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Panorama Musikverleger unterliegt der Familie des Komponisten Karl Ganzer
Mehr Welt Panorama Musikverleger unterliegt der Familie des Komponisten Karl Ganzer
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16:15 23.07.2009
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Einen jodelnden Richter erlebt man nicht alle Tage - nicht einmal in Bayern. Deshalb war es nicht verwunderlich, dass Prozessbeteiligte und -beobachter am Donnerstag ins Schmunzeln kamen, als Richter Peter Guntz die umstrittene Jodel-Passage „Holla-rä-di-ri, di-ri, di-ri“ aus dem „Kufsteiner Lied“ vortrug.

Ursprünglich soll das „Kufsteiner Lied“ einen eher eintönigen „Kuckucksjodler“ gehabt haben. Frauenberger behauptet, das Lied erst mit dem von ihm komponierten Oktavjodler zum Welthit gemacht zu haben. „Das von Frauenberger beanspruchte ’di-ho’ am Ende der ersten Phrase hab ich nie gehört“, bezeugte Richter Guntz. Die Interpreten hätten beim Jodler doch eine „relative Freiheit“. Er äußerte Bedenken daran, dass Frauenberger den Jodler tatsächlich so in Form gebracht habe, dass er urheberrechtlich schützenswert sei.

Darüber hinaus ging es bei dem Streit um die Frage, ob die mittlerweile verstorbene Witwe des österreichischen Komponisten Ganzer als Miturheberin gelten kann. Karl Ganzer starb 1988, seine Frau Gertraud 2001. Kurz vor ihrem Tod soll die Witwe dem damaligen Familienfreund Frauenberger anvertraut haben, dass der Text der zweiten Strophe des „Kufsteiner Liedes“ von ihr stamme. Frauenberger reichte eine entsprechende Werkänderung bei der GEMA ein, sodass das Lied nunmehr drei Namen trug. Karl Ganzers Kindern erfuhren von dieser Änderung erst 2005 durch Zufall. „Wir wollen den Ruf vom Vater wiederherstellen“, betonte der Sohn, Helmut Ganzer, am Donnerstag während des Prozesses.

Das Gericht entschied nun, dass Karl Ganzer der alleinige Urheber des Stücks sei und der GEMA-Eintrag entsprechend geändert werden solle. Frauenberger habe früher selbst unter anderem in einem Prozess gesagt, dass Ganzer der alleinige Urheber sei. Zu Lebzeiten des Freundes habe er nie Ansprüche angemeldet. „Der Erfolg hat viele Väter. Da erinnern sich dann viele, dass sie dabei waren“, sagte Richter Guntz. Zu der Frage, ob die Witwe als Miturheberin gelte, betonte das Gericht, dass das Urheberrecht nicht dadurch erschüttert werden dürfe, dass Familienmitglieder plötzlich nach Jahren Ansprüche anmeldeten.

Der Urheberrechtsspezialist Martin Schäfer, der die Familie Ganzer vertrat, zeigte sich erfreut, dass die Urheberschaft des Liedes zweifelsfrei geklärt sei. Egon Frauenberger kommentierte die Entscheidung mit den Worten: „Ich muss sie respektieren, akzeptieren tu’ ich sie nicht.“

Zu hören war am Donnerstag dann allerdings nur eine Version des „Kufsteiner Liedes“. Da die Technik nicht einsatzbereit war, konnte nur der Klingelton von Helmut Ganzer gehört werden. Bei jedem Anruf erklingt auf seinem Handy der Volksmusik-Hit.

ddp