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Panorama Heilpraktiker soll Mädchen schwer missbraucht haben
Mehr Welt Panorama Heilpraktiker soll Mädchen schwer missbraucht haben
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16:16 12.09.2019
Der Angeklagte wird von einem Justizbeamten in den Gerichtssaal geführt. Quelle: David Inderlied/dpa
Bielefeld

Die Mädchen kamen zu ihm, weil sie sich seine Hilfe als Physiotherapeut erhofften, doch dann soll er sie immer wieder schwer sexuell missbraucht haben. Nun steht der 61-Jährige aus Bad Oeynhausen vor dem Landgericht Bielefeld - wegen schwerem sexuellen Kindesmissbrauch in einer Vielzahl von Fällen. Mitangeklagt ist seine Ehefrau, die von seinen Vorlieben gewusst und ihm geholfen haben soll. Schon am ersten Verhandlungstag deutete sich jedoch an, dass der Angeklagte offenbar eine andere Sicht auf die Vorwürfe hat.

Der Fall war im April 2019 bekannt geworden. Wie schon nach Polizeipannen im Missbrauchsfall von Lügde hatte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) auch bei den Ermittlungen in Bad Oeynhausen Polizeifehler eingeräumt. So waren die Ermittlungen nur mit erheblichen Verzögerungen vorangekommen. Erst 16 Monate nach dem ersten Hinweis hatte es bei dem Heilpraktiker eine Durchsuchung gegeben.

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Anklage wirft ihm 37 Mal schweren sexuellen Kindesmissbrauch vor

Das Gesicht verborgen hinter einem Aktendeckel betrat der 61-Jährige an diesem Donnerstag den Gerichtssaal und nahm neben seiner Ehefrau und ihrem Anwalt Platz. Was die Staatsanwältin bei der Verlesung ihrer Anklage vortrug, war eine lange Liste von Vorwürfen: Insgesamt 44 Taten legt sie ihm zur Last, darunter 37 Mal schwerer sexueller Kindesmissbrauch. Acht Opfer listet die Anklage auf, junge Mädchen die zum Tatzeitpunkt zwischen sechs und zwölf Jahren alt waren.

Er habe die körperliche Nähe als Therapeut ausgenutzt, um unter dem Deckmantel einer ordnungsgemäßen Behandlung sexuelle Handlungen vorzunehmen, warf ihm die Staatsanwältin vor. Er soll die Mädchen an die Brust gefasst oder sie schmerzhaft gekitzelt und gegen ihren Willen auf die Behandlungsliege gedrückt haben. Immer wieder soll er auch mit dem Finger in sie eingedrungen oder sie im Schambereich angefasst haben. Als ein Mädchen verunsichert nachfragte, gab er an, das gehöre zur Behandlung.

Außerdem soll er die Mädchen fotografiert haben, nackt, mit gespreizten Beinen. Solche und Tausende weitere Bilder und Videos hatten Polizisten bei ihm sichergestellt: Die Dateien zeigen immer wieder geschminkte, unbekleidete Mädchen in „unnatürlich geschlechtsbetonter Pose“, wie die Staatsanwältin es nennt. Beschlagnahmt wurden auch Filmchen, die zeigen wie Kinder vergewaltigt werden.

Verteidigerin kündigt schriftliche Aussage an

Seiner Frau seien seine sexuellen Vorlieben bekannt gewesen, so die Anklägerin. Mehr noch: Sie habe ihrem Mann geholfen, in dem sie dafür sorgte, dass er mit den Mädchen allein sein konnte. Die gelernte Kinderkrankenschwester und spätere Rezeptionistin in der Heilpraktiker-Praxis ihre Mannes soll den Mädchen auch erklärt haben, dass die Übergriffe zur Behandlungsweise gehörten.

Dass - so deutet sich bereits am ersten Verhandlungstag an - könnte auch die Argumentation sein, die das Ehepaar auch im Prozess an den Tag legen wird: Für den übernächsten Verhandlungstag am 7. Oktober kündigte die Verteidigerin des Angeklagten eine schriftliche Aussage an. Diese werde allerdings nicht geständig sein, sondern eher „erläuternd, erklärend“. Ihr Mandant wolle etwas zu seiner „speziellen manuellen Therapie“ sagen.

Auch einen Satz besonderer medizinischer Gerätschaften, die dabei zur Anwendung gekommen seien, hatten sie dem Gericht zur Ansicht mitgebracht. Der Vorsitzende Richter kündigte daher an, einen Physiotherapeuten als Sachverständigen dazuladen zu wollen. In dem Verfahren sind bislang 14 weitere Termine bis Anfang Dezember vorgesehen.

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RND/dpa/msc

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