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Panorama Prozess um Sexualstraftäter enthüllt dramatische Sicherheitsmängel
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20:14 15.01.2013
Von Wiebke Ramm
Der Angeklagte Thomas H. konnte bei einem Ausflug in den Harz eineinhalb Stunden lang in Ruhe ein Verbrechen begehen – keiner seiner Betreuer schaute nach dem bereits als Sexualstraftäter bekannten Mann. Quelle: Symbolfoto
Braunschweig

Der 46-jährige Angeklagte hat vor dem Landgericht Braunschweig bereits gestanden, 1992 bei einem Gruppenausflug in den Harz eine 23 Jahre alte Spaziergängerin vergewaltigt und getötet zu haben. Oberstaatsanwältin Kirsten Stange wirft den Betreuern „katastrophale Fehler“ vor.

Thomas H. war Mitte Oktober 1992 mit mindestens fünf weiteren Patienten der forensischen Psychiatrie und lediglich vier Betreuern zu einem Wochenendausflug in eine ungesicherte Hütte im Oberharz gefahren. Bereits einen Tag vor der Tat hat der mehrfache Sexualstraftäter gegen 6 Uhr morgens unerlaubt allein die Hütte verlassen. Welche Konsequenzen das gehabt habe, will Hans-Michael Hoppe, Anwalt der Familie der Toten, am Dienstag von Betreuerin Anita B. wissen. Es habe wohl „ein Gespräch“ mit ihm gegeben, antwortet die heute 50-Jährige.

Am nächsten Tag saß Anita B. mit den anderen im Aufenthaltsraum der Hütte. Gegen Mittag sah sie Thomas H. „mit Sonnenbrille am Fenster vorbeischlendern“. Er hatte zuvor gebeten, auf sein Zimmer gehen zu dürfen, da es ihm nicht gut gehe. Kontrolliert hat ihn eineinhalb bis zwei Stunden lang niemand. Thomas H. konnte vergewaltigen und töten, ohne dass sein Fehlen auffiel.

Nach seiner Rückkehr habe H. über eine halbe Stunde lang geduscht. Darüber habe sie sich „gewundert“, sagt Anita B. vor Gericht. Ja, seine Sexualstraftaten seien ihr bekannt gewesen, sagt die Erzieherin auf Nachfrage. Fassungslosigkeit im Gerichtssaal.

Der Umgang in Moringen mit dem Serienvergewaltiger Thomas H. war offenbar schon vor dem Harzausflug überaus lax. Der Betreuer Hans H. machte alleine mit ihm einen Motorradausflug. Mit Genehmigung des Landeskrankenhauses, wie er gestern sagte. Hans H. fuhr mit Thomas H. ins Freibad. Dort habe sich der Serienvergewaltiger über die halb nackten Frauen aufgeregt. Der Betreuer fand das seltsam. Ob er gewusst habe, warum Thomas H. in Moringen saß, fragt ihn Anwalt Hoppe. „Nein“, sagt der Betreuer.

„Herr H. ist Sexualstraftäter, das wussten alle“, versichert hingegen der damalige Gruppenleiter. Der heute 62-jährige Psychotherapeut gibt jedoch an, sich an „überhaupt nichts Merkwürdiges“ an jenem Wochenende im Harz zu erinnern. Über sich und die drei anderen Betreuer sagt er: „Unser Verhalten damals war völlig in Ordnung.“ Es ist der Moment, in dem Maik R. die Beherrschung verliert: „Mein Gott, er hat meine Schwester vergewaltigt“, ruft er. „Wenn es so gewesen wäre, wie Sie sagen, dann würde meine Schwester noch leben.“

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