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Panorama Mord im Rockermilieu: Zwei „Hells Angels“ stehen ab Dienstag vor Gericht
Mehr Welt Panorama Mord im Rockermilieu: Zwei „Hells Angels“ stehen ab Dienstag vor Gericht
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13:26 19.12.2009
In dem Prozess geht es um den Mord an Dirk O., dem Präsidenten der „Outlaws“ in der Region Donnersberg.
In dem Prozess geht es um den Mord an Dirk O., dem Präsidenten der „Outlaws“ in der Region Donnersberg. Quelle: ddp
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Am Dienstag (22. Dezember) wird schon ab dem frühen Morgen vor dem Kaiserslauterer Justizzentrum am Hauptbahnhof der Ausnahmezustand herrschen. Zum Prozessauftakt um 11.00 Uhr gegen zwei Mitglieder der „Hells Angels“ rechnen Polizei und Staatsanwaltschaft mit mehreren hundert Rockern, die den Prozess beobachten wollen. Der Sitzungssaal 1, in dem der Prozess stattfinden soll, hat gerade 60 Sitzplätze für Zuschauer. Die Polizei rechnet auch mit Mitgliedern des rivalisierenden Motorradclubs „Outlaws“. Denn in dem Prozess geht es um den Mord an Dirk O., dem Präsidenten der „Outlaws“ in der Region Donnersberg.

Angeklagt sind ein 42-jähriger Maschinenschlosser aus Rockenhausen (Donnersbergkreis) und ein 28-jähriger Nachtclubbesitzer aus Mannheim. Ein 27-jähriger Tatverdächter ist noch flüchtig.

Um der Situation vor Gericht Herr zu werden, hat der Vorsitzende Richter die höchste Sicherheitsstufe vor und im Saal verfügt. Alle Prozessteilnehmer und Zuschauer müssen durch zwei Sicherheitsschleusen - eine am Eingang des Gebäudes, eine zweite vor der Saaltür. Die Polizei wird mit mehreren Hundertschaften vor Ort sein, um die beiden Gruppen auseinander zu halten.

Das Motiv der Tat war offenbar ein Streit zwischen den beiden Rockerclubs, nachdem einer der angeklagten „Hells Angels“ eine Gebietsübertretung in das Revier der „Outlaws“ begangen hatte. Den Ermittlungen zufolge war der 42-jährige Angeklagte drei Tage vor der Tat in Bad Kreuznach von einem Mitglied der „Outlaws“ verprügelt worden, weil er mit seinem Motorrad dorthin gefahren war und in „Hells Angels“-Kleidung eine Kneipe besucht hatte.

Daraufhin beschloss der Verprügelte mit zwei weiteren „Hells Angels“-Mitgliedern sich zu rächen. In der Nacht zum 27. Juni lauerten die drei vor einer Kneipe in Kirchheimbolanden (Donnersbergkreis) einer Gruppe „Outlaws“ auf und wählten aus dieser ihr späteres Opfer zufällig aus. Mit einem Auto verfolgten sie Dirk O. auf dem Heimweg von der Kneipe und drängten ihn mit seinem Motorrad von der Landstraße ab.

Der 28-Jährige soll der Staatsanwaltschaft zufolge dem Opfer zunächst mit einem Teleskopstock wuchtig gegen den Motorradhelm geschlagen haben. Dann soll der noch flüchtige 27-Jährige dem Mann sieben Mal mit einem Messer in Rücken und Oberschenkel gestochen haben. Der 28-Jährige habe dann dem lebensgefährlich Verletzten die mit Clubabzeichen bestickte Lederweste, die „Kutte“, die den 45-Jährigen als Präsident der „Outlaws“ auswies, ausgezogen. Das Opfer starb zwei Stunden später im Krankenhaus.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Beschuldigten den Raub der „Kutte“ von vornherein ins Auge gefasst hatten. Bei Rockerclubs bringt die Eroberung einer fremden „Kutte“, insbesondere die eines Club-Präsidenten, besondere Anerkennung im eigenen Club. Die Anklage lautet deshalb Mord in Tateinheit mit Raub mit Todesfolge und mit räuberischem Angriff auf einen Kraftfahrer.

Der 42-jährige Beschuldigte war bereits kurz nach der Tat Ende Juni festgenommen worden und sitzt seither in Untersuchungshaft. Der 28-Jährige wurde im August in Portugal verhaftet. Der erste Verhandlungstag wurde noch vor Weihnachten angesetzt, weil der zuerst Festgenommene sonst zu Silvester aus der Untersuchungshaft hätte entlassen werden müssen. Der nächste Prozesstag ist der 7. Januar, danach wird zweimal die Woche verhandelt - mindestens bis Ende März. Für die Hauptverhandlung sind zwei Gutachter und 80 Zeugen geladen.

ddp