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Panorama Papst Benedikt XVI. will nach Rücktritt ins Kloster gehen
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18:40 11.02.2013
Papst Benedikt XVI. will zurücktreten. Quelle: dpa
Rom

In seiner lateinischen Ansprache sagte Benedikt, er spüre das Gewicht der Aufgabe, dieses Amt zu führen, habe lange über seine Entscheidung nachgedacht und sie zum Wohl der Kirche getroffen. Der Dekan der katholischen Kirche, Angelo Sodano, nannte die Ankündigung einen "Blitz aus heiterem Himmel". Benedikt, seit 2005 im Amt, hatte bereits vor einiger Zeit deutlich gemacht, dass er es sich durchaus vorstellen könne, etwa aus Gesundheitsgründen das Pontifikat abzugeben. Die Kardinäle waren eigentlich zusammengekommen, um über mehrere neue Heiligsprechungen abzustimmen.

Im Anschluss an seinem Rücktritt zu Ende Februar werde sich der 85-jährige Benedikt in ein ehemaliges Kloster  von Klausurschwestern im Vatikan zurückziehen, erklärte Vatikansprecher Federico Lombardi in Rom. Dort wolle Benedikt ein Leben in Gebet und Meditation führen. Insofern war es keine voreilige Entscheidung, dass er im Dezember seine alte Wohnung im römischen Borgo Pio an seinen Nachfolger in der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, abtrat. Bis zum Abschluss der Umbauarbeiten in dem Konvent werde Benedikt in der päpstlichen Sommerresidenz in Castel Gandolfo bei Rom wohnen.

Papst Benedikt XVI. war im April 2005 zum Nachfolger des verstorbenen Johannes Paul II. gewählt worden. Er ist mittlerweile 85 Jahre alt.

Benedikt XVI. ist der erste Papst seit Coelestin V., der auf eigenen Wunsch abtritt. 1294 dankte der fünf Monate zuvor gewählte Papst Coelestin V. ab, weil er sich dem Amt nicht gewachsen fühlte. Er starb 1296 und wurde später heiliggesprochen.

Georg Ratzinger, Bruder des Papstes, nannte die angeschlagene Gesundheit von Benedikt XVI. als Grund für dessen Rücktritt. "Das Alter drückt", sagte der 89-Jährige am Montag. Sein Arzt habe dem Papst geraten, keine transatlantische Reisen mehr zu unternehmen, sagte Georg Ratzinger weiter. Auch das Gehen bereite seinem Bruder zunehmend Schwierigkeiten. Georg Ratzinger meinte, der Rücktritt seines Bruders sei ein "natürlicher Vorgang". "Mein Bruder wünscht sich im Alter mehr Ruhe." Georg Ratzinger sagte weiter: "Ich war eingeweiht." Er räumte ein, seit Monaten von den Rücktrittsplänen des Papstes gewusst zu haben. Georg Ratzinger, wie sein Bruder  katholischer Priester, war drei Jahrzehnte lang Domkapellmeister in Regensburg und damit Leiter der weltberühmten Regensburger Domspatzen.

Joseph Ratzinger wurde 16. April 1927 im oberbayerischen Marktl am Inn geboren. Der einstige Kölner Kardinal Joseph Frings nahm den jungen Theologen als Berater mit zum II. Vatikanischen Konzil. Mit nur 35 Jahren galt er als „Konzils-Teenager“. Ratzinger machte nach seinem Theologiestudium eine steile wissenschaftliche Karriere: In den sechziger Jahren lehrte er an den Universitäten Münster, Tübingen und Regensburg. Als Hochschullehrer hatte er bald den Ruf eines fortschrittlichen und liberalen Theologen. Acht Ehrendoktortitel könnte er sich auf die Visitenkarte schreiben. Nach dem Wechsel in den Vatikan, wo er zum Präfekten der Glaubenskongregation aufstieg, wandelte sich jedoch sein Ruf ins Gegenteil. Seit November 1981 war er Präfekt der Kongregation im Vatikan, der höchsten und zentralen Instanz für die Interpretation und Verteidigung der katholischen Lehre. Ende 2002 wurde er zudem Dekan des Kardinalskollegiums, das den Papst berät und bei einer Vakanz dessen Nachfolger wählt. Schon dem verstorbenen Papst Johannes Paul II. stand Ratzinger jahrzehntelang als Chef-Theologe zur Seite.

Nach dem Kirchenrecht kann ein Papst aus freiem Entschluss auf sein Amt verzichten. Ein Amtsverzicht führt - ebenso wie der Tod des Papstes - zur Unbesetztheit des Apostolischen Stuhls. Im Canon 332 Paragraf 2 des kirchlichen Gesetzbuches "Codex Iuris Canonici" (CIC) heißt es: "Falls der Papst auf sein Amt verzichten sollte, ist zur Gültigkeit verlangt, dass der Verzicht frei geschieht und hinreichend kundgemacht, nicht jedoch, dass er von irgendwem angenommen wird."

Die Bedingungen, dass der Rücktritt aus freien Schritten erfolgen und hinreichend publik gemacht werden muss, wurden erst 1983 bei der Neufassung des Kirchenrechts unter Papst Johannes Paul II. ins Gesetz aufgenommen.

In der Moderne haben Pius XII. (1939-1958), Paul VI. (1963-1978) und Johannes Paul II. (1978-2005) einen schriftlichen Amtsverzicht vorbereitet. Pius XII. wollte die Kirche damit angesichts einer drohenden Entführung durch Hitlers Truppen absichern. Paul VI. und Johannes Paul II. wollten verhindern, dass die Kirche im Fall von langer, schwerer Krankheit führungslos bliebe. Keines der geheim gehaltenen Amtsverzichts-Schreiben kam zum Einsatz.

Die Erklärung des Papstes im Wortlaut finden Sie hier.

dpa/dapd/kna/sup

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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