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Panorama Roboter hilft beim Essen und Arbeiten
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13:33 17.01.2010
Christos Fragkopoulos, Doktorand im Fachbereich Elektro im Institut für Automatisierungstechnik an der Universität in Bremen, führt an Rollstühlen montierte Roboterarme für Behinderte vor.
Christos Fragkopoulos, Doktorand im Fachbereich Elektro im Institut für Automatisierungstechnik an der Universität in Bremen, führt an Rollstühlen montierte Roboterarme für Behinderte vor. Quelle: lni
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Selbstständig essen, eine Flasche aufschrauben oder die Lesebrille aufsetzen - das ist für Menschen mit gelähmten Armen ohne fremde Hilfe nicht möglich. Deshalb müssen sie rund um die Uhr betreut werden. Ein von Bremer Elektroingenieuren entwickeltes Robotersystem soll diesen Behinderten künftig zu mehr Unabhängigkeit verhelfen. „Ein Ziel ist auch, den Betroffenen den Schritt zurück ins Berufsleben zu ermöglichen“, erläuterte Professor Axel Gräser vom Institut für Automatisierungstechnik der Bremer Universität. Noch in diesem Jahr soll ein Arbeitsplatz in der Hansestadt entstehen, an dem ein Behinderter den Roboter im Dauereinsatz und bei verschiedenen Aufgaben testen kann.

Das mit Sensoren ausgestattete Assistenzsystem „Friend“ besteht aus einem Rollstuhl, einem Roboterarm und einer Handprothese. Kameras erfassen die Umgebung und bringen die Hand in die richtige Greifposition. Die Benutzer können den Arm nach Angaben von Gräser mit ihrem Kinn, den Augen oder per Spracheingabe bedienen. Außerdem forschen die Wissenschaftler zurzeit daran, den Roboter über Hirnsignale zu steuern.

Vier Jahre lang hatte das Team um Gräser gemeinsam mit vier Industriepartnern und dem Rehabilitationszentrum Friedehorst an der Entwicklung gearbeitet. Ende 2009 schlossen sie das vom Bundesforschungsministerium mit 1,2 Millionen Euro geförderte Projekt ab. „Unsere Tests haben gezeigt, dass ein Behinderter mit Hilfe des Robotersystems 90 Minuten seines Privatlebens autonom verbringen kann“, sagte Gräser.

Es ermöglicht den Behinderten zum Beispiel, Gerichte in der Mikrowelle zu erhitzen, selbstständig zu essen oder sich ein Getränk einzugießen. „Wir haben die Funktion des Arms bewusst auf die Bedürfnisse der Behinderten eingestellt.“ In einer Befragung hatten Betroffene unter anderem angegeben, dass es ihnen wichtig wäre, wieder ohne Hilfe essen zu können.

Als nächstes sollen Behinderte den Roboterarm im Berufsalltag erproben. Infrage käme eine Stelle in der Universitätsbibliothek oder am Rehabilitationszentrum, wo im Auftrag der Industrie Platinen getestet werden. „Wir haben uns bewusst Bereiche ausgesucht, die manuelle Tätigkeiten voraussetzen“, erklärte Gräser. Die Fördergelder für einen solchen Arbeitsplatz stehen allerdings noch aus.

lni