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Panorama Millionenerpresser entkommt knapp
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22:02 03.05.2009
Von Karl Doeleke
Thomas Wolf
So könnte Thomas Wolf heute aussehen. Quelle: BKA
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Der 56-Jährige habe sein Fluchtfahrzeug, einen silberfarbenen VW-Golf, offenbar fluchtartig verlassen, nachdem er es im weichen Waldboden festgefahren habe, teilte die Polizei am Wochenende mit. Ein Nachbar fand den Wagen auf einer Lichtung in der Nähe Delmenhorsts.

Wolf hatte zuletzt am 27. März in Wiesbaden die Ehefrau eines Bankiers verschleppt und erfolgreich 1,8 Millionen Euro erpresst. Der 56-Jährige befindet sich seit neun Jahren auf der Flucht und wird per internationalem Haftbefehl gesucht.

Er war Anfang 2000 von einem Hafturlaub nicht mehr in die Justizvollzugsanstalt Moers/Kapellen (Nordrhein-Westfalen) zurückgekehrt, wo er noch sechs Jahre einer 21-jährigen Haftstrafe abzusitzen hatte. Wolf hatte sich seitdem als der Niederländer Dirk van Dijk ausgegeben. Er lebte unauffällig mit seiner Lebensgefährtin in Frankfurt/Main. Den Lebensunterhalt bestritt Wolf aus der Beute eines Banküberfalls im April 2000 in Hamburg. Er steht beim Bundeskriminalamt auf der Liste der meistgesuchten Verbrecher.

Den Angaben des Polizeipräsidiums Frankfurt zufolge muss der ehemalige Häftling seinen silbernen Mietwagen abrupt verlassen haben. Der Zündschlüssel steckte noch im Schloss. Ebenfalls im Wagen befanden sich „wenige Tausend Euro“ sowie ein Fahrradsattel. Die Fahnder gehen daher davon aus, dass Wolf auf einem Fahrrad ohne Sattel geflüchtet ist. Vermutet wird daher auch, dass er sich noch in Norddeutschland aufhält.

„Warum sich Wolf zur plötzlichen Flucht veranlasst sah, wird zurzeit geklärt“, sagt Polizeisprecher André Sturmeit auf Anfrage. „Es waren nicht Polizeikräfte, vor denen er geflohen ist.“ Wolf hatte sich offenbar schon seit einiger Zeit im Kreis Oldenburg aufgehalten und wohl auch im Auto übernachtet. Im Kofferraum fanden die Beamten einen Koffer mit Kleidung, Waschzeug und einen Schlafsack. „Eine mögliche Erklärung ist, dass er sich von einer Jagdgesellschaft gestört fühlte“, vermutet Sturmeit.

Die „Sonderkommission Wolf“ aus Frankfurt hat mehrere Beamte nach Harpstedt entsandt, um die Fahndung gemeinsam mit Beamten der Polizeiinspektion Delmenhorst voranzutreiben. Die Polizei bittet die Bevölkerung um Hinweise zu früheren und zum derzeitigen Aufenthaltsort des Geflohenen. Die Beamten interessiert, wo der silberfarbene Golf Variant neuesten Typs mit verschiedenen Kennzeichen gesehen wurde. Am Fundort war das Kennzeichen AP-FY 43 angebracht. Im Fahrzeug fanden die Ermittler die Nummernschilder M-XA 8036 und KT-LV 44. Alle Kennzeichen sind in Würzburg und Berlin gestohlen worden.

Der Gesuchte ist gebürtiger Düsseldorfer, trägt graue bis weiße Haare, zuweilen eine Brille, spricht Deutsch mit leicht rheinischem Akzent, beherrscht Niederländisch und Englisch fließend. Er gibt sich gelegentlich als Niederländer, Engländer, Ire oder Skandinavier aus. Für Hinweise aus der Bevölkerung hat die Polizei die kostenlose Rufnummer (0 800) 1 10 33 33 eingerichtet. Hinweise, die zur Ergreifung führen werden mit 100.000 Euro belohnt.