Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Panorama Rosenkrieg auf Italienisch: Lario gegen Berlusconi
Mehr Welt Panorama Rosenkrieg auf Italienisch: Lario gegen Berlusconi
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:31 04.05.2009
Silvio Berlusconi soll seinem Anwalt bereits die Richtung für eine Scheidung von Veronica Lario vorgegeben haben: „Wir werden sehr hart bleiben.“ Quelle: afp
Anzeige

In der Krise nimmt die Welt eher Zuflucht zu Süßigkeiten als zum Fernsehen, und so ist Nutella-Chef Michele Ferrero mit einem Vermögen von 11 Milliarden Dollar an den 9,4 Milliarden des TV-Zaren Berlusconi vorbeigezogen. So jedenfalls rechnet es das US-Magazin „Forbes“ in seiner jährlichen Hitliste vor.

Wie auch immer: Wenn nach italienischem Recht die geschiedene Frau in der Lage sein muss, denselben Lebensstandard wie zu Ehezeiten fortzuführen, dann könnten auf Berlusconi einige Ausgaben zukommen. Arm ist er ja immer noch nicht. Erst im Januar hat er sich als Dividende aus seinem Fininvest-Konzern 169 Millionen Euro genehmigt. Im Jahr 2007 hat er 23 Millionen Euro allein für die Pflege und ein paar „bauliche Verbesserungen“ seiner Villen ausgegeben – von Mailand über Sardinien bis auf die Bahamas. Ganz abgesehen davon, dass er sich für 35 Millionen Euro noch eine dazugekauft hat.

Anzeige

Berlusconi, der Sohn eines kleinen Mailänder Bankangestellten, hat sich seinen Reichtum selbst verschafft – wenn auch die Herkunft einiger, vor allem anfänglicher Millionen bis heute mehr als dubios ist. Begonnen hat Berlusconi als Bauunternehmer mit dem Hochziehen großer Wohnviertel in Mailand („Milano 2“). Dann hat er sich immer stärker aufs Privatfernsehen verlegt. Heute kontrolliert er mit den drei Hauptkanälen seiner „Mediaset“ knapp die Hälfte des italienischen Fernsehmarkts und der Werbeeinnahmen.

Fininvest – das ist Berlusconis Dach-Holding, in der neben Mediaset auch noch der große Mondadori-Verlag, der Versicherungskonzern Mediolanum sowie der Fußball-Erstligist AC Milan zusammengefasst sind. Der Wert von Fininvest wird in Finanzkreisen zwischen sieben und zehn Milliarden Euro angesetzt. Berlusconi selbst hält daran bis heute 65 Prozent. Seine fünf Kinder – zwei aus erster Ehe, drei aus der Verbindung mit Veronica Lario – teilen sich annähernd gleichmäßig den Rest.

Ein Ungleichgewicht besteht allerdings darin, dass die beiden ältesten Kinder Berlusconis, Marina (42) und Piersilvio (40), bereits als aktive Unternehmer den Familienkonzern führen; die drei Kinder Veronica Larios – 20, 22 und 24 Jahre alt – waren dem „padrone“ dafür bisher zu jung.

Italienische Zeitungen berichten, Lario störe sich bei ihrem Scheidungsantrag auch an dieser „Zurücksetzung“. Zwischen den Kindern selbst und dem Vater gibt es aber offenbar keinerlei Verstimmung.

Den Zahlen nach steht auch Veronica Lario nicht schlecht da. Sie lebt in Gütertrennung von Berlusconi und hat die ihr während der gut 18-jährigen Ehe zugefallenen Immobilien – Mailand, London, New York, Sardinien – in einer Finanzgesellschaft zusammengefasst, deren Wert auf 20 bis 30 Millionen Euro geschätzt wird. Zusätzlich trägt sie den „Foglio“, eine bissige, rechtsintellektuelle Tageszeitung, die bei aller Loyalität auch eine kritische Distanz zu Berlusconi pflegt.

Dass es zwischen Lario und Berlusconi in letzter Minute doch noch zu einer Versöhnung kommt, scheint mittlerweile fast ausgeschlossen. Berlusconi sagt: „Jetzt ist Schluss. Ich sehe keine Möglichkeiten mehr zum Weitermachen.“ Und Lario hat sich eine Kontaktaufnahme zu ihr ausdrücklich verbeten.

Berlusconis Nochehefrau hatte am Wochenende angekündigt, dass sie wegen der anhaltenden Schwäche ihres Mannes für hübsche und sehr junge Frauen die Scheidung wolle. Das Fass zum Überlaufen brachte offenbar Berlusconis Erscheinen bei der Geburtstagsfeier einer blonden 18-Jährigen in Neapel in der vergangenen Woche – während er bei den Feiern seiner eigenen Kinder zu deren 18. Geburtstagen durch Abwesenheit geglänzt hatte.

„Meine Ehe ist zu Ende. Ich kann nicht bei einem Mann bleiben, der mit Minderjährigen verkehrt“, soll Lario zu einer Freundin gesagt haben.

Berlusconi wies am Montag in der Zeitung „La Stampa“ jegliche Verdächtigungen über die Beziehung zwischen ihm und der 18-Jährigen zurück. „Die Signora sagt, dass ich mit 17-Jährigen um die Häuser ziehe. Das ist eine Unterstellung, die ich nicht zulassen kann. Ich bin mit ihrem Vater befreundet, das ist alles. Das schwöre ich“, sagte er der Zeitung. Seine Frau müsse sich öffentlich für ihre Angriffe gegen ihn entschuldigen: „Und ich weiß nicht, ob das genügt.“

Noch am Sonntag hatte Berlusconi zunächst zurückhaltend auf die Berichte über seine Eheprobleme reagiert. Er sprach von einer „schmerzhaften persönlichen Angelegenheit“, die besser privat bleiben sollte.

von Paul Kreiner