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Panorama Roms Müllmänner: ein Bonus für alle, die zur Arbeit kommen
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20:58 19.11.2021
Müllsäcke stapeln sich an einer Straße in Rom. (Archivfoto)
Müllsäcke stapeln sich an einer Straße in Rom. (Archivfoto) Quelle: picture alliance / Pacific Press
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Rom

Der Plan heißt etwas schönfärberisch „Anreize zur Erhöhung der Präsenz am Arbeitsplatz“. Ausgedacht hat ihn sich Roberto Gualtieri, der neue Bürgermeister von Rom. Der Sozialdemokrat teilte am Freitag mit, dass seinen Müllmännern ein Bonus winke, wenn sie die nächsten eineinhalb Monate ausnahmsweise einmal regelmäßig zur Arbeit erscheinen. Konkret: Wer vom 22. November bis zum 9. Januar - abgesehen von den zahlreichen Feiertagen natürlich - immer zur Arbeit kommt, dem wird zusammen mit dem Februarlohn eine Prämie von 360 Euro ausbezahlt. Wer es bei drei Fehltagen bewenden lässt, erhält noch 260 Euro. Bei fünf Absenzen gibt‘s immerhin noch 200 Euro.

Der Hintergrund des neuen „Bonus“: Gualtieri, Nachfolger der unter anderem an der permanenten Müllkrise gescheiterten Fünf-Sterne-Bürgermeisterin Virginia Raggi, hatte nach seinem Sieg bei den Kommunalwahlen am 18. Oktober etwas voreilig versprochen, dass er Rom „bis Weihnachten“ vom Dreck befreien werde. Davon ist ein Monat nach seiner Wahl noch nichts zu sehen, nicht zuletzt deshalb, weil die Drei-Millionen-Metropole über keine Müllverbrennungsanlage verfügt.

Gualtieri hat aber noch etwas anderes festgestellt: Von den knapp 4000 Müllmännern der Stadt sind offiziell 1464 lediglich „teilweise arbeitsfähig“, und 110 sind aus verschiedenen Gründen überhaupt nicht einsetzbar. Und unter denjenigen, die arbeiten könnten, grassiert der „Absentismus“: 15 Prozent der Arbeitszeit gehen bei der Römer Müllabfuhr wegen Krankschreibungen und anderen Unpässlichkeiten verloren.

57 Prozent der Müllautos defekt

Beim Fahrzeugpark der städtischen Müllabfuhr ist die Ausfallquote sogar noch deutlich höher: 57 Prozent der Müllautos stehen seit Monaten und zum Teil auch seit Jahren defekt in der Garage. Was aber nicht weiter schlimm ist: Wegen fehlender Entsorgungseinrichtungen wüssten die Fahrer (wenn sie nicht gerade krank sind) ohnehin nicht, wohin sie den Abfall karren sollen.

Insgesamt hat Gualtieri für die neuen Prämien drei Millionen Euro vorgesehen. Und sie könnten zum festen Lohnbestandteil werden - dann nämlich, wenn sich Roms Straßen auch nach dem 9. Januar dauerhaft „in totaler Sauberkeit“ präsentieren sollten und die „illegalen Deponien an den Straßenrändern“ verschwunden sind, wie es in der Vereinbarung zwischen der Stadt und der Müllabfuhr heißt. Das würde freilich voraussetzen, dass Gualtieri sein Weihnachtsversprechen dank den Sonderprämien überhaupt wird einhalten können und Rom bis dann tatsächlich vom Müll befreit sein wird. Zweifel sind angebracht.

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Ein Sprecher der Müllmännergewerkschaft hat die neuen Bonuszahlungen erfreut als „Revolution der Arbeitsbedingungen“ bezeichnet. Wohl wahr: Dass für die Einhaltung der im Anstellungsvertrag festgelegten Arbeitszeit zusätzlich zum Lohn noch eine Prämie ausbezahlt wird, sozusagen als Belohnung für eine aus der Sicht des Arbeitnehmers unzumutbare Sonderanstrengung, hat es bisher noch nirgends gegeben. Nicht einmal in Rom.

Von Dominik Straub/RND

Der Artikel "Roms Müllmänner: ein Bonus für alle, die zur Arbeit kommen" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.