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Panorama Riesenbagger soll den Krater in Schmalkalden mit Kies aufschütten
Mehr Welt Panorama Riesenbagger soll den Krater in Schmalkalden mit Kies aufschütten
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19:54 02.11.2010
Feuerwehrleute stehen in Schmalkalden am Rande des Kraters.
Feuerwehrleute stehen in Schmalkalden am Rande des Kraters. Quelle: dpa
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Ein Bagger soll schon am Mittwoch anrücken, um das Loch mit riesigen Mengen Kies zuzuschütten.

Die Bewohner der geräumten Häuser durften am Dienstag noch einmal einige Habseligkeiten aus der Gefahrenzone bergen. „Für mich wirkt das immer noch wie eine Katastrophenschutzübung, ich habe das noch nicht verarbeitet“, sagte eine Frau, deren Haus direkt neben dem Abgrund des Erdlochs mit einem Durchmesser von gut 35 Metern steht. „Man wundert sich, dass kein Haus darin verschwunden ist“, sagte einer der 20 000 Einwohnern der Fachwerkstadt.

Die einen Tag nach Einsturz des Erdreiches freigegebenen Häuser stehen etwa 50 bis 80 Meter von der Unglücksstelle entfernt. Dorthin kehrten vier Familien zurück. Für ihre Gebäude sei im Moment keine Gefahr im Verzug, sagte der Landrat des Kreises Schmalkalden-Meiningen, Ralf Luther (CDU).

Mit großem Aufwand laufen unterdessen die Vorbereitungen zum Verfüllen des Erdloches, das Straße, Gärten, ein Auto und Teile von Garagen verschlang. An diesem Mittwoch wird ein Spezialbagger mit einem 18 Meter langen Greifarm in der Stadt im Thüringer Wald erwartet. Auch ein 30 Meter langes Förderband soll herangeschafft werden.

Der zwölf Meter tiefe Schlund soll mit 40.000 Tonnen Kies verfüllt werden. Dafür müssen 2000 Lasterladungen herangefahren werden, sagte Luther. Bei den anfallenden Kosten will der Landkreis zunächst in Vorleistung treten.
Experten fürchten vor allem weitere Gefahren durch starken Regen. Vorbeugend würden daher nun Wasser- und Abwasserleitungen umverlegt, sagte der parteilose Bürgermeister Thomas Kaminski. Fachleute warnen derweil vor ähnlichen Erdfällen.

Aus dem Nichts öffnet sich der Boden – allein in Thüringen bis zu 20-mal im Jahr. Meist klaffen die metertiefen Löcher auf Feldern und Wiesen. Mindestens dreimal aber verschlangen die riesigen Krater auch Straßen, rissen ein Auto, einen Bagger, Gärten und Garagen in die Tiefe. „Im Thüringer Wald und dem Südharz ist die Wahrscheinlichkeit für solche Erdfälle besonders groß“, sagt der Direktor des Jenaer Instituts für Geowissenschaften, Gerhard Jentzsch.

Selbst wenn das Loch in Schmalkalden mit Kies gefüllt sei, könne es noch eine Weile dauern, bis sich der Erdfall beruhige, sagte der Direktor des Instituts für Geowissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Gerhard Jentzsch. Noch könne Gestein nachrutschen oder lockeres Material im Untergrund nachgeben. „Auch gegen die Gefahr, dass sich unter dem Krater noch ein weiterer Hohlraum befinden könnte, kann man nichts tun“, warnte der Professor. Um mehr über die Gesteinsschichten im Untergrund zu erfahren, gebe das Land eine Untersuchungsbohrung in Auftrag, kündigte Umweltminister Jürgen Reinholz (CDU) an.

Am Krater selbst ließen Wissenschaftler der Universität Jena für Messungen eine Drohne – ein unbemanntes Flugzeug – kreisen. Bauzäune sicherten den Krater.

Annett Gehler