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Panorama Niedersächsische Regierung fällt ins Wasser
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19:09 15.05.2012
Von Klaus Wallbaum
Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) und mehrere Mitglieder seiner Regierungsmannschaft sind mit einem Drachenboot auf dem Zwischenahner Meer gekentert. Quelle: dpa
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Bad Zwischenahn

David McAllister hatte schon am Vormittag so ein mulmiges Gefühl. „Ich hatte ja für eine Wanderung plädiert, aber meine Fraktion wollte unbedingt das Drachenbootrennen - also mache ich das auch“, sagte ein eher missgelaunter Ministerpräsident. Er wolle ja „kein Spielverderber sein“, fügte er hinzu.

Ob er geahnt hat, was kommen würde? Wenige Stunden später steigt er in eines der Drachenboote, die das Zwischenahner Meer überqueren. Die Bootsfahrt ist Teil des Unterhaltungsprogrammes der mehrtägigen Klausur. McAllister sitzt vorn - da, wo den Paddlern der Takt vorgegeben wird. McAllister, der Anführer, sitzt vor einer Trommel. 17 Männer und eine Frau stechen kräftig ins Wasser, links und rechts fahren zwei Boote der DLRG, Fotografen und Kamerateams begleiten die Tour. Es geht zunächst zügig voran, die Gruppe zählt „eins, zwei, drei...“ McAllister stimmt das Niedersachsen-Lied an, viele singen lautstark mit. Nach etwa einer halben Stunde ist das andere Ufer schon im Blick, es kann jetzt nicht mehr lange dauern.

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Aber dann geschieht, was nicht vorgesehen war. Eines der DLRG-Boote fährt voraus und macht eine Kurve, die Bugwelle trifft das Drachenboot, das auf einmal Schlagseite bekommt. Wasser schwappt über die Seite ins Innere, und auf einmal kentert das Boot. Mit McAllister liegt plötzlich das halbe Kabinett im Zwischenahner Meer - mit ihm die Minister Jörg Bode (Wirtschaft), Stefan Birkner (Umwelt), Aygül Özkan (Soziales) und Bernd Althusmann (Kultus) sowie die Fraktionschefs Björn Thümler (CDU) und Christian Dürr (FDP).

Es dauert nicht lange, da werden die Politiker von den Rettungskräften in die DLRG-Boote gehievt und ans Ufer gebracht. Der Schock bei manchen sitzt tief. Die Einweiser hatten zu Beginn extra gesagt, alle Wertgegenstände wie Handys und anderes sollten abgegeben werden. „Es soll schon mal vorgekommen sein, dass ein Boot kentert“, hatte Karsten Metz, der Leiter der Drachenbootflotte, noch beim Einsteigen am Kai gewarnt. Manche lachten über den vermeintlichen Scherz.

Noch wenige Stunden vor dem Start der Bootsfahrt hatte McAllister im Kreis von Journalisten über das wachsende Medieninteresse an seiner Person fabuliert, über die vielen, die ihn jetzt - nach der Wahlschlappe von Norbert Röttgen - für den kommenden Mann der CDU hielten. Da erzählte McAllister, dass er just am Dienstagmorgen die Schirmherrschaft für die Lebensretter in Bad Zwischenahn übernommen habe. „Das ist ein Thema für viele Assoziationen“, scherzte der CDU-Politiker -„McAllister in Seenot, McAllister steht das Wasser bis zum Hals, McAllister säuft ab“. Und so kam es.

Als die Politiker noch im See lagen und noch nicht alle in die Rettungsboote gehoben waren, hatten einige schon große Sorge um ihr Image. „Macht die Kameras aus, macht die Kameras aus!“ riefen sie in Richtung der Begleitboote, auf denen die Fernsehteams waren. Zu spät, die Kentertour ist bereits gespeichert.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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