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Panorama Bürgermeister wegen versuchter Nötigung angeklagt
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00:15 04.11.2016
Neuer Verwaltungschef auf der Anklagebank: Der parteilose Marcel Litfin. Quelle: Anja Frick
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Harsum

Marcel Litfin soll vor einem halben Jahr versucht haben, einen Mann aus Everode (Gemeinde Freden) massiv einzuschüchtern, der ihm offenbar Geld schuldete.

Litfin, der neben seiner Tätigkeit im Bauamt der Gemeinde Harsum privat einen Gerüstverleih betrieb, soll mit vier Begleitern bei dem säumigen Kunden aufgekreuzt sein - allesamt auf Motorrädern. Wortführer der Gruppe: der neue Bürgermeister von Harsum. Von einem „martialischen Auftreten“ spricht Gerichtssprecher Felix Muntschick.

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Dazu gehörte auch, dass der 30-Jährige laut Anklageschrift eine Gaspistole dabei gehabt haben soll, deren Griff er unter seiner Jacke zeigte. Litfin bestreitet das allerdings, auch wenn eine solche Waffe später bei ihm zu Hause gefunden wurde. Auch verbal und schriftlich sollen der Harsumer und seine Begleiter den Everoder zum Teil massiv bedroht haben. Der zahlte jedoch nicht, sondern rief lieber die Polizei.

Marcel Litfin hat die Vorwürfe bestritten. Er habe eine weiße Weste und gehe von einem Freispruch aus, hat er bisher stets erklärt. SPD und Grüne, die den parteilosen Rathaus-Mitarbeiter bei seiner Kandidatur fürs Bürgermeister-Amt unterstützt haben, glauben ihm.

Sie haben nach eigenem Bekunden auch keinen Plan B für den Fall einer Verurteilung. „Sollte es dazu kommen, wovon wir nicht ausgehen, würden wir mit den Grünen zusammen überlegen, wie es weitergeht“, sagte der Harsumer SPD-Chef Marc Ehrig gestern auf Anfrage. Die CDU hat sich laut Fraktionschef Reinhard Wirries mit diesem Thema noch nicht beschäftigt: „Wir warten das Urteil ab.“

Litfin hatte bei der Kommunalwahl am 11. September im ersten Wahlgang hauchdünn die absolute Mehrheit verpasst. Vor der Stichwahl wurde die Anklage gegen ihn bekannt - schadete ihm allerdings nicht. In der Stichwahl setzte sich Litfin mit 70,2 Prozent gegen den CDU-Kandidaten Konrad Steinmann durch. Viele Wähler warfen den Christdemokraten vor, die Vorwürfe gegen Litfin aus wahltaktischen Gründen öffentlich gemacht zu haben. Die Christdemokraten bestreiten das.

01.11.2016
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