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Panorama Plötzlich sind überall Marienkäfer
Mehr Welt Panorama Plötzlich sind überall Marienkäfer
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13:59 01.11.2011
Marienkäfer sind wegen milder Herbsttemperaturen noch ungewöhnlich aktiv.
Marienkäfer sind wegen milder Herbsttemperaturen noch ungewöhnlich aktiv. Quelle: dpa
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Er ist klein, rot und gepunktet. Zwei bis 19 schwarze Flecken zieren seinen kugeligen Hinterleib. Und er kommt nicht allein: der Marienkäfer. Millionen Exemplare des winzigen, niedlichen Insekts sind derzeit in Niedersachsen anzutreffen. Sie krabbeln an Hauswänden hoch, nisten sich in Fensterrahmen ein oder klettern durch Treppenhäuser. Und sie haben nur ein Ziel: Sie wollen ins Haus, ab in die Wärme.

„Harmonia axyridis“ nennt sich der fröstelnde Marienkäfer, und er kommt aus Asien. In den achtziger Jahren brachten Obstbauern und Gärtner die fremde Art nach Mitteleuropa, weil sie als besonders effektiver Blattlausvernichter gilt. Doch der asiatische Marienkäfer beschränkte sich nicht auf seine Aufgabe, sondern brach schnell aus den Gewächshäusern aus und vermehrte sich rasant. Auch in Berlin, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen klagen in diesem Herbst Wohnungseigentümer über die Käferplage aus Fernost. Anders als unsere heimischen Marienkäfer, wie etwa der Zweipunkt oder der Siebenpunkt, taucht der asiatische Verwandte auch mal im gelben oder schwarzen Gewand auf, mit einer Vielzahl an Punkten.

Vor allem aber sucht der asiatische Käfer im Winter die Nähe des Menschen. „Die Marienkäfer aus Japan oder China kommen in unsere Häuser und suchen dort Schutz und Unterschlupf“, sagt Stefan Krüssel, Pflanzenschutzexperte beim Niedersächsischen Pflanzenschutzamt. Die heimischen Marienkäfer krabbeln hingegen lieber an ein geschütztes Plätzchen in der Natur – gern unter Laub oder Steine. Und werden von den asiatischen Käfern zunehmend verdrängt. Nach Ansicht von Experten hat sich die Gesamtzahl der Marienkäfer deshalb gar nicht erhöht – Mensch und Käfer treffen einfach öfter aufeinander. Und dank der milden Herbsttemperaturen sind Letztere zurzeit noch ungewöhnlich aktiv.

In Hannover berichteten in den vergangenen Tagen immer mehr Einwohner von der neuen Käferplage. Plötzlich seien überall die kleinen Käfer aufgetaucht, sagt ein Anwohner des Stadtteils Linden. „Ich hatte einige in meiner Wohnung“, sagt auch die Herrenhäuserin Jessica Heuser, „die habe ich dann rausgelassen.“ Die Käfer ins Freie zu befördern bringt laut Peter Hondelmann, Insektenforscher an der Leibniz Universität Hannover, allerdings nichts: „Die kommen immer wieder.“

Gefahr geht von den bunten Käfern jedoch nicht aus: „Marienkäfer sind für uns völlig harmlos“, sagt Hondelmann. „Es gibt Arten, die beißen, aber giftig sind sie nicht.“ Wer keinen Besuch von Marienkäfern wünscht, solle sich mit einem Fliegengitter in Fenster und Türen wappnen, rät der Experte. Ob es sich bei den Marienkäfern um Nützlinge oder Schädlinge handelt, ist Ansichtssache. Während Gärtner sie mögen, fluchen die Winzer. Denn die Marienkäfer lieben nicht nur Blattläuse, sondern auch guten Wein.

Dorothea Hinz und Sophie Hilgenstock