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Panorama Pelikane im Vogelpark Walsrode schlüpfen schon
Mehr Welt Panorama Pelikane im Vogelpark Walsrode schlüpfen schon
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18:25 16.03.2010
Buntgefiedert: Der Gelbbrustara "Captain Huck".
Buntgefiedert: Der Gelbbrustara "Captain Huck". Quelle: dpa
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Ein unverhältnismäßig großer Schnabel dringt aus dem Ei nach draußen. Nackig und mal gerade so groß wie ein Überraschungsei, erblickt ein Pelikan im Vogelpark Walsrode das Licht der Welt, genauer gesagt: die Lichter der Brutanlage. „Wie kleine Flugsaurier sehen die Baby-Pelikane aus, sie schlüpfen ohne Ende“, freut sich German Alonso, Leiter der Show- und Ranger-Truppe des Vogelparks. Der wohl exotischste touristische Anziehungspunkt in der Lüneburger Heide startet an diesem Donnerstag (18.03.) mit neuem Logo und neuen Angeboten in die Saison.

Der mit 4000 Vögeln auf 24 000 Quadratmetern nach Angaben der Betreiber größte Vogelpark der Welt hofft auf neuen Aufschwung. Das Unternehmen stand kurz vor der Insolvenz, als der belgische Garten-Center-Investor Floralux es im Frühjahr 2009 kaufte. Nun gibt der international renommierte und erfahrene Vogelschutzexperte Geer Scheres als Geschäftsführer mit seinen 140 Mitarbeitern dem 1962 gegründeten Areal ein neues Gesicht. „Auf spielerische Weise können die Besucher die Bedeutung der Vögel für den Menschen und die des Menschen für die Vögel kennenlernen“, sagt der Ornithologe. Jeder Vogel erzähle durch Form und Farbe seine eigene Geschichte.

Nicht nur die neue Beschilderung und Führungen sorgen dafür, dass diese auch erkannt wird. Auch zehn Ranger sind neu im Park unterwegs. Sie locken den Besuchern die Tiere zum Berühren an den Gehegezaun und erzählen zum Beispiel, warum der Pelikan einen Beutel unter dem Schnabel hat. Die Vielfalt von 650 Vogelarten und 150 Millionen Jahre Evolution sollen so erlebbar werden.

Über ausgefeilte Jagdtechniken, Irreführung von Feinden und erstaunliche Balz-Rituale wird erzählt. „Nur wer die faszinierende Welt der Vögel kennen und schätzen lernt, kann sich für ihren Schutz einsetzen“, ist Scheres Devise. So ist in der zur Weltausstellung EXPO 2000 entstandenen Tropenwaldhalle allein für 80 verschiedene Arten ein Lebensraum der indonesischen Inselwelt geschaffen worden.

Durch eine Freiflughalle sausen tropische Wasservögel wie Rote Sichler und Hammerköpfe. Inkaseeschwalben und Meerespelikane tummeln sich dort in simulierter Meeresbrandung. In der Pinguinanlage stehen die stark bedrohten Humboldt-Pinguine auf der Gehegemauer Schlange zur Fütterung. 13 der 15 weltweit vorkommenden Kranicharten werden in sechs unterschiedlichen Biotopen gehalten und im Lori-Atrium krächzen 125 Arten von Papageien.

„Der Weltvogelpark war immer ein Hort für bedrohte Arten“, sagt Geschäftsführer Scheres. Zahlreiche bedrohte Vögel wie der Chilepelikan, die Silberschleiereule oder der Hauben-Seidenkuckuck werden in Walsrode nachgezüchtet. Bei etlichen Vögeln, wie dem Bunttukan oder dem Großen Paradiesvogel, gelang dem Park die erste Nachzucht weltweit. Über seine Stiftung unterstützt das Unternehmen auch Schutzprojekte in den Ursprungsländern der Tiere und tauscht sich mit Wissenschaftlern aus. Die gerade geschlüpften Pelikane gehören zu den ersten Vogelküken in diesem Jahr in der Jungtierstation des Parks.

„In den nächsten Wochen folgen die Papageien, die sehr neugierig sind, und es gibt immer viele kleine Eulen“, berichtet Ranger Alonso. Hinter den Kulissen werden dort zurzeit vier junge Pinguine gezähmt, damit sie sich später streicheln lassen, ohne dem Besucher die Finger blutig zu hacken. Adler und Condor haben ihr mehrwöchiges Trainingsprogramm für die Flugshow absolviert. Ihre Flugkünste, üppige Parkgestaltung und Führungen zu „tierischen“ Frühlingsgefühlen sollen dafür sorgen, dass in dieser Saison etwa ein Drittel mehr Besucher als im vergangenen Jahr mit nur 250 000 den Park besuchen.

lni