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Panorama Prozess gegen mutmaßlichen Mörder von Michelle beginnt am Montag
Mehr Welt Panorama Prozess gegen mutmaßlichen Mörder von Michelle beginnt am Montag
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13:13 14.08.2009
Blumen, Kerzen und Plüschtiere haben vor etwa einem Jahr am Fundort der Leiche der achtjährigen Michelle gelegen. Quelle: Jens Schlueter/ddp (Archiv)
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Somit werde wohl das Jugendstrafrecht angewendet, sagt Rechtsanwältin Ina Alexandra Tust. Zehn Jahre beträgt in solchen Fällen die Höchststrafe, auch bei Mord. Tust vertritt die Eltern des Opfers als Nebenklägerin. Seit zehn Jahren hat sie mit Strafrecht zu tun. Dass ein 19-Jähriger nach Erwachsenen-Strafrecht verurteilt wird, habe sie erst ein Mal erlebt.

Der Fall Michelle wühlte die Leipziger vor einem Jahr auf. Erst im Februar 2007 war in der Stadt der neunjährige Mitja entführt, missbraucht und ermordet worden, eineinhalb Jahre später geschah dann wieder ein solches Verbrechen. Und nur ein weiteres Jahr später fiel unweit von Leipzig, in Eilenburg, die neunjährige Corinna einem Sexualverbrecher zum Opfer.

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Michelle war am 18. August 2008 nicht von den Ferienspielen im Schulhort nach Hause gekommen, drei Tage später wurde ihre Leiche in einem kleinen Teich in der Nähe ihres Wohnortes gefunden. Bis heute ist unklar, wie es dem Täter gelang, den Leichnam des Kindes quer durch den Stadtteil, in dem es von Polizisten wimmelte, unbeobachtet in den Park zu bringen und dort im Teich abzulegen.

Lange suchte die Polizei vergeblich nach dem Täter. Spezialhunde wurden eingesetzt, um Spuren des Mädchens oder des Täters zu finden. In der Sendung „Aktenzeichen XY...ungelöst“ wurde über den Fall im November berichtet, Speichelproben der Anwohner wurden genommen, 1700 Hinweise aus der Bevölkerung gingen bei den Ermittlern ein - ohne Erfolg. Am 8. März, mehr als ein halbes Jahr nach dem Mord, erschien ein 19-Jähriger in Begleitung seiner Mutter bei der Polizei und gestand das Verbrechen. Daniel V. war bis dahin unauffällig, Michelle hatte er wahrscheinlich während seiner Arbeit als Sozialassistent im Stadtteil kennengelernt.

Vier Verhandlungstage hat die Jugendstrafkammer des Landgerichts Leipzig für die Verhandlung angesetzt. Zu Beginn am Montag (9.00 Uhr) werden unter anderem drei Gutachter aussagen. Dabei geht es auch um die Beurteilung der Psyche des Angeklagten und die Spurenauswertung vom Tatort. Nach den bisherigen Ermittlungen hat Daniel V. das Mädchen in seine Wohnung, die er mit seiner Mutter bewohnte, gelockt, dort missbraucht und getötet.

Den Eltern von Michelle gehe es heute den Umständen entsprechend gut, sagt Rechtsanwältin Tust. Sie waren nach dem Mord an ihrer Tochter aus Leipzig fortgezogen, haben sich in ihrer neuen Heimat nun einigermaßen eingelebt. An der Verhandlung werden sie nicht teilnehmen. „Das wühlt vieles wieder auf“, sagt Tust.

Sie sieht sich als Rechtsbeistand im weitesten Sinne. Sie versuche, Rat zu geben und Kontakte zu vermitteln, damit die Eltern alle erdenkliche Hilfe bekommen. Seit Jahren engagiert sie sich in Leipzig gegen sexuelle Gewalt. Auch mit den Eltern des 2007 ermordeten Mitja, die sie ebenfalls vertreten hatte, sei sie noch heute in Kontakt. Ihre Erfahrungen gebe sie den Familien weiter. Auch Corinnas Eltern, deren Beistand sie übernommen hat, werde sie helfen, wo sie könne.

Tust sagt, Michelles Eltern wünschten sich eine anschließende Sicherungsverwahrung des Täters. Das Strafrecht lässt dies mittlerweile auch bei Heranwachsenden zu. In der Theorie. In der Praxis ist dies bislang so gut wie nie vorgekommen.

ddp