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Panorama Ölpest vor US-Küste immer bedrohlicher
Mehr Welt Panorama Ölpest vor US-Küste immer bedrohlicher
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09:24 01.05.2010
Der US-Golfküste droht aus Sicht von Umweltschützern die schlimmste Ölkatastrophe in der Geschichte des Landes.
Der US-Golfküste droht aus Sicht von Umweltschützern die schlimmste Ölkatastrophe in der Geschichte des Landes. Quelle: dpa
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Derweil berichteten Augenzeugen, dass starke Winde verschmutztes Wasser über die ausgebrachten Barrieren drücken. Die Ölpest bedroht hochsensible Ökosysteme an der Küste. Und die Aussichten sind nicht gut: Meteorologen zufolge werden über das Wochenende hohe Wellen erwartet, die das Öl tief ins Marschland im Südosten Louisianas drücken könnten.

Gouverneur Jindal bezweifelte derweil öffentlich, dass die Maßnahmen des Ölkonzerns BP im Kampf gegen die Ölpest ausreichten. Er und von Präsident Barack Obama in die Katastrophenregion entsandte Minister verstärkten den Druck auf das Unternehmen, das nach Auffassung der US-Regierung alle Kosten zu tragen hat. BP müsse „härter, schneller, schlauer“ arbeiten, sagte Innenminister Ken Salazar. Man werde nicht ruhen, bis die sprudelnde Ölquelle geschlossen und „jeder Tropfen Öl“ beseitigt sei. Das Weiße Haus schloss einen Besuch von Präsident Obama in der Region nicht aus. In den nächsten Tage sei damit aber nicht zu rechnen.

BP-Chef Doug Suttles bezifferte die Kosten für den Konzern auf täglich sechs bis sieben Millionen Dollar. Je näher das Öl an die Küste komme, desto teurer werde der Einsatz, sagte er. Der Energiekonzern erklärte am Freitag aber, man wolle die „volle Verantwortung“ für den Ölteppich übernehmen.

Der US-Golfküste droht aus Sicht von Umweltschützern die schlimmste Ölkatastrophe in der Geschichte des Landes. „Das ist ein Desaster, jenseits jeden Ausmaßes, das ich je erlebt habe“, sagte der Experte der Ozean-Gesellschaft in San Francisco, Stan Minasian. Die befürchtete Ölpest könne laut Naturschützern verheerender werden als das Tankerunglück der „Exxon Valdez“ 1989 in Alaska. Die Katastrophe gilt als die bisher schlimmste Ölpest der USA. Hunderttausende Vögel und Fische sowie tausende Säugetiere verendeten.

Bis zum Freitag wurden nach Behördenangaben mehr als 60 Kilometer schwimmende Barrieren ausgebracht, mehr als 90 Kilometer stünden bereit. Augenzeugen berichteten allerdings, dass der starke Seegang sie mancherorts nutzlos mache oder die Wellen sie wegdrücken. „Sie halten das Öl nicht draußen“, sagte der Chef des südöstlichen Landkreises Plaquemines Parish, Billy Nungesser, der Zeitung „Times-Picayune“ am Freitag nach einem Flug über die Gegend. „Es wird schlimmer werden, bevor sich eine Besserung einstellt.“

Der Ölfilm war am Freitag bis zu 72 Kilometer breit und bis zu 160 Kilometer lang. 1900 Helfer sind im Einsatz, 300 Schiffe und Flugzeuge stehen zur Verfügung. Hohe Wellen trieben das Öl auf das von Menschen unbewohnte Wildschutzgebiet Pass-A-Loutre am Mississippi-Delta zu. Nach Berechnungen der Meeresbehörden könnte der Ölteppich über das Wochenende die Küsten Mississippis und Alabamas erreichen. Am Montag könnte das Öl dann auch an die Küste West- Floridas schwappen.

Auslöser der Ölpest ist der Untergang der BP-Bohrinsel „Deepwater Horizon“ vor gut einer Woche. Seitdem tritt das Rohöl in 1500 Metern Meerestiefe aus mehreren Lecks aus. Nach Schätzungen der US-Behörde für Ozeanographie laufen täglich etwa 700 Tonnen aus. Wenn es weiter in diesen Mengen sprudelt, dauert es keine zwei Monate, bis das Ausmaß der „Exxon-Valdez“-Katastrophe erreicht ist.

dpa

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