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Panorama Nasskaltes Herbstwetter oder goldener Oktober? Polarjet sorgt für Veränderungen in Deutschland
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12:03 04.10.2021
Ein Windsack weht in der Nähe von Rostock im Wind.
Ein Windsack weht in der Nähe von Rostock im Wind. Quelle: picture alliance / Jens Büttner/
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Im Oktober wird es teilweise windig in Deutschland. Grund dafür ist der Polarjet. „Der Polarjet bestimmt als ‚Wettergott‘ die Lage der Hochs und Tiefs auf der Nordhalbkugel“, sagt Meteorologin Britta Siebert-Sperl vom Wetterdienst „Wetterkontor“ dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND) am Montag­vormittag. Besonders zu Jahres­zeiten­wechseln sei der Polarjet maßgeblich für die Wetterbildung verantwortlich.

Der Polarjet ist der Jetstream auf der Nord­halb­kugel. Auch auf der Süd­halb­kugel gibt es einen solchen Jetstream. Der Polarfront-Jetstream ist ein Stark­wind­band, verläuft generell in den höheren Mittel­breiten und liegt in einer Höhe von rund neun bis 14 Kilometern, wie Siebert-Sperl erklärt. Der Polarjet erreicht extrem hohe Wind­geschwindig­keiten von West nach Ost, in der Spitze bis zu 360 Stunden­kilo­meter. In der Luftfahrt werden Jetstreams genutzt, um Treibstoff zu sparen, indem die Flugzeuge mit dem Wind fliegen.

Meteorologin: „Je größer die Temperatur­unterschiede, desto heftiger das Wetter“

Für das Wetter in Deutschland spielt der Polarjet eine zentrale Rolle. „Kalte Polarluft trifft auf subtropische Luft. Wir sitzen genau im Zentrum dieses Aufeinander­treffens – über uns mischen sich die Luftmassen“, sagt die Meteorologin. Während in Grönland und Island schon sehr kalte Temperaturen gemessen werden, ist es beispielsweise in der Türkei noch deutlich wärmer. Der Polarjet ziehe die warme subtropische Luft aus dem Süden Richtung Norden, erläutert die Expertin. „Je größer die Temperatur­unterschiede sind, desto stärker werden Tiefdruck­systeme und desto heftiger kann das Wetter werden“, sagt Siebert-Sperl.

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Nasskaltes Herbstwetter oder goldener Oktober?

Konkret bedeutet das für Deutschland, dass es zunehmend stürmischer werden wird. Im Laufe dieser Woche werde das schlechte Wetter Überhand nehmen. Gewitter und Regenfälle in Teilen der Bundes­republik sind die Folge. Die Expertin spricht von „Mischwetter“. Während es im Norden deutlich abkühlt, die Temperaturen auf rund 13 Grad fallen und frische bis starke Böen wehen, können in Süd­deutsch­land noch teilweise bis zu 25 Grad erreicht werden. Erst zum Wochenende hin werde es flächen­deckend wieder schöner. „Wir erwarten ab Freitag einen Sonne-Wolken-Mix, der sich bis in die neue Woche hineinzieht. Grund dafür ist ein neues Hoch­druck­gebiet, das uns mildes Herbstwetter beschert“, prognostiziert die Meteorologin.

In den Oktober­nächten wird es frisch, sagt Siebert-Sperl. „Die Temperaturen liegen meist im einstelligen Bereich. Mit Bodenfrost ist allerdings nicht zu rechnen, wenn dann vereinzelt und sehr lokal“, führt die Expertin aus. Die Schnee­fall­grenze sinke in den Alpen und Mittel­gebirgen teilweise auf etwa 1500 Meter. „Auf dem Brocken könnte es im Oktober den ersten Schnee geben“, erklärt die Meteorologin.

Erderwärmung: Jetstream verändert sich

Der Polarjet zieht dauerhaft von Ost nach West – mal schneller, mal langsamer. Doch durch die Erd­erwärmung verändert sich der Jetstream, was auch immense Folgen für das Wetter hat. Wetter­lagen verharren länger über einer Region. Dahinter steckt ein globales Phänomen: Die Atmosphäre erwärmt sich nicht gleichmäßig, sondern an den Polen mehr als am Äquator. Das vermindert den starken Temperatur­unterschied zwischen diesen beiden Regionen. Die Folge: Der nördliche Jetstream, der als Windband in großer Höhe um die Nord­halb­kugel zieht, verändert sich.

Dadurch können Wetter­lagen über längere Zeit an einem Ort bleiben und extreme Bedingungen schaffen, wie beispielsweise bei der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz im August. „Das Problem ist gar nicht die Wetterlage an sich, sondern dass sie über lange Zeit bestehen bleibt“, sagt Peter Hoffmann vom Potsdam-Institut für Klima­folgen­forschung.

mit dpa

Von Nico Schwieger/RND

Der Artikel "Nasskaltes Herbstwetter oder goldener Oktober? Polarjet sorgt für Veränderungen in Deutschland" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.