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Panorama Richter verurteilt Messerstecher
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20:32 07.05.2012
Mit 17 wegen Totschlags angeklagt: Der heute 18-Jährige wird lange in Haft bleiben.. Quelle: dpa
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Osnabrück

Ein 19-jähriger Mitangeklagter wurde am Montag zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Ein weiterer Jugendlicher zu einer Bewährungsstrafe.

Matthias B. war im September 2011 erst 22 Jahre alt. Verwandte und Freunde beschreiben den Jugendlichen aus dem westfälischen Ibbenbüren als offen und fröhlich. Nach einer Berufsausbildung machte Matthias gerade auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur. Dann traf er nach einer feuchtfröhlichen Feier in der Nacht zum 18. September auf der Straße mit dem damals erst 17-jährigen Michael A. und dessen Freunden zusammen. Zuerst nur ein Rempler. Dann wurde Matthias verprügelt. Schließlich lag der 22-Jährige blutend auf dem Gehweg. Michael A. hatte dreimal mit dem Messer zugestochen. Zuerst in den Rücken, dann in den Bauch. Wenig später starb Matthias B. an den inneren Blutungen im Krankenhaus.

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Der Tod von Matthias B. hat die Menschen in Osnabrück vor acht Monaten geschockt. Viele legten am Tatort Blumen und Kerzen nieder. Mehrere hundert Jugendliche zogen schweigend durch die Stadt bis zum Rathaus. Auf Spruchbändern forderten sie ein Ende der Gewalt. Eine Moscheegemeinde lud zur öffentlichen Diskussion ein, nachdem sich herumgesprochen hatte, dass die Täter aus teilweise türkischstämmigen Familien kamen.

Das Landgericht wertete die Tat am Montag als Totschlag: „Matthias hatte gegen die Übermacht der Angeklagten keine Chance“, erklärte der Vorsitzende Richter Franz-Michael Holling. Bei den Messerstichen habe Michael A. den Tod von Matthias „zumindest billigend in Kauf genommen“, sagte Holling. Den Hauptangeklagten beschrieb der Richter als „aufbrausend und gewaltbereit“. Ein Psychiater hatte während des Prozesses sogar von einer Persönlichkeitsstörung bei Michael A. gesprochen Ohne entsprechende Behandlung gehe von dem jungen Mann auch künftig „eine erhebliche Gefahr“ aus, so der Sachverständige. Wirkliche Reue konnte das Gericht trotz Geständnis und Entschuldigung bei Michael A. nicht erkennen.

Der Vorsitzende Richter betonte am Montag den Erziehungsgedanken des Jugendstrafrechts und wandte sich noch einmal direkt an den Hauptangeklagten: „Bei Ihnen ist eine sehr lange Therapie und Nachreife notwendig“, sagte Holling. „Dieses eiskalte Handeln muss aufhören.“ Nur eine intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit könne Michael A. unter anderem dazu bringen, dass er Rechte und Würde anderer Menschen anerkennen lerne.

Zuhörer des Urteilsspruchs waren die Eltern und Schwestern von Matthias B. Richter Holling sprach Ihnen seinen Respekt aus: „Niemand im Saal kann Ihr Leid ermessen.“

Bernhard Remmers

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