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Panorama Patient aus Moringen wird rückfällig
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08:27 16.05.2012
Von Karl Doeleke
Die Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Göttingen war 2008 der Auffassung gewesen, eine längere Zeit hinter Gittern sei unverhältnismäßig. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hannover

Wegen des Verdachts der Vergewaltigung sitzt ein ehemaliger Psychiatriepatient aus dem Maßregelvollzug in Moringen (Kreis Northeim) in Österreich in Haft. Dem 44-Jährigen aus Bad Sachsa wird vorgeworfen, eine 15-Jährige vergewaltigt zu haben. Der Mann hat die Tat nach österreichischen Presseberichten gestanden. Er hielt sich zu einer Umschulung in Graz auf und hatte sein Opfer gezielt per Inserat im Internet gesucht. Darin gab er vor, eine Babysitterin zu suchen.

Der 44-Jährige hätte, wäre es nach der Klinikleitung gegangen, nicht in Freiheit sein dürfen. Er war im Dezember 2008 gegen den ausdrücklichen Rat der Ärzte entlassen worden, wie Thomas Spieker, Sprecher des Sozialministeriums in Hannover bestätigte. „Nach Einschätzung der Ärzte bestand eine Rückfallgefahr. Es ist nicht erkennbar, dass die Klinikleitung einen Fehler gemacht hätte.“ Die Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Göttingen sei jedoch der Auffassung gewesen, eine längere Zeit hinter Gittern sei unverhältnismäßig – der Beschuldigte war vor mehr als 20 Jahren nach Jugendstrafrecht verurteilt worden, lautet die Begründung. Ein Gericht in Schleswig-Holstein hatte ihn wegen sexueller Nötigung und Beleidigung zur Unterbringung in einer Psychiatrie verurteilt. Nach Angaben des Sozialministeriums verbrachte er die ersten 20 Jahre in einer Psychiatrie in Neustadt in Schleswig-Holstein, bevor er auf eigenen Wunsch nach Moringen verlegt wurde. Bis Ende vergangenen Jahres stand der 44-Jährige noch unter Führungsaufsicht der Polizei. Mit Ablauf der Bewährungszeit war das aber vorbei.

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Am Mittwoch vergangener Woche kam es dann zu dem mehrfachen Missbrauch des 15-jährigen Mädchens aus Österreich. Die Jugendliche hatte mit Erlaubnis ihrer Mutter auf das Inserat reagiert. Am verabredeten Treffpunkt stieg das Mädchen in das Auto des Verdächtigen – der Beginn einer mehr als zehnstündigen Irrfahrt durch Österreich und Slowenien, in deren Verlauf das Mädchen mehrfach missbraucht worden sein soll. Als kroatische Zöllner die Einreise verweigern, soll der Mann mit dem Mädchen zurück nach Österreich gefahren sein. Dort kam es zu einem Unfall, wie österreichische Medien berichten. Der Verdächtige und das Mädchen wurden in ein Krankenhaus eingeliefert, wo sich die 15-Jährige einem Arzt anvertraute. Der rief die Polizei.

Heinrich Thies 15.05.2012
Marianne Reese 15.05.2012