Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Panorama Julen: Retter sind nur noch wenige Zentimeter entfernt – doch wieder gibt es ein Problem
Mehr Welt Panorama Julen: Retter sind nur noch wenige Zentimeter entfernt – doch wieder gibt es ein Problem
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:49 25.01.2019
Bohren nach Julen. Quelle: Guardia Civil/Europa Press/dpa
Málaga

Kurz vor der möglichen Bergung des seit zwölf Tagen in einem tiefen Brunnenschacht in Spanien verschollenen Julen sind die Einsatzkräfte am Freitagabend auf neue Probleme gestoßen. Bei der Grabung eines Tunnels zu der Stelle, an der der zweijährige Junge vermutet wird, seien Bergarbeiter wenige Zentimeter vor dem Ziel erneut auf extrem hartes Gestein gestoßen, sagte Polizeisprecher Jorge Martín vor Journalisten. Es sei eine weitere Mikrosprengung nötig, die extrem präzise sein müsse, da man dem Kind möglicherweise sehr nah sei, so der Sprecher.

Spanische Medien berichteten unter Berufung auf die Einsatzkräfte im andalusischen Totalán, dass diese insgesamt vierte Sprengung mindestens zwei weitere Stunden in Anspruch nehmen werde. Wann genau die Bergleute eine Kamera in den Schacht einführen können, um Julen zu lokalisieren, war unklar.

Ein achtköpfiges Team von Bergarbeitern war am Abend nur noch Zentimeter von der Stelle entfernt, an der sich der Zweijährige befinden soll, wie spanische Medien unter Berufung auf die Einsatzkräfte in Andalusien berichteten. Von dort wollten sie ein Loch bohren und mit einer Kamera den Schacht ausleuchten, um Julen aufzuspüren.

80 Meter Rettungsschacht

Die Männer arbeiteten in dem Ort Totalán bei Málaga seit Donnerstagabend in einem rund 80 Meter tiefen Rettungsschacht unter schwierigsten Bedingungen zumeist liegend oder knieend. Mit Presslufthämmern und Spitzhacken hatten sie einen insgesamt vier Meter langen waagerechten Tunnel gegraben. Am Nachmittag hatten sie in mühseliger Arbeit zweieinhalb Meter geschafft, bis zum Abend war das Ziel dann fast erreicht.

Immer wieder hatten über den Tag die Gesteinsbedingungen die Arbeiten erschwert, wie Polizeisprecher Jorge Martín vor Journalisten sagte. „Wir haben dieselben Probleme vorgefunden wie an den vergangenen Tagen: extrem harte Felsen.“ Im Laufe der Grabung seien mehrere Mikrosprengungen durchgeführt worden. Ein Hubschrauber wurde geschickt, um mehr Sprengstoff zu holen.

Lesen Sie hier:
Julens Eltern schäumen vor Wut

Von dem Kind gab es weiter kein Lebenszeichen. Man hofft dennoch, dass es noch am Leben sein könnte. Am Donnerstagabend hatten etwa 200 Menschen in Totalán an einer Nachtwache für Julen teilgenommen, um für ihn zu beten und ihre Solidarität mit den verzweifelten Eltern zu zeigen.

Julen soll am 13. Januar bei einem Ausflug mit seiner Familie in den 107 Meter tiefen Schacht gefallen sein. Dieser war offenbar auf der Suche nach Wasser illegal ausgehoben worden. Weil das Loch nur einen Durchmesser von 25 bis 30 Zentimetern hat, hatten die Retter entschieden, einen parallelen Schacht auszuheben, um zu Julen vorzudringen.

In 80 Metern Tiefe

Das Kind wird in einer Tiefe von 70 bis 80 Metern vermutet. Die Retter hatten kurz nach dem Verschwinden des Jungen in dem Schacht eine Tüte mit Süßigkeiten gefunden, die Julen dabei hatte, sowie wenig später auch Haare. Verschiedene Probleme - darunter der unebene, schwer zugängliche Unglücksort am Hügel Cerro de la Corona nahe der Küstenstadt Málaga und die Härte des Bodens - hatten die Arbeiten immer wieder verzögert. Insgesamt wurden im Rahmen der aufwendigen Bergungsaktion bereits mehr als 40 000 Tonnen Erde abgetragen.

Die Bergarbeiter – erfahrene Spezialisten aus der nordspanischen Kohleregion Asturien – arbeiteten jeweils in Zweierteams. Sie wurden mit einer speziellen, an einem Kran befestigten Kapsel in den Schacht herabgelassen und lösten sich alle 30 bis 40 Minuten ab.

Von RND/dpa