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Panorama Papst in Luthers Land - Signal für Ökumene erwartet
Mehr Welt Panorama Papst in Luthers Land - Signal für Ökumene erwartet
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16:46 22.09.2011
Vier Tage reist der Papst durch sein Heimatland. Quelle: dpa
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Berlin

In Thüringen ist Papst Benedikt XVI. auf den Spuren des Reformators Martin Luther unterwegs. Bei seinem ersten offiziellen Besuch in einem der neuen Bundesländer und Kernland der Reformation trifft sich der Papst am Freitag im Erfurter Augustinerkloster mit Vertretern der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

An das Treffen werden hohe Erwartungen geknüpft. Der Ratsvorsitzende der EKD, Nikolaus Schneider, erhofft sich Anstöße für ein besseres Miteinander von Protestanten und Katholiken. Der Papst hat im Vorfeld jedoch deutlich gemacht: „Wir erwarten keine Sensation.“

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Trotzdem ist Erfurt für Benedikt ein Höhepunkt der Reise. Er besucht nicht nur das Augustinerkloster, in das Luther 1505 als katholischer Mönch eintrat, sondern auch den Erfurter Dom, wo der spätere Reformator zum Priester geweiht wurde.

Im ökumenischen Wortgottesdienst spricht er an dem Altar, an dem Luther seine erste Messe feierte. Zu dem Gottesdienst werden unter anderem Bundespräsident Christian Wulff, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie mehrere Ministerpräsidenten erwartet. Thüringens Regierungschefin Christine Lieberknecht (CDU) spricht von einem historischen Papstbesuch im Luther-Land.

In Thüringen sind die Katholiken in doppelter Hinsicht eine Minderheit: gegenüber der konfessionslosen Mehrheit - wie überall in Ostdeutschland, wo insgesamt bis zu 75 Prozent der Menschen keiner Kirche angehören. Aber auch gegenüber den Protestanten.

6000 Polizisten sorgen für Sicherheit

Knapp acht Prozent der Thüringer sind katholische Christen. Viele von ihnen, vor allem im Eichsfeld, standen in der DDR auch in schwierigen Zeiten fest zu ihrem Glauben. Dies will der Papst mit seinem Besuch und einem Gottesdienst im Wallfahrtsort Etzelsbach würdigen. Erfurts Bischof Joachim Wanke verspricht sich viel Ermutigung und den Hauch der Weltkirche von der etwa 25-stündigen Papst-Visite in Thüringen.

Zum Abschluss am Samstag ist eine Heilige Messe auf dem Domplatz in Erfurt geplant. Dazu sind aus Sicherheitsgründen nur etwa 30 000 Pilger zugelassen. Die Polizei bereitet sich bereits seit Wochen auf den größten Einsatz in der Geschichte des Landes vor.

Bis zu 6000 Beamte sollen für die Sicherheit des Papstes und der Gottesdienstbesucher sorgen. Für den Pontifex gilt die höchste Sicherheitsstufe. Es wird erhebliche Einschränkungen durch Straßensperrungen geben. Für 25 000 Schüler in Erfurt und im Eichsfeldkreis fällt der Unterricht am Freitag aus.

Allein das Bistum Erfurt investiert in den Papst-Besuch rund elf Millionen Euro. Mehr als die Hälfte fließen in das Pilgerfeld in Etzelsbach, das für einen Massenansturm planiert wurde. Außerhalb der Gottesdienste in Etzelsbach und Erfurt, wo der Papst sein Papamobil besteigt, wird das katholische Kirchenoberhaupt für Schaulustige kaum aus der Nähe zu sehen sein.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.