt ein Nutzer.

Es gibt immer wieder Volltrotteln...

Gepostet von Ursula Gatterer am Sonntag, 17. November 2019

Apropos Touristen: Auch viele deutsche Skifahrer sitzen derzeit in den Bergen fest. Das Ötztal mit den bereits geöffneten Skigebieten in Sölden und Obergurgl-Hochgurgl ist durch gesperrte Straßen abgeschnitten. Auch am Abend hatte sich die Situation noch nicht verbessert – die Sperre bleibt bis auf Weiteres bestehen. Am Montagmorgen soll die Lage neu bewertet werden.

Chaos auch in Südtirol

Allein in Sölden waren waren am Wochenende 83 Zentimeter Neuschnee gefallen. Die Schneehöhe am Berg ist damit auf 275 Zentimeter angewachsen. Weitere 80 Zentimeter Neuschnee werden bis Dienstag erwartet.

Nicht nur Österreich ist vom Wintereinbruch betroffen. Am Wochenende hatte ein Schneechaos bereits in der Region Südtirol (Italien) für Chaos gesorgt. Eine Lawine traf das Dorf Martell, Verschüttete gab es zum Glück aber nicht. Die Brennerautobahn, die wichtigste Verbindungsstraßen zwischen Italien und Österreich, war vorübergehend zwischen Brixen und Sterzing gesperrt. Im Großteil Südtirols herrscht Lawinengefahr Stufe 4.

Mit Material von dpa

Von Matthias Schwarzer/RND

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