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13:25 07.09.2016
Von Saskia Döhner
Protest von Sprachlehrern: Auch an der Volkshochschule und an anderen Bildungsvereinen gibt es Sprachkurse für Flüchtlinge, die Dozenten fordern bessere Bezahlung.
Protest von Sprachlehrern: Auch an der Volkshochschule und an anderen Bildungsvereinen gibt es Sprachkurse für Flüchtlinge, die Dozenten fordern bessere Bezahlung. Quelle: Eberstein
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Hannover

An den einjährigen Besuch einer Sprachlern- oder Sprint-Klasse schließt sich ab Herbst dann ein sechs- bis neunmonatiges Praktkium an, in dem die jungen Menschen erste Berufserfahrungen sammeln. "Sprint dual" besteht aus 1,5 Tagen Berufsschulunterricht und 3,5 Tagen Schnuppern im Betrieb. "Wir möchten jugendliche Flüchtlinge und niedersächsische Betriebe zusammenbringen", sagte Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) am Mittwoch in Hannover.

Vor einem Jahr waren die Sprint-Klassen an den Berufsschulen eingerichtet worden, damit auch nicht mehr schulpflichtige junge Erwachsene eine Chance auf Sprachförderung haben. Mittlerweile gibt es knapp 200 solcher Klassen an 94 Schulen im Land, die von 2800 Schülern besucht werden. Ihnen soll jetzt die Chance auf eine Lehrstelle gegeben werden.

Laut Klaus Stietenroth, Chef der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen bei der Arbeitsagentur, sagte,mehr als 4000 Flüchtlinge zwischen 15 und 25 Jahren suchten derzeit einen Job, hinzu kämen weitere 5000, die bald ihre Sprachkurse beendeten und dann auch arbeiten wollten. Die meisten wollten möglichst schnell Geld verdienen. Vom Wert der dualen Ausbildung hätte kaum jemand gehört. Aber als Ungelernte ohne Schulabschluss könnten sie nur in Hilfstätigkeiten vermittelt werden. Ziel müsse Qualifizierung sein.

Rund 1000 Jugendliche könnten im "Sprint-dual"-Programm geschult werden, wenn davon 300 anschließend eine Lehrstelle bekämen, sei das ein großer Erfolg.  Die jungen Menschen könnten sich im Betrieb erporben und den Grundstein für eine stabile Erwerbsbiografie legen. Und die Unternehmen wären einen Teil ihrer Nachwuchssorgen los. Heiligenstadt und Stietenroth appellierten an die Betriebe, viele Praktikumsplätze zur Verfügung zu stellen.

Alle Teilnehmer durchlaufen ein spezielles Kompetenzfeststellungsverfahren, das mit der Werkstattschule in Hannover erarbeitet wurde, und viele visuelle Elemente enthält, damit es auch Jugendlichen mit geringen Sprachkenntnissen verstehen. Zudem werden zehn regionale Prozessbegleiter eingestellt, die zwischen Schulen und Betrieben vermitteln und bei der Praktikumssuche helfen sollen. Ein Mitarbeiter soll rund neun Schulen betreuen. Die Kosten für das rund 1,7 Millionen Euro teure Programm trägt das Bundesbildungsministerium. Ab Oktober sollen schrittweise die ersten "Sprint-dual-Klassen" starten.

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