Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Panorama Rätsel von Winnenden: Amoklauf lässt viele Fragen offen
Mehr Welt Panorama Rätsel von Winnenden: Amoklauf lässt viele Fragen offen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:45 22.05.2009
090522-pano-winnenden.jpg
Die Albertville-Realschule in Winnenden Quelle: Michael Latz/ddp
Anzeige

Der von seinen Mitschülern gemobbte Amokläufer muss einen Hass auf Mädchen gehabt haben – schließlich waren elf seiner Opfer Mädchen oder Frauen. Doch das Bild vom jungen Mann, der seine Tat lange geplant hatte, bröckelte schnell. Jetzt ist es komplett in sich zusammenfallen: Der Abschlussbericht zum Amoklauf von Winnenden, den Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag vorlegten, lässt viele Fragen offen. Mit den herkömmlichen Mustern jedenfalls lässt sich die Tat offenbar nicht erklären.

„Ein erkennbares Motiv für den Amoklauf gibt es trotz umfassender Ermittlungen nicht“, sagte Staatsanwältin Claudia Krauth. Der 17-jährige Tim K. habe allein gehandelt und sich vorher niemanden offenbart. Der Täter habe kaum Freunde gehabt, er sei andererseits von Zeugen aber nicht als Einzelgänger bezeichnet worden. Die über 50-köpfige Sonderkommission „Schule“ kommt zu dem Schluss, dass der junge Mann nicht von seinen Mitschülern gemobbt worden sei. „Die Hänseleien können in ihrer Intensität und Wortwahl als unauffällig und jugendtypisch beschrieben werden“, berichten die Ermittler.

Dass es sich bei elf der 15 Opfer um Frauen und Mädchen handelte, war den Ermittlungen zufolge nicht geplant. Der Amokläufer habe sich seine Opfer nicht gezielt ausgesucht, hieß es. Doch immerhin: Im Internet hat Tim K. Spuren hinterlassen: Er informierte sich über Amoktaten in den USA an der Columbine High School und in Deutschland am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt. Tim K. verbrachte den Ermittlern zufolge viel Zeit am Computer, so wie viele Altersgenossen allerdings auch. Wie diese spielte auch Tim K. zu Hause Ego-Shooter-Spiele – zuletzt am 8. März.

Ob der Todesschütze psychisch krank war, können die Ermittler auch zweieinhalb Monate nach der Tat noch nicht sagen. Entsprechende Krankenunterlagen müssten noch ausgewertet werden, teilte die Polizei mit.

Der Amoklauf war nur möglich, weil Tims Vater seine Waffe nicht ordnungsgemäß aufbewahrt hatte. Auch die Munition stammt offenbar aus dessen Besitz. Darum ermittelt die Staatsanwaltschaft weiter gegen den Vater wegen fahrlässiger Tötung. Das Verfahren solle bis zum Herbst abgeschlossen werden, sagte Staatsanwältin Krauth.

ddp