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Panorama Michael Jackson starb an Überdosis
Mehr Welt Panorama Michael Jackson starb an Überdosis
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20:01 25.08.2009
Vorläufiges Obduktionsergebnis: Michael Jackson starb an einer Überdosis. Quelle: afp
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Jacksons Leibarzt Conrad Murray gerät so erneut in den Fokus.

Aus den Unterlagen, die in weiten Teilen vom US-Nachrichtensender CNN und der Zeitung „Los Angeles Times“ veröffentlicht wurden, ergibt sich ein detailliertes Bild der letzten Stunden von Jackson. Der Popstar war am 25. Juni überraschend im Alter von 50 Jahren in Los Angeles gestorben - kurz vor seiner geplanten Comeback-Konzertserie in London. Jacksons Leibarzt Murray sagte bei der Polizei aus, er habe dem unter Schlaflosigkeit leidenden „King of Pop“ über Wochen hinweg täglich das starke Betäubungsmittel Propofol in einer Dosierung von 50 Milligramm verabreicht. Aus Sorge, dass Jackson abhängig werden könne, habe er die Dosis schließlich auf 25 Milligramm reduziert und stattdessen andere Beruhigungsmittel eingesetzt, zitierten „Los Angeles 
Times“ und CNN aus den Dokumenten.

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In den beiden Tagen vor Jacksons Tod sei es ihm gelungen, den Sänger ohne Propofol zum Schlafen zu bringen, sagte Murray weiter aus. Am 25. Juni hätten die anderen Beruhigungsmittel jedoch keine Wirkung mehr gezeigt. In der Zeit von 1.30 Uhr bis 7.30 Uhr habe er Jackson nach und nach drei verschiedene Medikamente per Infusion verabreicht und ihn überwacht. Als sie alle nicht gewirkt hätten und Jackson wach blieb, habe er ihm um 10.40 Uhr auf wiederholtes Drängen des Popstars 25 Milligramm Propofol gegeben.

Jackson sei eingeschlafen, nach etwa zehn Minuten verließ Murray dem Polizeibericht zufolge den Raum und ging ins Bad. Bei seiner Rückkehr habe er bemerkt, dass der Popstar nicht mehr geatmet habe. Seine Wiederbelebungsversuche seien jedoch ohne Erfolg geblieben. Verschwiegen habe Murray bei seiner Befragung, dass er zunächst etwa 45 Minuten lang mit drei verschiedene Telefonate geführt haben soll, bevor der Notarzt von einem Mitarbeiter Jacksons verständigt wurde.

Murrays Anwalt Ed Chernoff wies die zeitliche Abfolge des Berichts zurück. Vieles sei lediglich die „Theorie der Polizei“ und basiere nicht auf den Angaben seines Mandanten. Erste Berichte, wonach die Gerichtsmedizin den Fall als fahrlässige Tötung einstufe, wurden laut CNN offiziell nicht bestätigt. Auch Murrays Anwalt betonte: „Die meisten Aussagen von ,anonymen Quellen‘ haben sich als falsch herausgestellt. Wir werden gern auf den Bericht der Gerichtsmedizin eingehen, sobald er offiziell veröffentlicht ist.“ Der Anwalt der Jackson-Familie, Londell McMillan, sagte, die veröffentlichten Dokumente bestätigten, dass „ein tragischer und grober Verstoß“ bei der Behandlung des Popstarsvorgelegen habe. Der Sprecher der Jacksons sagte, „die Familie freue sich auf den Tag, an dem der Gerechtigkeit Genüge getan werde“. Die Jacksons hätten „volles Vertrauen in den Rechtsweg“.

Auf Murray, einen Kardiologen aus Houston, konzentrieren sich die Ermittlungen zu Jacksons Tod bereits länger. Die Ermittler gehen dem Polizeibericht zufolge aber auch davon aus, dass diverse Ärzte und die von ihnen verschriebenen Medikamente zum Tod des Künstlers beigetragen haben könnten. So war Murray nach eigenen Angaben nicht der erste Arzt, der Jackson Propofol verabreicht hat. Murray hatte sich vor wenigen Tagen erstmals in einer Videobotschaft zu dem Fall geäußert. „Ich habe alles getan, was ich konnte“, betonte er.

von Marina Antonioni