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Panorama Piraten entführen deutsches Schiff
Mehr Welt Panorama Piraten entführen deutsches Schiff
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17:57 06.05.2009
Die Nato patroulliert im Rahmen der Mission Atalanta. Quelle: afp
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Die elfköpfige Besatzung bestehe ausschließlich aus Rumänen, Deutsche seien nicht an Bord gewesen. Das Auswärtige Amt bestätigte die Entführung durch mutmaßlich somalische Piraten.

Jetzt befinden sich 19 internationale Schiffe in der Hand der somalischen Piraten. Darunter sind auch die deutschen Frachter „Hansa Stavanger“ und „Patriot“. Unterdessen ist die deutsche Anti-Terror-Truppe GSG 9 nach Informationen der Nachrichtenagentur ddp von ihrem erfolglosen Einsatz vor der Küste Somalias nach Deutschland zurückgekehrt. Sie landete am Dienstagabend auf einem Berliner Flughafen.

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Die rund 10 500 Tonnen große „Victoria“ habe sich mit einer Ladung Reis auf dem Weg von Indien nach Saudi-Arabien befunden, sagte der Reedereisprecher. Nähere Angaben zu dem Zwischenfall, zu möglichen ersten Kontakten mit den Piraten und zur Lage der Besatzung wollte er nicht machen. Das fünf Jahre alte Schiff wurde auf einer chinesischen Werft gebaut. Der Frachter ist etwa 146 Meter lang, 18 Meter breit und 15 Knoten (etwa 28 Stundenkilometer) schnell. Ausgelegt ist das Schiff für den Transport sowohl von Containern und Stückgut als auch Massengut, Holz und Gefahrgut, es fährt unter der Flagge von Antigua und Barbuda.

Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Thomas Raabe, sagte, das Schiff sei am Dienstagabend gegen 22.00 Uhr deutscher Zeit attackiert worden. Durch die äußere Beschaffenheit - langsame Fahrt und eine niedrige Reling - sei die „Victoria“ „leicht angreifbar“ gewesen.

Raabe betonte, die „Victoria“ sei nach bisherigem Kenntnisstand in einem „unbegleiteten Konvoi“ unterwegs gewesen. Kriegsschiffe der Operation „Atalanta“ seien nicht in unmittelbarer Nähe gewesen, sondern rund 120 Seemeilen (etwa 220 Kilometer) entfernt. Von dort aus sei ein Hubschrauber zu Hilfe geschickt worden. Bei dessen Eintreffen seien die Piraten jedoch bereits an Bord gewesen.

Der erneute Überfall mindert nach Einschätzung des Verteidigungsministeriums nicht die Bedeutung der EU-Operation in dem Seegebiet. „Die Mission Atalanta ist erfolgreich“, sagte Raabe. Kernaufgabe der Operation sei der Schutz von Schiffen des Welternährungsprogramms. Andere Schiffe - wie im aktuellen Fall - seien in der Prioritätenliste nachgeordnet. Raabe betonte, das Seegebiet der Mission sei achtmal so groß wie Deutschland. Daher sei eine „lückenlose“ Überwachung nicht möglich.

Der Staatssekretär im Bundesinnenministerium, August Hanning, berichtete am Mittwoch vor dem Innenausschuss des Bundestages hinter verschlossenen Türen, dass die 203 Angehörigen der Eliteeinheit GSG 9 bei ihrer Ankunft einen „niedergeschlagenen Eindruck“ machten, weil es ihnen nicht gelungen war, die „Hansa Stavanger“ aus den Händen von Piraten zu befreien. Zu der Mannschaft gehören auch fünf Deutsche. Der Einsatz war von Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) gestoppt worden, weil er zu riskant geworden war. Hanning hatte die GSG-9-Einheit auf dem Flughafen empfangen.

ddp