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Panorama Rassismus und Sexismus: britische Polizei ringt um Vertrauen
Mehr Welt Panorama Rassismus und Sexismus: britische Polizei ringt um Vertrauen
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18:46 06.10.2021
Zwei Polizisten gehen am London Eye vorbei. (Archivfoto)
Zwei Polizisten gehen am London Eye vorbei. (Archivfoto) Quelle: picture alliance / dpa
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London

Die Fotos, die in den Medien von David Garrick kursieren, zeigen einen auf den ersten Blick sympathisch aussehenden Mann mit kurzen dunklen Haaren, der seinem Gegenüber lächelnd zuprostet. Die Vorwürfe, die jetzt gegen den 46-jährigen Polizisten aus Stevenage, einer Stadt nördlich von London, laut werden, zeichnen jedoch ein anderes Bild. Er wird angeklagt, eine Frau vergewaltigt zu haben, die er im September vergangenen Jahres über eine Dating-App kennengelernt hatte.

Erschwerend hinzu kommt, dass Garrick nicht nur Polizist ist, sondern derselben britischen Eliteeinheit wie einst Wayne Couzens angehört. Dieser war erst vergangene Woche wegen des brutalen Mordes an der 33-jährigen Sarah Everard und wegen Missbrauchs seines Amts zu einem Leben im Gefängnis verurteilt worden. Nun ein erneuter Fall. Die Skandale um die britische Polizei reißen nicht ab.

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Frauenfeindliche und rassistische Whatsapp-Gruppe

Beobachter befürchten, dass die Verbrechen Ausdruck einer allgemeinen Haltung bei der Polizei gegenüber Frauen und Minderheiten sind. Dafür spricht ihrer Ansicht nach unter anderem, dass der verurteilte Mörder Wayne Couzens Mitglied einer von britischen Beamten genutzten Whatsapp-Gruppe war, in der misogyne und rassistische Inhalte geteilt wurden. Ermittler haben herausgefunden, dass diese Gruppe schon im März 2019 existierte – zwei Jahre vor dem Mord an Everard.

Eine Recherche der Tageszeitung „Daily Mail“ ergab außerdem, dass Tausende männliche Beamte regelmäßig fremden- und frauenfeindliche sowie homophobe Inhalte in sozialen Medien ausgetauscht haben – ohne dafür irgendwelche Sanktionen zu erfahren. In der Öffentlichkeit erhärtet sich so der Verdacht, dass man innerhalb der britischen Polizei zwar von solchen Vorgängen weiß, den Beamten jedoch keine Strafen drohen, weil man sich gegenseitig deckt.

Dazu passen auch die Erfahrungen einer früheren Beamtin aus dem englischen Nottinghamshire. Sie sagte der Tageszeitung „Times“, dass es für viele männliche Beamte völlig normal gewesen sei, während des Dienstes Sex zu haben, und berichtete außerdem, dass sie von einem Vorgesetzten sexuell belästigt wurde. „Die Metropolitan Police muss mehr tun, um das zerstörte Vertrauen der Öffentlichkeit wieder zurückzuerlangen.“

Vielen gehen die Maßnahmen nicht weit genug

Nicht weit von Nottinghamshire entfernt, versuchte Innenministerin Priti Patel im Rahmen der jährlichen Konferenz der Konservativen diese Woche genau dies. Auf dem Podium in Manchester sagte sie in Richtung ihrer Parteikollegen: „Die Menschen in Großbritannien wollen eine Regierung, die auf ihrer Seite ist und die für ihre Sicherheit sorgt.“ Sie gestand in diesem Rahmen auch ein, dass es ein strukturelles Problem bei der britischen Polizei gibt.

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Um dies zu ändern, wolle sie eine Untersuchungskommission einberufen. Diese solle unter anderem herausfinden, ob man das Verbrechen an Sarah Everard hätte verhindern können, wenn man erste Warnzeichen ernsthaft verfolgt hätte. Außerdem solle sich die Arbeitsatmosphäre im Polizeidienst verbessern. Hierzu plane sie unter anderem mehr Frauen einzusetzen. Eine Maßnahme, die man so auch aus anderen Ländern wie beispielsweise Indien kennt.

Vielen Aktivisten und Betroffenen gehen diese Maßnahmen jedoch nicht weit genug. Sie fordern, dass Frauenfeindlichkeit im Königreich als eine Form der Hasskriminalität gilt. Sowohl Premierminister Boris Johnson als auch Justizminister Dominic Raab lehnten dies jedoch ab: Man müsse geltendes Recht umsetzen, statt neue strafbare Handlungen zu definieren“, begründete Raab diese Entscheidung am gestrigen Mittwoch gegenüber dem Fernsehsender „Sky News“.

„Ihr Mörder war ein Monster“

Die Innenministerin Patel richtete sich während ihrer Rede in Manchester indes noch einmal an die Angehörigen der im März dieses Jahres getöteten 33-Jährigen aus London. Unsere Gedanken verweilen bei der Familie und den Freunden von Sarah Everard. „Ihr Mörder, dessen Namen ich nicht wiederholen werde, war ein Monster“, sagte sie.

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Doch war Wayne Couzens ein Mensch, dessen Handlungen und Einstellungen außergewöhnlich, ja abnormal waren? Natürlich werden nur die wenigsten Polizisten im Königreich zu Mördern oder Vergewaltigern. Doch laut „Sisters Uncut“, einer britischen Gruppe feministischer Aktivisten, war der Mord „das Produkt einer Institution, die auf Misogynie, Rassismus und Gewalt und Nötigung beruht“.

Von Susanne Ebner/RND

Der Artikel "Rassismus und Sexismus: britische Polizei ringt um Vertrauen" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.