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Panorama Pete Doherty entschuldigt sich für Münchner Skandalauftritt
Mehr Welt Panorama Pete Doherty entschuldigt sich für Münchner Skandalauftritt
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14:37 01.12.2009
Der britische Rocksänger Pete Doherty entschuldigte sich für seinen Skandalauftritt am Sonnabend in München.
Der britische Rocksänger Pete Doherty entschuldigte sich für seinen Skandalauftritt am Sonnabend in München. Quelle: ddp
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Der britische Rocksänger Pete Doherty hat sich für seinen Skandalauftritt am Sonnabend in München entschuldigt. Der 30-Jährige hatte für Aufsehen gesorgt, weil er beim Musikfestival des BR-Jugendsenders „on3“ die erste Strophe des Deutschlandlieds „Deutschland, Deutschland, über alles“ angestimmt hatte.

Dohertys Sprecherin erklärte, die kontroverse Natur der Zeilen sei ihm nicht bekannt gewesen. Der Sänger, der selbst jüdische Wurzeln habe, entschuldige sich zutiefst dafür, hob sie hervor. Der 30-Jährige habe versucht, der Menge besonders nah zu kommen.

Der Bayerische Rundfunk hatte die Entschuldigung zuvor verlangt. Auch der Manager des Skandalrockers sagte: „Pete Doherty bedauert es sehr, falls eine andere Band, die Musiker, Teammitglieder, Besucher oder Zuhörer und der Sender durch seinen Auftritt beleidigt worden sein sollten. Das war nicht beabsichtigt.“

Doherty wirke aktiv „in antifaschistischen und antirassistischen Organisationen“ mit. „Er möchte diese Gelegenheit nutzen, um Menschen jeder Hautfarbe und jeden Glaubens dazu aufzurufen, sich zu vereinen und aktiv mit allen gegeben Mitteln gegen das Wiederaufleben rechtsextremer Hassparolen zu kämpfen.“

Der Leiter des BR-Programmbereichs Multimedia und Jugend, Rainer Tief, sagte: „Wir akzeptieren diese Entschuldigung.“ Dass Doherty sich über die Tragweite seines Handelns nicht bewusst gewesen sei, glaube er ihm. „Es unterstellt ihm ja keiner, dass er ein Nazi ist, das glaubt hier niemand.“ Der Vorfall sei „in der Sache aber inakzeptabel“ gewesen.

Bedauerlich sei er auch für die anderen Gruppen. Tief sagte: „Wir machen dieses Festival, um jungen Bands die Chance zu geben, ihre Musik vorzustellen. Jetzt redet aber keiner über ihre Musik, sondern über das Deutschlandlied. Das ist ein herber Schlag.“ Als Konsequenz für die Zukunft gelte: „Wir werden sicherlich genauer prüfen, in welchem Zustand sich die Künstler befinden.“ Ein Auftrittsverbot bestehe für Doherty nicht.

Auch strafrechtlich gesehen hat der Fall für den Sänger wohl keine Konsequenzen, da die ersten beiden Strophen des „Liedes der Deutschen“ nicht verboten sind. Seine Fans nahmen dem Rocker, der bei seinem Spontanauftritt offenbar betrunken auf der Bühne im Münchner Funkhaus stand, den Fehltritt aber sehr wohl übel: Das Publikum reagierte mit Buhrufen, Pfiffen und ausgestreckten Mittelfingern.

Kritisch hatte sich zuvor auch der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) geäußert. Das Singen der ersten Strophe des Deutschlandliedes sei politisch „nicht vertretbar“, sagte er. Der Landtagsabgeordnete Ludwig Hartmann, der die Grünen im Rundfunkrat vertritt, lobte die Reaktion des Publikums: „Es ist toll, dass die Fans dem Sänger deutlich gemacht haben, dass sein Auftritt nicht akzeptabel ist.“

Doherty, der bis 2007 mit Supermodel Kate Moss verlobt war, hat in der Vergangenheit mit Drogenexzessen, Gerichtsverfahren und Aufenthalten in der Entzugsklinik für Schlagzeilen gesorgt hat.

afp