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Panorama Rehe sterben im Maisfeld
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22:45 14.08.2009
Viele Wildtiere sterben, wenn Mähdrescher die Felder abernten. Quelle: Rainer Surrey (Archiv)
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Der Landtagsabgeordnete Bernd-Carsten Hiebing (CDU) aus Meppen verlangt nun technische Schutzmaßnahmen für die Tiere. Wilhelm Klumpe, Kreisjägermeister im Emsland, schlägt sogar eine Begrenzung der Zahl von Biogasanlagen im Landkreis vor.

„Wir müssen das massenhafte Vernichten von Tieren verhindern“, erklärt Hiebing im Gespräch mit dieser Zeitung. Der Landtagsabgeordnete ist selbst gelernter Landwirt und begeisterter Jäger. Seine Kritik will er vor allem im Sinne des Tierschutzes verstanden wissen: „Der kommt hier nämlich im wahrsten Sinne des Wortes unter die Räder“, sagt Hiebing. Gegen die gewaltigen Erntemaschinen mit bis zu 1000 PS starken Motoren und manchmal zwölf Meter breiten Schneidewerken hat das Wild keine Chance. Grünroggen wird fast nur im Mai geerntet, damit direkt danach noch Mais auf den Feldern ausgesät werden kann. So können die Landwirte mit Biogasanlagen zwei Ernten im Jahr einfahren.

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Gerade im Mai aber bieten allein die grünen Roggenpflanzen den jungen Rehkitzen und Fasanen ein Versteck, das dann schnell zur Todesfalle werden kann. Kreisjägermeister Klumpe berichtet von einem Fall in der Nähe von Haren, bei dem jüngst zehn ausgewachsene Rehe zu Tode gekommen seien. In Fullen bei Meppen gerieten vier Rehkitze in einen Häcksler. „Das merkt der Fahrer gar nicht“, so Klumpe. Die modernen Maschinen fahren mit bis zu 15 Stundenkilometern über die Felder und zerschneiden die Pflanzen mit ihrem Mahlwerk sofort zu einer staubigen Biomasse. Futter für die öffentlich geförderten Energieproduktionen.

60 Bioenergieanlagen sind derzeit im Emsland zugelassen, erklärt Kreissprecherin Anja Rohde. Damit würden etwa 40 Megawatt produziert. 30 weitere Anlagen seien in der Genehmigungsphase. Experten gehen davon aus, dass eine 500-Kilowatt-Anlage etwa 200 bis 250 Hektar Maisanbaufläche benötigt. Die Produktion von Bioenergie ist für viele Landwirte zu einem einträglichen Geschäft geworden. Das wissen auch die Jäger. „Ich bin ja selbst Landwirt“, sagt der Vorsitzende der Lingener Jägerschaft, August Feldmann. Trotzdem sieht er den wachsenden Anteil der Maisflächen im Emsland mit Sorge.

Den großen Feldern fehle die Vielfalt an Insekten und anderen Kleintieren, die das Wild zum Leben brauche, erklärt Feldmann. Der Anteil an Wiesen im südlichen Emsland sei dagegen von einst 50 Prozent auf mittlerweile unter zehn Prozent zurückgegangen. Das hat Folgen. „In manchen Revieren haben wir bereits keine Rebhühner mehr“, sagt er. Bernd-Carsten Hiebing schlägt nun zumindest vor, die Felder am Abend vor der Ernte mit Warnblinkanlagen auszustatten. „Dann sind die Muttertiere gewarnt und können rechtzeitig ihre Kitze herausholen“, berichtet der Abgeordnete von positiven Erfahrungen mit solchen Anlagen. Schließlich will auch er den Landwirten nicht das Geschäft mit der „sauberen Energie“ verderben, „aber wir sollten die Folgen schon sehen, die das anrichten kann“.

Zum ideologischen Streit, da sind sich die Beteiligten einig, ist das Thema auf jeden Fall nicht geeignet. „Jeder Landwirt muss das machen, was für ihn wirtschaftlich sinnvoll ist“, sagt Franz Düsing, Landwirt im Norden von Meppen. Der Vorsitzende der Jägerschaft Meppen baut auf seinem Hof gerade selbst eine Biogasanlage. Sie soll 500 Kilowatt leisten.

von Bernhard Remmers