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Panorama Richter überfährt Chihuahua „Gina“ und flüchtet
Mehr Welt Panorama Richter überfährt Chihuahua „Gina“ und flüchtet
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11:16 10.04.2019
Ein Chihuahua. (Symbolfoto) Quelle: picture alliance / imageBROKER
Dresden

Gerade von einem Richter hätte man ein anderes Verhalten erwarten können: Der 50-Jährige bretterte laut Zeugen im Juli 2018 als Radfahrer in Dresden über einen gemeinsamen Fuß-und Radweg, überholte mit hohem Tempo viel zu nah eine Fußgängergruppe, wich nicht aus, überfuhr einen Hund, verletzte dessen Frauchen, reagierte nicht auf Rufe, raste weiter und beschimpfte andere Radfahrer, die ihn schließlich stoppten. Und war noch beleidigt, als ihm ein Strafbefehl wegen fahrlässiger Körperverletzung und unerlaubten Entfernens vom Unfallort ins Haus flatterte. Er wollte einen Freispruch, etwas anderes akzeptiere er nicht. Jetzt kam es zum Prozess.

Wie bewegt man sich als Fußgänger „unregulär“?

Der Richter am Sozialgericht Cottbus in Brandenburg kam am Dienstag nicht zur Verhandlung im Dresdener Amtsgericht. Es sei aber alles ganz anders gewesen, ließ er seinen Anwalt erklären. Er habe geklingelt und gerufen, bevor er die Gruppe überholte. Die Frau habe sich dann plötzlich und „unregulär“ zur Seite bewegt. Von dem Zusammenstoß habe er nichts bemerkt, weil er durchgerüttelt wurde, als er zum Ausweichen über den Randstreifen fuhr. Und wegen des Fahrtwindes habe er auch keine Rufe gehört.

Die Zeugen erzählten etwas völlig anderes. Der Angeklagte sei mit seinem Rad über den Fuß- und Radweg Richtung Innenstadt gerast. Von einem Klingeln habe keiner etwas gehört. „Er war sehr rasant unterwegs und hat nicht auf die Fußgänger geachtet, dabei hätte er an ihnen vorbei fahren können. Dann hat er den Hund überfahren, das muss er gemerkt haben“, erklärte ein junges Mädchen, das die Sache beobachtet hatte.

Alle waren ziemlich aufgebracht

Auch Olga S., die mit ihrer Familie und dem kleinen Chihuahua „Gina“ spazieren ging, hatte kein Ausweichen des Radlers bemerkt. „Er schrie: ,Mach den Scheißhund weg!’ und ich ging zur Seite, aber er war so schnell, dass es mein Hund nicht mehr schaffte. Der Mann wich nicht aus, obwohl der Platz da war, er hat auch nicht gebremst.“

Gina wurde überrollt, kam aber mit einem Leistenbruch davon, an dem sie zwar noch laboriert, aber sie hat überlebt. „Der Hund hat vor Schmerz geschrien wie ein Mensch“, erzählte Olga S. Da sie Gina an der Leine hatte und mitgezerrt wurde, erlitt sie Verbrennungen an Hand und Oberarm. Die Narben sind deutlich sichtbar.

Alle waren danach ziemlich aufgebracht – allen voran der Richter. „Als er merkte, dass wir mit Akzent sprechen, sagte er, dass wir alle abgeschoben werden sollten. Als ich erwähnte, dass ich im Landtag arbeite, sagte er dann, dass er es nicht so gemeint habe“, erzählte der Mann von Olga S. auf dem Gerichtsflur.

Seine Dresdner Kollegin verurteilte den Richter zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 140 Euro – erheblich mehr als der Strafbefehl. Dazu als „Besinnungsstrafe“ einen Monat Fahrverbot. „Damit er seine Einstellung gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern in Ruhe überdenken kann.“

Von Monika Löffler/RND

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