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Panorama Opfer zittert bei Anblick des U-Bahn-Schlägers
Mehr Welt Panorama Opfer zittert bei Anblick des U-Bahn-Schlägers
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18:25 23.08.2011
Der wegen versuchtem Totschlag und gefaehrlicher Koerperverletzung angeklagte Torben P. am Dienstag im Landgericht Berlin. Quelle: dpa
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Berlin

Erst prügelt ein Schüler sein Opfer in einem U-Bahnhof bis zur Bewusstlosigkeit, Monate später zeigt er sich nun selbst erschrocken über den unfassbaren Angriff. Zum Prozessauftakt vor dem Berliner Landgericht gab sich der 18 Jahre alte Gymnasiast in seinem Geständnis erschüttert: „Meine Tat ist eine Schweinerei und durch nichts zu entschuldigen“, sagte er am Dienstag in einer persönlichen Erklärung.

Genau erinnern könne er sich aber an die Tritte und Schläge gegen sein zufällig ausgewähltes Opfer nicht, denn er sei betrunken gewesen. „Ich bin schockiert und entsetzt über mich selbst.“ Dem Angeklagten wird versuchter Totschlag und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Mitangeklagt ist ein ebenfalls 18 Jahre alter Freund des Schülers. Dieser sagte, dass es ihm sehr leidtue.

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Überwachungskameras hatten die Attacke vor vier Monaten im Berliner U-Bahnhof Friedrichstraße aufgenommen. Bundesweit lösten die Bilder damals Entsetzen aus und eine neue Debatte über den Umgang mit jugendlichen Gewalttätern. Dass der Gymnasiast von der Untersuchungshaft verschont und nicht wegen versuchten Mordes angeklagt wurde, war öffentlich kritisiert worden.

Im abgeschirmten Saal 700 des Berliner Kriminalgerichts steht das Opfer dem Täter nach vier Monaten erstmals gegenüber. „Ich bin nur am Zittern und sehr nervös“, schildert der 30-Jährige seine Gefühle. Eine Entschuldigung des Gymnasiasten lehnt er ab. Einen Brief habe er zurückgeschickt. Der wirkte sehr juristisch, nicht wie von einem 18-Jährigen.

Das Opfer kann sich an den Angriff nach eigenen Worten nicht erinnern: „Ich kann leider gar nichts dazu sagen.“ Mit Freunden hatte er an einem Dart-Turnier teilgenommen. Er gewann. Die Stimmung war gut. Es wurde getrunken, aber betrunken sei er nicht gewesen, sagte der Berliner.

Erst im Krankenhaus setzt die Erinnerung wieder ein. Im Zimmer des damals 29-Jährigen lief ein Fernsehgerät mit Szenen des Überfalls. Die Mitpatienten erzählten, dass ich das war. „Da war Sense, ich wusste nicht, was ich tun soll.“ Der Installateur lag drei Tage mit einem Schädel-Hirn-Trauma, Schnittwunden und Prellungen im Gesicht im Krankenhaus. Sechs Wochen konnte er nicht arbeiten. Bis heute leidet der Berliner an Schlafstörungen und wird psychisch behandelt.

Opfer-Anwältin Elke Zipperer erklärte, sie habe noch nie ein so brutales Video gesehen. Es sei ein Wunder, dass der Mann überlebt habe. Aus Sicht der Nebenklage komme auch versuchter Mord in Betracht. Aufrichtige Reue ist aus Sicht der Nebenklage nicht erkennbar.

Der Angreifer war auf dem Heimweg von einer Party, als er auf den Handwerker traf. Es gab einen Wortwechsel, „dann kam der Mann auf mich zu“, sagte der Schüler. Der Mann habe ihn am Kragen gepackt. In einer Überreaktion habe er mit einer Plastikflasche zugeschlagen. „Ich hatte ein Gefühl der Angst und die Vorstellung, mich verteidigen zu müssen“, las der Gymnasiast aus seiner persönlichen Erklärung vor.

Opfer klagt über Erinnerungslücken

Ansonsten berief sich der junge Mann immer wieder auf Erinnerungslücken. Denn er habe in der Nacht zum Ostersamstag viel Alkohol getrunken. Der Täter war nach der Attacke zunächst geflüchtet, stellte sich aber wenige Stunden später der Polizei.

Ein 22 Jahre alter Maler und Lackierer aus dem bayerischen Hirnheim hatte in jener Nacht Schlimmeres verhindert. Er ging dazwischen und zog den Schläger weg. Laut Anklage wurde der Bayer selbst von dem 18-Jährigen sowie dessen Freund geschlagen und getreten. Dieser mitangeklagte Kumpan muss sich im Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung sowie unterlassener Hilfeleistung verantworten. Er soll nichts gegen die Tritte unternommen haben. Er sagte, dass es ihm sehr leidtue. Der couragierte Mann, der für sein Eingreifen öffentlich geehrt wurde, soll am Donnerstag als Zeuge gehört werden.

Der Vorsitzende Richter Uwe Nötzel hielt dem angeklagten Gymnasiasten vor, dass er zwar eine fast minutiöse Beschreibung der Zeit vor der Tat abgeliefert habe. „Und ausgerechnet die Momente der Tat sind merkwürdig verschwommen.“ Immer wieder fragte Nötzel nach, warum der Schüler so wütend geworden sei. Anders als bei den polizeilichen Vernehmungen sagte der Angeklagte, er sei nicht in aggressiver Stimmung gewesen.

dpa