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Panorama Missbrauchsverdacht erschüttert katholisches Elitegymnasium
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17:19 28.01.2010
Das Canisius-Kolleg gilt als Eliteschule in Berlin. Quelle: dpa
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Am renommierten Canisius-Kolleg in Berlin sollen mindestens sieben Schüler sexuell missbraucht worden sein. Er gehe sogar von einer noch höheren Dunkelziffer aus, sagte der Rektor der Privatschule, Pater Klaus Mertes, am Donnerstag. Die Polizei leitete Ermittlungen gegen unbekannt ein.

Der Verdacht kam ans Licht, weil sich Mertes in einem Brief an etwa 600 ehemalige Schülerinnen und Schüler wandte. „Mit tiefer Erschütterung und Scham habe ich diese entsetzlichen, nicht nur vereinzelten, sondern systematischen und jahrelangen Übergriffe zur Kenntnis genommen“, heißt es darin. Mertes hatte eigenen Angaben zufolge bereits 2004 und 2005 von jeweils einem Fall erfahren. Die beiden Opfer hätten ihn aber damals um Diskretion gebeten, daher habe er nicht weiter recherchiert, sagte Mertes. Zu einer Anzeige kam es nicht.

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Anlässlich eines Jahrgangstreffens wurde dem Rektor dann vor kurzem das erschreckende Ausmaß offenbar: Im Dezember und Januar meldeten sich bei ihm fünf weitere ehemalige Schüler und berichteten von sexuellem Missbrauch. „Das, was mir die Opfer erzählt haben, lässt mir den zwingenden Rückschluss zu, dass es eine Dunkelziffer gibt“, sagte Mertes. Das Canisius-Kolleg wird vom Jesuitenorden geführt. Viele Absolventen sollen heute in führenden Positionen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft tätig sein.

Der Verdacht des systematischen Missbrauchs erinnert viele Menschen an Skandale in anderen konfessionellen Einrichtungen - auch im Ausland. So wurde die katholische Kirche in den USA vor einigen Jahren von einer Serie von Pädophilen-Skandalen erschüttert. Auch in Irland wurde durch umfassende Ermittlungen bekannt, dass Priester, Nonnen und Mönche über Jahrzehnte Kinder erniedrigt und missbraucht hatten.

Die Berliner Fälle, über die auch die „Berliner Morgenpost“ (Donnerstag) berichtete, sollen nun möglichst vollständig aufgeklärt werden. Bislang ist lediglich bekannt, dass die verdächtigten Lehrer schon seit langem nicht mehr an der Schule sind. Ob unter den Opfern Jungen wie Mädchen sind, ist noch unklar. Bis Ende der 70er Jahre war das Kolleg eine reine Jungenschule. Doch danach könnten auch Mädchen Opfer geworden sein.

Die Polizei will nun in jedem Einzelfall prüfen, ob Straftaten bereits verjährt sind, wie ein Sprecher sagte. Laut Strafrecht verjähre ein schweres Sexualdelikt nach zehn Jahren. Wenn die Opfer zur Tatzeit minderjährig seien, setze die Frist erst ein, wenn die Opfer 18 Jahre alt geworden sind. Damit wären Taten am Berliner Kolleg bei ehemaligen Schülern ab 28 Jahren verjährt. Nach Angaben des Rektors sind die sieben Opfer heute etwa 40 Jahre alt.

Auch das Canisius-Kolleg ist um Aufklärung bemüht. Er habe dem Landeskriminalamt seine volle Unterstützung zugesichert, sagte Mertes. Schwierig scheint dabei jedoch zu sein, eine Mauer des jahrelangen Schweigens zu durchbrechen. Mertes sagte, es habe an der Schule schon länger Gerüchte gegeben, die aber nie so eindeutig gewesen seien, dass Nachforschungen notwendig erschienen.

Dennoch dürften sich viele fragen, warum die Vorwürfe so lange unentdeckt blieben. Das will auch Mertes klären. „Sexueller Missbrauch ist in der Regel immer auch mit einem Wegschauen verbunden“, sagte der Pater. Worin das Wegschauen im Fall des katholischen Canisius-Kollegs bestanden habe, müsse nun genau geprüft werden.

dpa