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Panorama Mordverdacht: Bekannter deutscher Urologe in den USA festgenommen
Mehr Welt Panorama Mordverdacht: Bekannter deutscher Urologe in den USA festgenommen
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07:53 18.05.2020
Der Mediziner wurde nach dem Leichenfund festgenommen. (Symbolbild) Quelle: picture alliance/dpa
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Morddrama um einen bekannten deutschen Professor für Urologie: Am Donnerstagabend verschwand Kathleen M., die amerikanische Ehefrau von Dr. Ingolf T. Weniger als 48 Stunden später wurde ihre Leiche in einem Waldstück zwei Kilometer von der Familienvilla entfernt entdeckt – und ihr Ehemann festgenommen.

Der 58-Jährige hatte an der Humboldt Universität in Berlin Medizin studiert und danach an der Charité als Urologe gearbeitet. Dort machte er sich als Experte für robotergesteuerte urologische Eingriffe weltweit einen Namen. 2003 holte ihn das St. Elizabeth Medical Center als Chef der minimalinvasiv-laparoskopischen Urologie nach Boston. 2008 sprach T. beim Internationalen Urologen-Kongress in Stuttgart über seine Erfahrungen in den USA: “Als deutscher Arzt und Spezialist mit besonderen Fähigkeiten wirst du in Amerika sehr respektiert. Die finanzielle Ausstattung ist deutlich besser hier, auch wenn man mehr Patienten sehen muss als in Deutschland”, sagte er unter anderem.

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Paar soll erst im vergangenen November geheiratet haben

Eine langjährige Freundin des Opfers verriet, dass das Ehepaar sich erst im letzten November das Jawort gegeben hatte: “Sie waren schon zwei Jahre zusammen und haben dann heimlich standesamtlich geheiratet.” M., 13 Jahre jünger als ihr Mann, brachte laut Medienberichten vier Kinder mit in die Ehe.

Schon kurz nach dem Jawort gab es laut der Freundin des Opfers Beziehungsprobleme: “K. hat angedeutet, dass es mit den Ermittlungen gegen ihren Mann zu tun hat.” Die Generalstaatsanwaltschaft von Massachusetts hatte T. zu dem Zeitpunkt schon im Verdacht, bei Abrechnungen betrogen zu haben. Der Vorwurf: Der Urologieprofessor hatte OP-Rechnungen an die staatliche Krankenkasse gestellt, obwohl er die Eingriffe gar nicht durchgeführt hatte. Kurz vor der Eheschließung mit M. einigte sich T. auf einen Vergleich und musste 150.000 US-Dollar (rund 138.000 Euro) zurückzahlen. Dafür behielt er seine Zulassung.

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Arzt bereits wegen häuslicher Gewalt angeklagt

Ende Januar wurde T. wegen tätlichen Angriffs, häuslicher Gewalt, Körperverletzung durch Würgen/Strangulieren und Angriffs mit einer gefährlichen Waffe angeklagt; er bestand darauf, unschuldig zu sein. M. stellte einen Antrag auf einstweilige Verfügung gegen ihren Ehemann. Ein Gericht entschied, dass sich T. seiner Ehefrau nicht mehr nähern durfte, was er nicht einhielt. Laut Gerichtsakten wurde er am 6. Februar wegen des Verstoßes gegen die einstweilige Verfügung dem Haftrichter des Bezirksgerichts in Dedham vorgeführt. Er bekannte sich wiederum nicht schuldig und kam wieder auf freien Fuß.

Die nächste Anhörung sollte am 4. März stattfinden, wurde aber wegen gerichtlicher Terminprobleme verschoben. Zum Entsetzen von M. Die rief im März einen Reporter der “Dover Sherborn Press” an. Laut der Lokalzeitung sprach sie über ihre Angst vor T.: “Sie hat sich darüber beschwert, dass das Justizsystem sie nicht vor ihrem Mann beschützt.”

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Opfer wollte vermutlich die Scheidung

Für die Freundin des Opfers war klar, dass M. eine Scheidung wollte. Die Heilpraktikerin löschte alle Bilder von T. auf ihrem Facebook-Account. Dazu postete sie am 15. April ein Foto vom Haus des Ehepaares mit dem Schild “Zu verkaufen”. In einem weiteren Foto hielt sie eine Kette mit dem Anhänger “Hope” (zu Deutsch “Hoffnung”) hoch. Einer der letzten Facebook-Einträge war ein Zeitungsartikel, den M. geteilt hatte. Er handelte von ansteigenden Vorfällen von häuslichem Missbrauch während der Corona-Pandemie. Ihr Kommentar dazu: “Es bricht mir das Herz.”

Die Freundin des Opfers ahnte, dass etwas nicht stimmte, als sie ihrer Freundin am Freitag eine SMS schickte: “Ich hörte nichts von ihr zurück, was völlig ungewöhnlich war, weil sie sonst immer sofort antwortete. Aber ich dachte, dass sie vielleicht nur sehr beschäftigt war.” Erst zwei Tage später erfuhr sie den schlimmen Grund dafür aus der Zeitung: M.s Leiche war Samstagnacht um 23 Uhr in einem Waldstück entdeckt worden. Ein Polizeisprecher: “Wir haben während der Ermittlungen Anhaltspunkte bekommen, die uns in die richtige Gegend geführt haben.”

T. sitzt in Untersuchungshaft und wird laut Michael W. Morrisey, dem Staatsanwalt des Norfolk County, am Montag dem Haftrichter vorgeführt.

RND

Von Dierk Sinderman/RND

Der Artikel "Mordverdacht: Bekannter deutscher Urologe in den USA festgenommen" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

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