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Panorama Polizei verhindert größere Randale beim „HVV-Abschiedstrinken“
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21:32 01.10.2011
Foto: Angst vor dem Bußgeld mussten die Partygänger nach Mitternacht aber nicht haben, die neue Regelung trat erst am Samstagmorgen in Kraft.
Angst vor dem Bußgeld mussten die Partygänger nach Mitternacht aber nicht haben, die neue Regelung trat erst am Samstagmorgen in Kraft. Quelle: dpa
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Hamburg

Abgerissene Feuerlöscher, zerschlagene Scheiben und mehrere Rangeleien: Beim Hamburger „Abschiedstrinken“ ist es in der Nacht zum Samstag in den Hamburger S- und U-Bahnen zu einer Reihe von Zwischenfällen gekommen. „Insgesamt war es aber eine sehr ruhige Nacht“, sagte ein Sprecher der Bundespolizei am Samstagmorgen. „Vereinzelt haben sich jedoch auch Gruppen zwischen die Partygänger gemischt, bei denen man merkte, dass sie auf Randale aus sind.“ So habe es beispielsweise an der S-Bahn-Haltestelle Stadthausbrücke eine Schlägerei gegeben, am Jungfernstieg wurde ein Kameramann attackiert. Durch die Polizeipräsenz sei es aber letztlich nicht zu Ausschreitungen gekommen. Einen Monat nach Einführung eines Alkoholverbots in Bussen und Bahnen will der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) Verstöße nun mit einem Bußgeld von 40 Euro ahnden.

Ärgerlich für andere Fahrgäste: „Abschiedstrinker“ zogen mehrfach in den Zügen die Notbremse, so dass es vereinzelt zu Verspätungen kam. „Das kennen wir aber auch von anderen Großveranstaltungen, das ist nicht dramatisch“, sagte der Sprecher der Hamburger Hochbahn, Christoph Kreienbaum, am Samstagmorgen. Ein Wagen der Hochbahn musste nach der Randale sogar aus dem Verkehr gezogen werden. Rund 1000 zumeist Jugendliche stießen am Freitagabend in den S- und U-Bahnen der Hansestadt an. Im sozialen Netzwerk Facebook wurde in den vergangenen Wochen auf mehreren Seiten zu der Abschiedssause aufgerufen. Zeitweise wollten mehr als 11.000 Partyfreunde daran teilnehmen.

„Zum Glück“ seien es nun aber deutlich weniger geworden als erwartet, sagte Kreienbaum. Auch ein Sprecher der Hamburger Polizei sprach am Samstagmorgen von einem „total ruhigen und entspannten Abend, wie ein normaler Freitag“. So ganz normal sah es zwischenzeitlich in den Hamburger S- und U-Bahnen - vor allem in den Linien der U3 und der S1 - und an den Haltestellen doch nicht mehr aus: Mit Bierflaschen und Sektpullen zogen einzelne Gruppen der „Abschiedstrinker“ von einer Bahn in die nächste. In den Wagen herrschte in der Enge noch ausgelassene Stimmung. Sprechchöre wie „Jetzt geht’s los“ und „Ein Hoch auf unsere Gastgeber“ wurden immer wieder angestimmt, dazu sprang die Menge in den Waggons auf und ab.

„Dass so viele mitmachen, das steckt einfach an“, sagte eine 25-jährige Studentin. „Die Leute wollen einfach zusammen feiern.“ „Abschiedstrinker“ Maik Hörster sieht darin auch einen Protest gegen das Alkoholverbot in den öffentlichen Verkehrsmitteln. „Gegen Gewalt kann man eh nichts machen und dann betrinken sich die Leute eben auf dem Kiez.“ Zu einem St.Pauli-Spiel fahren, ohne vorher in der U-Bahn noch etwas zu trinken? Das kann er sich kaum vorstellen. Für manche geht mit dem Verbot aber auch eine liebgewonnene Tradition zu Ende. „Man geht von zu Hause los und trinkt unterwegs, die Wege in der Großstadt sind ja auch sehr lang“, sagte eine andere Teilnehmerin. Das „Stationsspiel“, bei dem in der U-Bahn an jeder Haltestelle getrunken werden muss, wird sie mit ihren Freunden in Hamburg wohl vorerst nicht mehr spielen können.

Angst vor dem Bußgeld mussten die Partygänger nach Mitternacht aber nicht haben, die neue Regelung trat erst am Samstagmorgen in Kraft. Seit dem 1. September ist in Hamburg der Alkoholkonsum in öffentlichen Verkehrsmitteln verboten. In den ersten „Entzugswochen“ wurde beim Bierchen im Bus nur verwarnt. Ob zu Beginn des „verschärften“ Alkoholverbots schon erste Bußgelder verhängt werden mussten, will die Hochbahn aber erst ab Dienstag bekanntgeben.

dpa