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Panorama Mehrjährige Freiheitsstrafe für schweren Missbrauch von Stieftochter
Mehr Welt Panorama Mehrjährige Freiheitsstrafe für schweren Missbrauch von Stieftochter
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15:37 15.12.2009
Quelle: Rainer Surrey (Archiv)
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Der Peiniger des Mädchens hatte zuvor ein umfangreiches Geständnis abgelegt und der 14-Jährigen damit eine Aussage vor Gericht erspart.

Als strafmildernd wertete das Landgericht das von dem Angeklagten abgelegte „ungewöhnlich offene Geständnis“. Er habe selten einen Angeklagten erlebt, „der die Schuld so auf sich nimmt“, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Becker in seiner Urteilsbegründung. Seine Aussage und die von ihm gezeigte Reue seien glaubwürdig. Zudem gebe es keine Differenzen mit den Angaben des Mädchens. „Es hat weitere Vorfälle gegeben“, sagte der Richter. Weitere schwere Fälle des Übergriffs seien jedoch nicht festzustellen.

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Als erschwerend wertete das Gericht den langen Zeitraum des Missbrauchs. Der Mann soll das Mädchen zwischen 2001 und Sommer 2009 mehrfach missbraucht haben. Nach anfänglichen sexuellen Annäherungen soll er sein Opfer mindestens fünfmal vergewaltigt haben. Als er bei einem Übergriff nachts an das Bett der Stieftochter schlich, sagte er laut Anklageschrift zu dem Kind: „Du willst es doch auch.“

Im Alter von 13 Jahren fragte das Kind seinen Peiniger, ob der sie nicht einfach als seine Tochter ansehen könne. Dies soll der Stiefvater mit der Begründung verneint haben, sie sei zu alt und außerdem nicht seine Tochter. Heraus kam der Fall, als sich das Mädchen Mitschülern gegenüber offenbarte.

Der Angeklagte stellte sich anschließend selbst der Polizei und räumte den Missbrauch der Stieftochter ein. Mit seiner Entscheidung blieb das Gericht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Diese hatte in der vergangenen Woche auf eine Verurteilung zu fünfeinhalb Jahren plädiert. Die Verteidigung hatte vier Jahre und drei Monate gefordert.

„Mein Mandant ist mit dem Urteil zufrieden“, sagte Verteidiger Philipp Marquort anschließend. Der Angeklagte habe alle Taten gestanden und keine „Schuldverlagerung“ versucht. Ziel seines bereits einschlägig vorbestraften Mandanten sei es gewesen, eine Therapie zu erhalten. „Die wird er jetzt antreten“, sagte der Verteidiger. Nach Ansicht der Richter ist der Mann therapierwillig und auch therapiefähig.

Die Vertreterin der Nebenklage sagte, dem Mädchen gehe es schlecht. „Sie ist in einem desolaten Zustand“, sagte ihre Anwältin Kerstin Bartsch.

Die Entscheidung des Kieler Landgerichts ist noch nicht rechtskräftig. Gegen die Entscheidung kann binnen einer Woche Revision eingelegt werden. Während die Verteidigung dies ausschließt, behält sich die Staatsanwaltschaft eine Prüfung vor.

ddp