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Panorama Mutmaßlicher Sprengstofftäter weiterhin verschanzt
Mehr Welt Panorama Mutmaßlicher Sprengstofftäter weiterhin verschanzt
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08:17 20.08.2009
Kein Ende des Nervenkriegs in Viernheim in Sicht. Quelle: Oeser/ddp
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Beamte des Sondereinsatzkommandos stehen in Kontakt mit dem 44-Jährigen und setzen weiter auf eine Verhandlungslösung. Der von Nachbarn als Waffennarr beschriebene Mann hatte vor dem Eingang eines Viernheimer Bungalows am Mittwochmorgen gegen 6.00 Uhr einen Sprengkörper hochgehen lassen. Danach flüchtete er in seine benachbarte Wohnung und meldete sich über Notruf bei der Polizei. Es sei nicht auszuschließen, sagte ein Polizeisprecher, dass der Mann seine Drohung, Sprengfallen zu zünden, wahr mache.

Rund 100 Bewohner der umliegenden Reihenhäuser mussten sich für die Nacht ein anderes Dach überm Kopf suchen. Wer nicht bei Verwandten oder Freunden unterkam, erhielt Hilfe von der Stadt. Die Bewohner des attackierten Bungalows, ein Ehepaar mit zwei Kindern, hatten sich am Mittwochmorgen durch ein eingeschlagenes Fenster ins Freie gerettet. Dabei erlitten sie Schnittverletzungen an den Händen.

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Hintergrund der Tat sollen Mietschulden sein, die der 44-Jährige Jürgen K. bei einer Verwandten der vom Sprengstoffanschlag betroffenen Familie haben soll. Nach Berichten von Nachbarn trug K. ausnahmslos Militärkleidung und hatte bei seiner Flucht eine Gasmaske übergestülpt. Einzelheiten ihrer Verhandlungstaktik gab die Polizei nicht bekannt.
Die Strom- und Wasserversorgung der Wohnung des mutmaßlichen Sprengstofftäters sei nicht abgestellt worden, sagte der Sprecher und trat damit anderslautenden Berichten entgegen. Offensichtlich nehmen die Beamten die Drohungen des Manns, weiteren Sprengstoff zu zünden, ernst. Insgesamt sind über 500 Rettungskräfte und Polizisten in das Wohnviertel im Nordwesten Viernheims eingerückt, die auch über Nacht vor Ort blieben.

Die Polizei rechnet dem 44-Jährigen auch einen Sprengstoffanschlag zu, der sich Mittwoch früh gegen 5.00 Uhr in Viernheims baden-württembergischen Nachbarort Weinheim ereignete. Dabei schleuderte der Mann einen Sprengkörper, möglicherweise eine Handgranate, auf ein Wohnhaus. Verletzt wurde niemand.

Viele Anwohner in Sichtweite des abgesperrten Viernheimer Gebäudekomplexes trugen erst weit nach Mitternacht ihre Stühle zurück in ihr Reihenhaus. Einige harrten auf ihren Beobachtungsposten bis zum Sonnenaufgang aus. Schüsseln mit Kartoffelsalat machten die Runde, ehrenamtliche Helfer der Rettungsdienste versorgten Polizeibeamte und Medienvertreter mit Kaffee und belegten Brötchen.

Die Polizei vermutet, dass sich der verschanzte Waffennarr von seiner Wohnung aus ein Bild der Lage zu machen versucht. In der Nacht war es hier angespannt - und gespenstisch ruhig. Ob es die Ruhe vor dem Sturm ist, weiß zur Stunde niemand.

ddp