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Panorama Priester aus Hildesheim missbrauchte offenbar mehrere Kinder
Mehr Welt Panorama Priester aus Hildesheim missbrauchte offenbar mehrere Kinder
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15:35 17.06.2021
Ein inzwischen verstorbener Priester aus Hildesheim soll jahrzehntelang Kinder missbraucht haben.
Ein inzwischen verstorbener Priester aus Hildesheim soll jahrzehntelang Kinder missbraucht haben. Quelle: Friso Gentsch/dpa
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Hildesheim

Der 2019 gestorbene katholische Priester Georg M. aus dem Bistum Hildesheim hat einem Untersuchungsbericht zufolge mindestens fünf ihm anvertraute Kindern sexuell missbraucht. Diese Taten erstreckten sich über den Zeitraum von 1980 bis 2009, wie das Bistum am Donnerstag mitteilte. Der Bericht wurde von dem Juristen Wolfgang Rosenbusch im Auftrag des Bistums erstellt. Er ist auf der Website der Diözese veröffentlicht.

„Die Ergebnisse des Berichts sind verstörend und machen mich sehr betroffen“, sagte Generalvikar Martin Wilk. „Kinder haben durch einen Geistlichen unseres Bistums sexualisierte Gewalt erlitten. Wir möchten allen Betroffenen unsere Hilfe und Unterstützung anbieten.“

Im Bericht schreibt Rosenbusch, Georg M. sei pädophil oder pädosexuell veranlagt gewesen: „Er fühlte sich zu Kindern insbesondere zu Jungen im Alter um zehn Jahre sehr hingezogen. Er liebte es, sie zu berühren. Ihre körperliche Nähe erregte ihn sexuell.“ Er habe, wo auch immer er tätig gewesen sei, ein „Setting“, geschaffen, das ihm diese Nähe ermöglicht habe. Er habe sich darum bemüht, „Kirche, aber auch sich selbst, für Kinder, insbesondere Jungen des fraglichen Alters, attraktiv zu gestalten“.

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Missbrauch bei Kinder- und Jugendfreizeiten

Eine große Rolle hätten in diesem Zusammenhang Jugend- und Kinderfreizeiten, namentlich Sommer-Ferienlager auf der Insel Ameland in den Niederlanden für Kinder im Alter von neun bis 13 Jahren gespielt, berichtete der ehemalige Richter am Landgericht Hannover: „An diesen für Kinder höchst attraktiven Freizeiten, die Georg M. über Jahrzehnte organisiert hat, nahmen jedes Jahr weit über 100 Kinder teil.“ Auch darüber hinaus habe er dienstlich wie privat Kindern attraktive Angebote gemacht wie Schwimmbad-Besuche, Schachspiele, gemeinsames Fernsehen. In den fünf Jahrzehnten seiner Tätigkeit von der Priesterweihe 1969 bis zu seinem Tod sei es auf diese Weise „zu einer Vielzahl von Taten“ gekommen.

Aus dem Bericht geht weiter hervor, dass der frühere Bischof Josef Homeyer und der damalige Personalchef, Domkapitular Werner Holst, als Entscheidungsträger im Jahr 1992 Georg M. aus der Pfarrgemeinde Christ König in Salzgitter-Bad in die Pfarrgemeinde St. Marien in Cuxhaven versetzten, obwohl sie durch das Jugendamt Salzgitter über die Vorwürfe in Kenntnis gesetzt worden waren. „Im konkreten Fall Georg M. wäre es die absolute Pflicht des Bischofs und des Bistums gewesen, sich um die Betroffenen zu sorgen und die Begehung weiterer Straftaten zu verhindern“, sagte Wilk.

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Mit mehr als 50 Zeugen gesprochen

Für seinen Bericht hat Rosenbusch zwischen Januar und Mai 2021 mit mehr als 50 Zeugen gesprochen, personen- und gemeindebezogene Akten aus dem Bistumsarchiv und aus Pfarrarchiven ausgewertet, Presseveröffentlichungen zum Fall Georg M. genutzt und weitere eigene Recherchen getätigt. Der Jurist sei in seinen Nachforschungen von einer eigens dafür gebildeten Projektgruppe unterstützt worden, hieß es.

Die Untersuchung gegen M. waren aufgrund von Zeugenaussagen ins Rollen gekommen. Als erster hatte 2012 ein Mann Strafanzeige erstattet. Der Priester habe ihn 1993 als damals 11-Jährigen sowie einen 14-jährigen Jungen während einer Ferienfreizeit in Cuxhaven missbraucht.

M. war nach seiner Weihe zum Priester im Jahr 1969 als Kaplan in den Pfarrgemeinden oder Kirchorten in Bad Gandersheim (St. Maria Himmelfahrt), Groß Ilsede (St. Bernward), Salzgitter-Gebhardshagen (St. Gabriel) und Uelzen (Zum göttlichen Erlöser) tätig. Als Pastor oder Pfarrer arbeitete der Priester in Ronnenberg (St. Thomas Morus), Lehre (St. Martin), Salzgitter (Christ König) und Cuxhaven (St. Marien), ehe er 2005 in den Ruhestand versetzt wurde. Als Ruhestandsgeistlicher war M. ab 2009 in Wolfenbüttel (St. Petrus) eingesetzt.

RND/epd

Der Artikel "Priester aus Hildesheim missbrauchte offenbar mehrere Kinder" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.