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17:11 20.09.2017
Läden in England und den Niederlanden lösen geschlechterspezifische Trennung in Kinderabteilungen auf. Quelle: Foto: Fotolia
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London/Den Haag

Rosa Kleidchen und pinke Prinzessinnen-Strampler in einer Ecke, blaue Latzhosen und mit Autos bedruckte T-Shirts in der anderen – Klischees bestimmen seit jeher die Aufteilung in Läden für Kinderbekleidung. Doch damit ist bei Großbritanniens beliebter Kaufhauskette John Lewis nun Schluss. Das vor allem bei der Mittelklasse als Institution geltende Unternehmen schafft die Kategorien „Boys“ und „Girls“ ab. „Wir wollen nicht länger Geschlechterstereotype befeuern“, sagte die Leiterin der Kinderbekleidung, Caroline Bettis. Denn warum sollen Mädchen keine Superhelden auf ihrem Pulli tragen wollen und Jungen nicht die Farbe Lila bevorzugen?

Kinder und Eltern, so die Botschaft, sollen selbst wählen können, was sie am liebsten tragen beziehungsweise ihrem Nachwuchs anziehen. Auf dem Etikett prangt „Boys & Girls“ oder „Girls & Boys“ und schließt so beide Geschlechter ein. John Lewis ist der erste Händler, der die geschlechterspezifischen Labels von Kinderbekleidung entfernt, ausgeschlossen bleiben vorerst noch Schuluniformen. Dabei hat sich am Stil kaum etwas verändert. Noch immer hängen beispielsweise Blumenröcke auf dem Kleiderbügel.

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Es gibt auch eine Unisex-Kollektion

Was John Lewis aber sagen will: Diese können eben auch von Jungs getragen werden. Zudem gibt es jetzt eine Unisex-Kollektion: Gelbe Pyjamas oder mit Dinosauriern bedruckte Shirts sollen jeden ansprechen. Unisex-Mode hat an Popularität gewonnen. Luxusmarken ebneten den Weg, indem sie etwa weibliche Models in Männerklamotten auf den Laufsteg schickten. Auch das internationale Unternehmen H&M hat mit „Denim United“ eine Unisex-Jeans-Kollektion auf den Markt gebracht.

Viele Eltern und Aktivisten lobten den „zukunftsweisenden“ Schritt von John Lewis. Die Neuerung beim Kaufhausgiganten folgt auf einen Skandal, der kürzlich die Briten umtrieb: Die gemeinnützige Organisation National Trust verkaufte in ihren Geschenkeläden pinke Hüte für Mädchen mit der Aufschrift „Zukünftige Fußballer-Ehefrau“.

Entscheidung ruft auch Kritik hervor

Die Entscheidung von John Lewis sorgte jedoch nicht nur für Zustimmung, sondern löste in den sozialen Medien einen Sturm der Entrüstung aus. John Lewis solle sich schämen, sich der „politischen Korrektheit zu beugen bezüglich des Geschlechts eines Kindes“, schrieb eine aufgebrachte Twitter-Nutzerin und bekam Unterstützung von einem konservativen Abgeordneten, für den die jeweiligen Jungen- oder Mädchen-Etiketten „informativ“ seien. Der umstrittene Fernsehmoderator Piers Morgan befand: „Großbritannien ist nun offiziell übergeschnappt.“ Sein Scherz? „Können wir es überhaupt noch John Lewis nennen oder muss es jetzt Joan Lewis heißen?“

Warenhaus Hema in den Niederlanden löst Unterscheidung auf

Auch die Niederlande schwimmen neuerdings auf der genderneutralen Welle mit. In der Kleiderabteilung des Warenhauses Hema ist die Unterscheidung zwischen Kleidung für Jungs und Mädchen aufgelöst. Die beiden Abteilungen werden fusioniert. Sie heißen fortan: Kids. Ausgelöst wurde die neue Neutralität durch einen Brief eines zehnjährigen Mädchens. Es beklagte sich darüber, dass es nur rosafarbene Unterwäsche mit Herzchen darauf bei Hema kaufen könne. Das sei ihm „zu langweilig“. „Wir hatten viele solcher Reaktionen von jungen Mädchen“, sagt Trevor Perren, der Einkaufsdirektor von Hema. „Wir werden künftig mehr Variationen anbieten als bisher. Aber rosa gefärbte Unterwäsche wird es auch weiterhin geben. Nur ist die nicht ausschließlich für Mädchen bestimmt.“

Von Katrin Pribyl und Helmut Hetzel/RND

Der Artikel "Rosa Unterwäsche für alle" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.