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Panorama Pferde für Allergiker
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17:27 05.08.2009
Pferde der seltenen und hyperallergenen Rasse Curly Horses stehen auf einer Koppel des Gestüts Wolf in Bickenbach. Quelle: Mario Vedder/ddp
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Petra Wolf überredete ihren Mann, sich an ein Curly Horse heranzutrauen. Einige Wochen später kauften die Wolfs ihr erstes American Bashkir Curly, heute leben 25 Pferde auf dem Hof im hessischen Bickenbach. Das Ehepaar gehört zu den wenigen Züchtern der Spezialrasse in Deutschland.

Und die Herde soll noch größer werden: Im Spätsommer wollen die Wolfs nach Kanada reisen, um weitere Zuchttiere nach Hessen zu holen. „Das Interesse an den Tieren ist groß“, sagt Petra Wolf. Es gebe immer mehr Reiter, die ihr Hobby wegen einer Pferdeallergie aufgeben müssten. Für diese Pferdeliebhaber seien „die Curlys oft die einzige Rettung“. Die Käufer legten daher oft weite Strecken zurück und reisten aus allen Teilen Deutschlands an. „Gerade im Sommer machen die Leute auf ihrem Weg in den Urlaub einen Abstecher zu uns, um sich Pferde anzuschauen“, berichtet Wolf.

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Der Grund für die Hypoallergenität, also die Eigenschaft keine Allergien auszulösen, der Curlys liegt unter ihrem Fell: Die Hautzellen der Pferde unterscheiden sich in ihrem Proteinmuster von dem anderer Rassen so, dass Allergiker kaum auf die Tiere reagieren. „Die meisten spüren schon beim ersten Kontakt nichts oder nur sehr wenig“, sagt Wolf. Einzelne Allergiker hingegen reagierten zunächst stark, die Überempfindlichkeit lasse aber mit der Zeit nach.

Auffallend ist, dass sich die 25 Pferde, die auf den Wiesen rund um das Gestüt der Wolfs grasen, auf den ersten Blick nicht ähneln. Eines ist gescheckt und erinnert an ein Quarterhorse, ein anderes hat rotbraunes Fell und gleicht einem Haflinger. Tatsächlich gebe es bei den Curlys keinen bestimmten Typ, sagt Wolf. Das Faszinierende der Pferde liege daher neben der Hypoallergenität in ihrem unterschiedlichem Aussehen: „Wir haben schwarze und weiße, kräftige und schlanke Pferde.“

Der Grund für die Vielfalt der Tiere hängt mit ihrer Herkunft zusammen, wie Wolf erzählt. Vor mehr als 100 Jahren hätten Farmer im US-amerikanischen Nevada die ursprünglich wildlebenden Curlys mit anderen Rassen gepaart. „Auf die Reinzucht der hypoallergenen Tiere wurde kein Wert gelegt.“

Eines jedoch ist allen Curlys gemeinsam: die Beschaffenheit des Fells. „Im Winter haben die Tiere dicht gelocktes, in den Sommermonaten eher glattes bis leicht gewelltes Fell“, beschreibt Wolf. Die Haut der Tiere sei zudem sehr talghaltig, weshalb das Fell schnell trockne und auch anders rieche als das „normaler“ Pferde. Oft hätten die hypoallergenen Curlys auch gekringelte Haare im Ohr und eine verfilzte „Rasta-Mähne“.

Das Stockmaß der Curlys reiche von 1,30 Meter bis 1,70 Meter, erzählt Wolf. Sie und ihr Mann hätten sich auf die Zucht großer Pferde spezialisiert. „Pferdeallergien treten häufig erst später im Leben auf“, sagt Wolf, da seien Ponys nicht mehr so passend. Ein Fohlen verkauft das Ehepaar ab einem Preis von 7000 Euro, für ein dreijähriges Pferd müssen Interessenten rund 13 000 Euro zahlen. Zum Handeln kommt es oft gar nicht: „Manche Leute sind so begeistert von einem bestimmten Tier, dass ihnen der Preis egal ist.“

Dass sie eines Tages auf einem Hof in Südhessen leben und Pferde züchten würde, hat die gebürtige Tschechin Petra Wolf nicht gedacht. „Meine erste Liebe ist eigentlich das Tanzen“, sagt sie. Ihr Mann, den sie während eines Praktikums nahe Darmstadt kennenlernte, sei jedoch „in der Seele ein Indianer“, und seine Begeisterung für Pferde habe dann auch sie gepackt.

ddp