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Panorama Prinz Ernst August bekommt kein Geld vom Ex-Anwalt
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20:38 12.10.2011
Ernst August Prinz von Hannover (57) hat keinen Anspruch auf Schadensersatz von seinem früheren Rechtsanwalt.
Ernst August Prinz von Hannover (57) hat keinen Anspruch auf Schadensersatz von seinem früheren Rechtsanwalt. Quelle: dpa
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Celle

Ernst August Prinz von Hannover hat gegen seinen früheren Verteidiger einen Streit vor Gericht gewonnen – und kann sich dennoch nicht als Sieger fühlen. Das Oberlandesgericht Celle sah es als erwiesen an, dass sein ehemaliger Anwalt, Jochen Heidemeier, im Jahr 2004 im Namen des Prinzen ein Geständnis abgelegt hatte, von dem der Adelige gar nichts wusste. Dennoch bleibt das Verhalten des Anwalts aus dem niedersächsischen Stolzenau für diesen nahezu folgenlos. Ernst August sieht sich durch seinen früheren Verteidiger verunglimpft und hatte Schmerzensgeld von ihm gefordert. Doch eine schwerwiegende Persönlichkeitsrechtsverletzung hat das Gericht nicht erkannt. Der Ruf des Prinzen sei bereits vor dem falschen Geständnis „nicht makellos“ gewesen, teilte der 3. Zivilsenat am Mittwoch mit. Das Urteil ist rechtskräftig. (Az.: 3 U 264/08)

Der aktuelle Prinzenanwalt, Hans Wolfgang Euler aus Frankfurt, versteht die Juristenwelt nicht mehr. „Bemerkenswert“, nannte er die Entscheidung des Oberlandesgerichts. „Es fehlt jedes klare Wort dazu, dass ein Verteidiger gar nicht so handeln darf, wie Herr Heidemeier gehandelt hat“, sagte er. „Ein Strafverteidiger darf weder seinen Mandanten hintergehen noch ein Gericht belügen.“

Auch Josef Fullenkamp, Anwalt von Heidemeier, zeigte sich von der Entscheidung „überrascht“. Dass Ernst August das Geständnis nicht autorisiert hatte, „ist nie strittig gewesen“, sagte der Anwalt aus Hannover. Mit dem Urteil könne sein Mandant daher „gut leben“: Ernst August hatte Heidemeier nach dem falschen Geständnis vor dem Landgericht Hannover im Jahr 2004 erst gefeuert und dann verklagt. Er warf ihm vor, ihn wider besseres Wissen in aller Öffentlichkeit als volltrunkenen, brutalen Schläger bloßgestellt zu haben. Es ging um einen Vorfall in Kenia aus dem Jahr 2000. Ein deutscher Hotelier hatte behauptet, von Ernst August zusammengeschlagen worden zu sein. Der Prinz hatte hingegen stets beteuert, ihn nur geohrfeigt zu haben. Doch vor Gericht erklärte sein Anwalt plötzlich, Ernst August „hatte erheblich getrunken“ und könne nicht ausschließen, mit einem Gegenstand in der Hand auf den Hotelier eingeprügelt zu haben.

Ernst August hatte von seinem angeblichen Geständnis erst in der Presse gelesen. „Ich stehe unter Schock!“, soll er seinem damaligen Anwalt sofort per Fax geschrieben haben. Er sei weder betrunken und schon gar nicht bewaffnet gewesen. „Der war doch ständig betrunken“, hatte Heidemeier Anfang September zu Prozessbeginn in Celle gekontert. „Eine Unverschämtheit“, empörte sich Euler.

Das Gericht urteilte am Mittwoch zwar, dass Ernst August nichts von dem angeblichen Geständnis gewusst hatte. Es stellte auch fest, dass Heidemeiers Erklärung „in den Medien für großes Aufsehen gesorgt und dem Ansehen des Klägers geschadet habe“. Trotzdem muss Heidemeier kein Schmerzensgeld zahlen, und auch die Prozesskosten hat das Gericht zum größten Teil Ernst August auferlegt.

Die Persönlichkeitsverletzung ist nach Ansicht des Oberlandesgerichts nicht schwerwiegend genug, um Schmerzensgeld zu rechtfertigen. Ernst August habe gar keinen Ansehensverlust mehr erleiden können, da sein Ruf zu dem Zeitpunkt längst „ruiniert“ gewesen sei, hatte auch Heidemeiers Anwalt Fullenkamp im September vor Gericht erklärt.

Der Celler Senat hielt dem beklagten Anwalt zudem zugute, dass er seinen Mandanten mit einer „bewusst zurückhaltenden Formulierung“ vor dem Gefängnis habe bewahren wollen. Dabei hatte Ernst August ihm noch am Vortag der Verhandlung nach eigenen Angaben vor Zeugen wissen lassen: Er gehe lieber ins Gefängnis, als etwas zuzugeben, was er nicht getan habe.

Wegen des Kenia-Vorfalls musste der Prinz übrigens auch ohne falsches Geständnis nicht ins Gefängnis. Sein neuer Anwalt fand Zeugen, die bestätigten, dass er den Mann nur geohrfeigt hat. Ernst August hat für Donnerstag eine Erklärung angekündigt.

Wiebke Ramm