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Panorama Schloss Moritzburg zeigt riesige Schau über tschechischen Kultfilm
Mehr Welt Panorama Schloss Moritzburg zeigt riesige Schau über tschechischen Kultfilm
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19:22 13.12.2011
Foto: Alle Jahre wieder wird ein Schuh draus: Aschenbrödel und der Prinz finden sich.
Alle Jahre wieder wird ein Schuh draus: Aschenbrödel und der Prinz finden sich. Quelle: dpa
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Moritzburg

Wer am Kassenhäuschen sieben Euro gezahlt hat, darf Vinzeks Pferdeschlitten besteigen. Der gemütliche Hausdiener holt die Gäste aus dem nieseligen, grauen Moritzburg ab und kutschiert sie in den Winter 1973. Damals entstand im alten Jagdschloss in der Nähe von Dresden die deutsch-tschechische Märchenproduktion „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, die zum erfolgreichsten Märchenfilm aller Zeiten geworden ist. Der Film wurde zum Weihnachtsmärchen. Und läuft alle Jahre wieder in der Weihnachtszeit – seit fast 40 Jahren.

Die Moritzburger Film-Ausstellung funktioniert schon im dritten Jahr – und wird in diesem Jahr noch größer. Die Dauerausstellung, die den Barock Augusts des Starken feiert, musste dafür weichen. Stattdessen werden 82 Minuten deutsch-tschechische Filmgeschichte auf 2000 Quadratmetern über vier Etagen seziert. Selbst die randständigste Info wird von den Hardcore-Fans aus der „3hfa“-Szene aufgesogen. Die erste Ausstellung vor zwei Jahren, die nur mit einem Viertel der Fläche auskam, zog immerhin schon 150.000 Besucher an.

Hauptattraktion sind die Filmkostüme. Von den Wänden des berühmten Speisesaals glotzen Kurfürst Augusts Jagdtrophäen auf die Kleider der Ballgesellschaft aus dem Märchen. Sie stammen aus dem Fundus der Prager Barandow-Filmstudios und wurden von den Moritzburger Ausstellungsmachern in die Filmkulisse integriert. In der nachgebauten guten Stube kleben zwei Besucherinnen an der Vitrine und studieren die Machart von Stiefmutters Fledermaus-Hut. Den Ballsaal aus dem Märchen gibt es nicht, er wurde damals in den Babelsberg-Studios nachgebaut. Das silberne Brautkleid ist reichlich abgetragen, am rosa Mantel fehlen die Knöpfe.

Von den rund 350 Aschenputtel/Aschenbrödel/Cinderella-Figuren, die die weltweite Literatur hergibt, zeichnet diese aus, dass sie auch sexy sein darf. Die tschechische Schriftstellerin Bozena Nemcova schrieb die Vorlage, die tschechische Schauspielerin Libuse Safrankova, Libuschka genannt, gab der Aufsteigerin Kulleraugen und frechen Charme.

Zum Erfolg des Aschenbrödel-Films hat auch die Musik von Karel Svoboda beigetragen, der auch „Biene Maja“ für Karel Gott schrieb. Und auch die Kostüme von Theodor Pistek, der 1985, zwölf Jahre nach Aschenbrödel, für seine Arbeit für Milos Formans „Amadeus“ einen Oscar bekam. Der Film kam ohne Kitsch aus. Aber über die Jahre lagerte sich an allen Enden Kitsch jeglicher Form an wie Korallen ans Wrack, sagt der Souvenirverkäufer. Bei ihm kaufen die Menschen Aschenbrödel-Schneekugeln, Scherenschnitte, das Buch mit allen Details zum Film, den Soundtrack und den nachgebauten Aschenbrödel-Schmuck.

Und wie alle Jahre wird Aschenbrödel zum Fest auf den Sendern der ARD wieder mit ihrem Prinzen durch den Schnee reiten – siebenmal an Heiligabend, dreimal am ersten Weihnachtstag, dreimal am zweiten.

Christine Keilholz