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Panorama Nadja Auermann muss 90.000 Euro Strafe zahlen
Mehr Welt Panorama Nadja Auermann muss 90.000 Euro Strafe zahlen
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23:07 13.12.2011
Exmodel Nadja Auermann am Dienstag im Amtsgericht Tiergarten in Berlin
Exmodel Nadja Auermann am Dienstag im Amtsgericht Tiergarten in Berlin Quelle: dpa
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Berlin

Konzentriert und fast unbewegt nahm Nadja Auermann das Urteil entgegen. Nur kurz zuckten die Mundwinkel des früheren Top-Models, als Richter Jürgen Kohls am Dienstag im schmucklosen Berliner Amtsgericht Tiergarten die Geldstrafe von 90 000 Euro wegen Steuerhinterziehung verkündete.

Wenig später sagte die große Blonde, die in enger schwarzer Hose und beigem Pulli erschien, fast trotzig: „Ich bin natürlich nicht zufrieden, wir werden in Berufung gehen.“ Auch Anwalt Robert Unger schüttelte den Kopf. „Wir halten das Urteil für falsch.“ Damit dürfte sich der Rechtsstreit weiter in die Länge ziehen.

Seit knapp sieben Monaten war vor Gericht gestritten worden, ob die gebürtige Berlinerin zwischen 1999 und 2002 in einer alten Villa am See im Berliner Ortsteil Köpenick wohnte - sie hätte dann rund eine Viertelmillion Euro Einkommenssteuer zahlen müssen. Auermann, damals als Model weltweit gefragt, bestritt die Vorwürfe bis zuletzt: „Ich bin unschuldig.“ Sie hatte das Haus 1998 gekauft - nach ihrer Darstellung vor allem als Investition.

Ihr Lebensmittelpunkt sei damals Monaco gewesen, nur gelegentlich sei sie nach Berlin gekommen, um die Sanierung der unbewohnbaren Baustelle zu beaufsichtigen, beteuerte die 40-Jährige vor Gericht. Anwalt Unger hatte darauf verwiesen, dass Auermann sich nach ihrer Rückkehr nach Deutschland ordnungsgemäß bei den Behörden anmeldete und seit 2002 rund 1,5 Millionen Euro Steuern zahlte.

Auermann zog von Monaco zunächst nach Potsdam und lebt jetzt mit ihrer Familie in Dresden. Seit Anfang der 1990er-Jahre gehörte die Berlinerin zum Kreis der internationalen Topmodels. Modezar Karl Lagerfeld nannte sie die „neue Marlene Dietrich“, Starfotografen wie Peter Lindbergh und Helmut Newton lichteten sie begeistert für Modemagazine ab. Vor etwa zehn Jahren zog sich Auermann vom Laufsteg zurück und schlug eine zweite Karriere als Schauspielerin ein.

Auermann und ihr Anwalt hielten das Berliner Verfahren für „Wahnsinn“. So waren Flugtickets, Arztrechnungen, Taxiquittungen und Fotos zusammengetragen worden, um der heute dreifachen Mutter den deutschen Wohnsitz nachzuweisen. Ein Steuerfachmann hatte das Verfahren ins Rollen gebracht.

Im Urteil wurde nun auch ihr Argument zerpflückt, sie habe das Haus nur vermieten wollen. „Eine mit Schwammtechnik rotbemalte Wand - sowas macht man für sich selbst, nicht für irgendwelche Mieter“, meinte Richter Kohls. Zudem reiche für eine Steuerpflicht in Deutschland schon, nur gelegentlich da zu sein.

Auermann musste hinnehmen, dass ihr Privatleben akribisch durchleuchtet wurde. Der Vorsitzende Richter nahm die Kritik daran gelassen. Man hätte auch noch weitere Zeugen befragen können. Strafmildernd wertete das Gericht, dass Auermann erstmals angeklagt war und sie durch das große öffentliche Interesse über Monate „heftig persönlich betroffen“ gewesen sei. Die Staatsanwaltschaft hatte eine mehr als doppelt so hohe Geldstrafe gefordert.

Lässig zeigte sich hingegen Auermanns Ex-Mann und Schauspieler Wolfram Grandezka („Verbotene Liebe“), der mitangeklagt war und nun freigesprochen wurde. Er habe niemals Steuern hinterzogen - das habe ihm das Gericht bestätigt, freute er sich laut Mitteilung. „Damit ist dieses unglückselige Kapitel für mich nun endgültig abgeschlossen.“

dpa

13.12.2011
13.12.2011