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Panorama Polizei bestätigt Motiv für Bluttat in Hameln
Mehr Welt Panorama Polizei bestätigt Motiv für Bluttat in Hameln
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15:50 29.04.2013
Von Thorsten Fuchs
Die Menschen in Hameln zeigen ihre Trauer vor dem Kreishaus. Quelle: dpa
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Hameln

Im Haus des 74-Jährigen in Nienstedt bei Bad Münder hat die Polizei zahlreiche Briefe von Gläubigern sowie „diverse Zwangsvollstreckungsbescheide“ gefunden, wie die Sprecherin der Polizeidirektion Göttingen, Hilke Vollmer, erklärte. Unter anderem musste der Mann auch sein Haus aufgeben: Die Zwangsräumung stand unmittelbar bevor, bestätigte die Polizei.

Die finanziellen Probleme können ein Hinweis auf die Stimmungslage sein, in der sich der ehemalige Lkw-Fahrer zu der Tat entschloss. Hans B. war am Freitagmorgen in die Kreisverwaltung nach Hameln gefahren und hatte zunächst den 63-jährigen Butte und dann sich selbst mit einem Revolver erschossen. Schon seit Mittwoch hatte B. vergeblich versucht, sein späteres Opfer telefonisch zu erreichen - warum, ist unklar. Einen Termin für ein Gespräch hatte er am Freitag nicht. Butte nahm den unangemeldeten Gast nach kurzer Wartezeit spontan mit in sein Büro - wo dann die Schüsse fielen. B. feuerte insgesamt dreimal. Mit je einem Schuss verletzte er sich und Butte tödlich. Der dritte Schuss ging nach den Worten der Polizeisprecherin „in den Raum“.

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Weitere Waffen haben die Ermittler bei der Durchsuchung des Hauses nicht gefunden, sondern lediglich etwas Schrotmunition. Mitgenommen haben sie einen Computer, ein Handy sowie einen offenbar sehr umfangreichen Schriftverkehr mit Gläubigern und Behörden, von dem sich die Polizei Näheres über die Person, seine Lebensumstände und vielleicht auch ein Motiv versprechen.

Verdichtet hat sich am Wochenende das Bild von Hans B. als einem Menschen, der mit vielen im Streit lag - und der selbst denen, die ihn häufiger sahen, ein Rätsel blieb. Bei der Polizei war er schon seit den sechziger Jahren wegen mehrerer Betrugs- und Körperverletzungsdelikte sowie Verstößen gegen das Waffenrecht bekannt. Mit den Behörden stritt er zuletzt vor zweieinhalb Jahren über einen Zaun, den er um seine Schafwiese zog - und den er wieder abbauen musste, weil er den Behörden 30 Zentimeter zu hoch war und im Landschaftsschutzgebiet störte.

Unklar war vielen im Ort auch, wie er seinen Lebensstandard finanzierte. B. war vor Jahrzehnten mit einer eigenen kleinen Spedition pleite gegangen und danach zur See gefahren. Anschließend soll er eher gelegentlich als Fahrer gearbeitet haben. Im Kontrast dazu stand das recht neue Haus, in dem er am Dorfrand von Nienstedt nach der Trennung von seiner dritten Frau allein lebte. Ferner besaß er ein Oldtimer-Motorrad, einen Oldtimer-Trecker und erzählte von einem Segelboot in Heiligenhafen. Es passte zumindest äußerlich nicht alles zusammen im Leben von Hans B.

Hans B. konnte aufbrausend sein, cholerisch, leicht reizbar - so beschreiben ihn übereinstimmend Bewohner des Ortes. Andererseits war er nicht isoliert, beim Apelerner Traktoren-Club nahm er mit seinem alten Lanz-Bulldog regelmäßig an Ausfahrten teil. Zuletzt jedoch hat er sich anscheinend mehr und mehr zurückgezogen. Das Telefon sei tot, das Handy abgeschaltet gewesen. Ein Vereinskamerad fuhr deshalb am vergangenen Wochenende persönlich vorbei, um ihn zum nächsten Treffen einzuladen. „Er wirkte extrem still und in sich gekehrt“, erinnert er sich, Der Wirtin der „Deisterquelle“, des Gasthauses im Ort, war aufgefallen, wie stark B. in den vergangenen Monaten abgebaut hatte, geistig wie körperlich. „Er wirkte manchmal regelrecht verwirrt“, sagt sie.

In Hameln, vor dem Kreishaus, legten Bürger am Wochenende Blumen nieder und zündeten Kerzen an. „Zurück bleiben Trauer, Verzweiflung und die Frage nach dem Warum“, steht auf einem Zettel. Es ist die Frage, die nicht nur in Hameln sehr viele Menschen bewegt, und auf die bisher niemand eine schlüssige Anwort hat.

Der Artikel wurde aktualisiert.

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