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Panorama Wolfsberater fühlen sich vom Land gegängelt
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12:40 08.05.2016
Von Heiko Randermann
Mit einem Leitfaden will das Land Niedersachsen regeln, was ehrenamtliche Wolfsberater in der Praxis dürfen und was nicht. Der erste Entwurf dieses Papiers stößt allerdings auf Kritik. Quelle: Archivfoto: Ingo Wagner (dpa)
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Hannover

Theo Grüntjens ist einer der erfahrensten der über 130 Wolfsberater des Landes. Seit der Entwurf eines Leitfadens vor zwei Wochen auf einer Wolfsberaterschulung vorgestellt wurde, melden sich immer mehr seiner Kollegen bei ihm. "Die eindeutige Reaktion von den meisten ist: So können wir das nicht unterschreiben", sagt Grüntjens der HAZ.

Auf Nachfrage bei einigen Wolfsberatern in ganz Niedersachsen fallen die Reaktionen nicht überall so scharf aus, irritiert sind die Angesprochenen schon: „Ich weiß nicht, wo die damit hinwollen“, sagt Jens Peter Burkhardt, Wolfsberater aus dem Wendland. „Ein solches Papier hat es meines Erachtens für Ehrenamtliche in anderen Bereichen noch nicht gegeben.“

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Vor allem zwei Punkte stoßen den Wolfsberatern sauer auf: Laut dem Entwurf des Leitfadens aus dem Umweltministerium sollen die Berater künftig allenfalls intern Probleme und Kritik am Wolfsmanagement ansprechen, auf keinen Fall aber mehr nach außen. "Nur ein abgestimmtes Wording - das funktioniert im Leben nicht", sagt Grüntjens. "So kann man mich nicht ausbremsen."

Ein anderer Wolfsberater, der anonym bleiben will, sagt, er werde diese Vorschrift „sehr gelassen“ sehen. Dann werde er eben in Zukunft seine Meinung als Privatperson vertreten, nicht als Wolfsberater. „Und wenn im Umweltministerium damit jemand ein Problem hat, dann sollen sie mir einen Brief schreiben.“ Notfalls werde er sich dann einen Anwalt nehmen.

Ähnlich argumentiert auch Frank Faß, Leiter des Wolfcenters Dörverden, der ebenfalls ein ehrenamtlicher Wolfsberater ist. Dem Ministerium gehe es offenbar um Fälle, in denen ein Wolf auffällig werde und sich Menschen nähere oder sehr viele Schafe reiße. In diesen Fällen, die in der Öffentlichkeit sehr kritisch besprochen würden, sei es richtig, dass der Wolfsberater zuerst das Gespräch mit dem Ministerium suche, um eine Sprachregelung abzustimmen, so Faß. Daran würde auch er selber sich halten. „Aber als Leiter meines Unternehmens habe ich natürlich eine Meinung. Und die würde ich auch immer sagen, das lasse ich mir nicht nehmen", so der Wolfcenter-Chef.

Der zweite Punkt, den Wolfsberater kritisierten, betrifft die Arbeitsanforderungen: Nach Angaben des Wolfsberaters sollen er uns seine Kollegen rund um die Uhr bei Nutztierrissen und Wolfssichtungen für die Beratung zur Verfügung stehen, oder eine Vertretung organisiert haben. „Das ist so nicht leistbar“, sagt Elisabeth Große Beilage, Wolfsberaterin im Landkreis Cloppenburg. Ehrenamtliche könnten in Landkreisen mit großer Fläche und vielen Weidetieren den Aufwand nicht abdecken. „Mein Arbeitgeber würde mir dafür gar nicht freigeben“, so Große Beilage.

Sollten die Wolfsberater diesen Anforderungen nicht Folge leisten, drohe ihnen der Rauswurf, fürchtet Grüntjens: "In letzter Konsequenz dürfen sie dann keine Wolfsberater mehr sein", sagt er, und fügt hinzu: "Das geht so nicht."

Das Umweltministerium erklärte auf Anfrage, dass es sich bei dem vor zwei Wochen vorgestellten und jetzt an alle Wolfsberater verschickten Papier um einen Entwurf handele. „Jetzt haben vor allem die Wolfsberaterinnen und Wolfsberater die Möglichkeit, ihre Ideen, Kritik und Vorschläge zu diesem Entwurf einzubringen.“ Es gehe darum, eine Leitlinie für die Wolfsberater-Arbeit zu erstellen, um die Abläufe zu vereinheitlichen. Das Ministerium will am Montag den Umweltausschuss zu den geplanten Leitlinien für die Wolfsberater unterrichten.

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