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Panorama Mutmaßliche Kunstdiebe bringen Polke-Bilder nach Bodenwerder
Mehr Welt Panorama Mutmaßliche Kunstdiebe bringen Polke-Bilder nach Bodenwerder
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14:12 12.08.2010
Maler Sigmar Polke bei einer Ausstellung seiner Bilder im Museum für Gegenwartskunst in Siegen. Quelle: dpa
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Mindestens vier Männer sollen 16 Werke des im Juni gestorbenen Malers Sigmar Polke gestohlen haben. Im Zusammenhang mit dem mysteriösen Diebstahl ermittelt die Polizei bisher gegen vier Beschuldigte. Die Beamten hatten das Quartett in einem Haus in Bodenwerder an der Oberweser gestellt. Die Männer warteten dort auf einen Kunsthändler aus dem Kreis Emsland, dem die Bilder telefonisch für 250.000 Euro zum Kauf angeboten worden waren. Einer der Verdächtigen ist der 56 Jahre alte Hauseigentümer.

Trotz des Gesamtwertes der Werke in Höhe von geschätzt rund zwei Millionen Euro sei das Quartett nicht festgenommen worden, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hildesheim, Christina Pannek, am Donnerstag. Es bestehe weder Flucht- noch Verdunkelungsgefahr. Die vier Männer haben nach Angaben der Polizei bislang jede Aussage verweigert. So sei bisher nicht klar, wann und wie die Bilder aus dem Kölner Nachlass Polkes verschwunden seien. Ebensowenig wissen die Ermittler, wie die „heiße Ware“ nach Bodenwerder gelangt ist. Das Quartett sei zuvor nicht durch Straftaten aufgefallen.

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Wie am Mittwoch bekanntgeworden war, hatte die Polizei die Bilder bereits am vergangenen Freitag sichergestellt. Einige der Werke waren zur besseren Präsentation an den Wänden aufgehängt gewesen, als die Beamten statt des von den Verdächtigen erwarteten Kunsthändlers in Bodenwerder auftauchten. Nach Angaben des Kunsthändlers Sascha Tyrra handelt es sich bei den meisten der ihm angebotenen Polke-Bilder um Aquarelle und Handzeichnungen. Sie hätten sich zum Teil seit Jahrzehnten im persönlichen Besitz Polkes befunden. Deshalb sei er misstrauisch geworden, als sie ihm zum Kauf angeboten wurden. Tyrras Recherchen hatten ergeben, dass die Bilder sich eigentlich im Nachlass Polkes hätten befinden müssen. Er hatte daraufhin die Behörden eingeschaltet.

Bei mindestens einem größeren Gemälde sei der Urheber unklar, hieß es bei der Polizei. Ob das Bild wirklich von Polke stamme, werde überprüft. Möglicherweise handele es sich um eine Fälschung. Die Polizei hat die Bilder mittlerweile an den Nachlassverwalter ausgehändigt. Sie müssen bis zum Abschluss der Ermittlungen sicher verwahrt und dürfen bis dahin auch nicht verkauft werden. Sigmar Polke, der als einer der bedeutendsten Künstler der Gegenwart gilt, war im Juni im Alter von 69 Jahren in Köln gestorben.

dpa